Großbritannien: Wie Boris Johnson die Coronakrise entgleitet
Icon: vergrößernGibt vor, alles im Griff zu haben: Boris Johnson bei einem Besuch des Jenner Institute in Oxford Mitte September
Foto: Kirsty Wigglesworth / dpa
Am Dienstag ist Boris Johnson im Parlament gefragt worden, warum Deutschland und Italien trotz des neuerlichen Corona-Ausbruchs so viel besser dastünden als das Vereinigte Königreich. Ganz einfach, antwortete der Regierungschef: Sein Land sei eben anders als andere Nationen, hier lebten "freiheitsliebende" Menschen. Denen könne man nicht ohne Weiteres abverlangen, "einheitlich die Regeln zu befolgen".
Durch das spärlich besetzte Unterhaus hallte daraufhin ungläubiges Gelächter; selbst einige Tory-Abgeordnete schauten betreten. Denn sechs Monate nach Beginn der Coronakrise hat sich parteiübergreifend eine etwas andere Lesart durchgesetzt: Demnach halten sich viele Briten vor allem deshalb immer weniger an die Regeln, weil der mit Notstandsbefugnissen regierende Johnson sie so oft geändert hat, dass inzwischen kaum noch jemand durchblickt.
Seit dieser Woche müssen die freiheitsliebenden Engländer nun erneut erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Angestellte, denen die Regierung über Wochen eintrichterte, sie müssten endlich zurück ins Büro, sollen nun doch wieder daheimbleiben. Pubs und Restaurants, denen der Schatzkanzler mit Millionenzahlungen über den Sommer half, müssen jetzt spätestens um 22 Uhr schließen.

