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Und sofort wurde er beschimpft: Lauterbach ist jetzt auf Tiktok

March 19
06:26 2024

Politik

Wurde an seinem ersten Tiktok-Tag gleich als "Boomer" beschimpft: Gesundheitsminister Lauterbach.

Wurde an seinem ersten Tiktok-Tag gleich als "Boomer" beschimpft: Gesundheitsminister Lauterbach.

Social Media ist aus dem Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Wie die Gesellschaft Kinder vor Gefahren schützen kann, beschäftigt die Gäste der ARD-Talkshow "Hart aber fair". Vor allem Gesundheitsminister Lauterbach kann jetzt mitreden.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist jetzt auf Tiktok. Gerade hat er mit Hilfe des Digitalexperten Sascha Lobo dort sein erstes Video gepostet – einen Tiktok abgesetzt, nennen das die User der Plattform. Er sei als "Boomer" diffamiert worden, klagt der Minister am Abend in der ARD-Talkshow "Hart aber fair". Er sei nicht so viel in den sozialen Medien unterwegs, sagt Lauterbach. Vor allem ist er auf X. Dort postet er täglich, was er gerade denkt. Deswegen weiß der SPD-Politiker immerhin, was man unter einem Shitstorm versteht.

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Social Media ist aus dem Leben der meisten Deutschen nicht mehr wegzudenken. Chatten mit Freunden, auf Veranstaltungen hinweisen, Dates vereinbaren, aber vor allem Bilder und Videoclips tauschen: Für viele gehört das zum Tag dazu wie das Frühstück. Doch dann gibt es noch die andere Seite von Social Media: Fakenews, Hassbotschaften, politische Hetze. Vor allem rechte Parteien haben gelernt, die Kanäle für ihre Zwecke zu nutzen. Sie sind dort aber auch deswegen so erfolgreich, weil die demokratischen Parteien viel zu lange die Vorteile von Instagram, Telegram, WhatsApp und X nicht rechtzeitig erkannt und zu nutzen verstanden haben.

Dennoch: Plattformen wie Tiktok haben den Politikbetrieb zum großen Teil zum Guten verändert, sagt Sascha Lobo. Die positiven Auswirkungen überwiegen seiner Ansicht nach. Doch er weiß auch: "Natürlich gibt es negative." Aber eine positive Entwicklung für die Politik sei, dass Social Media eine größere Transparenz gebracht, größere Debatten beschleunigt und intensiviert habe, "und dass der Austausch zwischen dem Planeten Politik und der Bevölkerung einfacher geworden ist."

AfD nutzt die App aktiv

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Das liegt auch an der Nutzung von sozialen Netzwerken wie Tiktok. Mehr als eine Milliarde User weltweit hat das Netzwerk, das dem chinesischen Technologiekonzern ByteDance gehört. Besonders für Kinder und Jugendliche ist Tiktok mittlerweile Informationsmedium Nummer 1. Im Durchschnitt verbringen sie etwa 75 Minuten täglich dort. Damit ist die Plattform für viele junge Menschen zur Hauptinformationsquelle geworden. Die AfD hat das verstanden und nutzt die App aktiv. Ihre Videos werden mehr als doppelt so oft geschaut wie die aller anderen Parteien zusammen. Mittlerweile hat auch die Bundesregierung den Wert der Videoplattform erkannt – knapp sechs Jahre nach ihrem Deutschlandstart. Lauterbach will sie nun als erster Regierungspolitiker regelmäßig nutzen – und, sagt er, ein gutes Gegengewicht zur AfD sein: "Wir dürfen die sozialen Medien der AfD nicht überlassen." Er habe schon jetzt mehr als eine Million Follower bei X, das er standhaft Twitter nennt. Und auch die Bundesregierung werde erfolgreich sein.

Fakt ist: Gerade TikTok hat die Kommunikation vor allem von Menschen unter dreißig Jahren deutlich verändert. Sascha Lobo erklärt das so: "Wir sprechen eigentlich davon, dass eine Plattform, ein soziales Medium, eine ganze Generation besser verstanden hat als fast alle anderen."

Katzenbaby im Mixer

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Darin liegt aber auch eine Gefahr. Das kann Silke Müller bestätigen. Sie ist Lehrerin und Schulleiterin aus Niedersachsen und hat ein viel beachtetes Buch geschrieben. "Wir verlieren unsere Kinder" heißt es. Darin warnt sie unter anderem vor den Gefahren von Social Media. Es seien vor allem Gewaltvideos wie Tierquälerei oder Folter, mit denen Kinder im Netz konfrontiert würden, sagt sie. Und es gehe um Cybergrooming. Dabei bauen Erwachsene Kontakte zu Kindern auf, um sie zu sexuellen Handlungen zu zwingen. "Das ist vor allem bei Gaming-Plattformen und sozialen Netzwerken der Fall", erklärt Müller, die Digitalbotschafterin in Niedersachsen ist.

In ihrer Schule gibt es eine Social-Media-Sprechstunde für Kinder, die zum Beispiel von Nacktfotos berichten, mit denen sie nicht umzugehen wissen. Oder von einem Video, in dem ein Katzenbaby in einen Mixer gesteckt wird. Der wird dann eingeschaltet. "Das sind Videos, von denen wir teilweise keine Ahnung haben, dass sie im Netz unterwegs sind", sagt Müller.

"Ich glaube, das Bewusstsein bei Erwachsenen, in welcher Welt Kinder unterwegs sind, muss geschaffen werden. Das machen wir Schulen im Moment nicht. Und das heißt: Wir bereiten die Kinder nicht gut vor. Eher haben wir die Diskussion: Muss Digitales in die Schulen oder nicht. Da bin ich sehr empfindlich. Natürlich muss Digitales in die Schule. Aber es geht um Haltung, es geht um Ethik. Und es geht eben auch darum, aufzuklären. Und diese Aufklärung findet im Moment nicht statt." Sascha Lobo stimmt ihr zu. Er kämpft seit Jahren für die Einführung eines entsprechenden Unterrichtsfachs in den Schulen.

"Diese Inhalte sind da"

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Silke Müller fordert mehr: "Es geht in erster Linie um gesellschaftliche Kompetenzbildung." Und es gehe um Kinder- und Jugendschutz, der aktuell nicht im Fokus der Politik stehe. "Unser Schulsystem funktioniert nicht mehr für die Herausforderungen von heute", sagt sie. Auch Lauterbach möchte mehr Aufklärung über die Gefahren von Social Media. Ihm geht es aber auch darum, Social-Media-Plattformen zu bestrafen, die sich nicht genug um Kinder- und Jugendschutz kümmern.

Müller sieht es anders. "Diese Inhalte sind da", sagt sie. Schüler würden zum Beispiel Warnungen wie "ab 18" eher als Trigger sehen und gerade auf derartige Videos tippen. "Die Verbots- und Überreglementierungsdebatte hilft uns nicht weiter, sondern es geht darum, Kinder, Erwachsene, Jugendliche zu befähigen, diese Inhalte gar nicht erst anzuschauen." Sie fordert, dass sich Eltern noch mehr mit sozialen Medien befassen sollten. "Ich kann nicht über Tiktok reden, ohne es zu kennen", sagt sie. "Wir Erwachsenen sind in der Pflicht, die Kinder in dieser Welt zu begleiten und zu beschützen. Und das bedeutet auch, dass wir diese Kompetenz brauchen: Lehrer, Politiker, aber auch die Zivilgesellschaft."

Quelle: ntv.de

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