Alexej Nawalny: Oppositioneller sollte laut Vertrauten gegen Tiergartenmörder ausgetauscht werden
Die Bundesregierung und die USA wollten den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny nach Angaben von dessen Anti-Korruptionsstiftung kurz vor seinem Tod in Form eines Gefangenenaustauschs aus dem Gefängnis holen. Demnach sollten dabei der sogenannte Tiergartenmörder Wadim Krassikow im Rahmen eines größeren Austausches nach Russland und Nawalny in den Westen überstellt werden.
Die Leiterin der Nawalny-Stiftung, Marija Pewtschich, teilte in einem am Montag auf der Plattform YouTube veröffentlichten Video mit, sie habe einen Tag vor Nawalnys Tod am 16. Februar mitgeteilt bekommen, entsprechende Verhandlungen seien auf der Zielgeraden. Pewtschich deutete an, ein entsprechendes Angebot sei kürzlich über den russischen Milliardär Roman Abramowitsch an den Kreml geleitet worden. Sie habe von Abramowitsch dafür keine Bestätigung und kein Dementi erhalten.
Des Weiteren heißt es in dem Video, Gespräche zu dem Thema seien zwischen dem Nawalny-Team, der Bundesregierung und den USA seit zwei Jahren gelaufen. Im Frühjahr vergangenen Jahres sei ein Plan fertig gewesen. Er sei aber immer wieder ausgebremst worden. »Es hätte schneller gehen können«, sagte Pewtschich, »mit politischem Willen wäre es eine Sache von Monaten gewesen, nicht von Jahren.«
Die Bundesregierung lehnte am Montag eine Stellungnahme zu den Darstellungen ab. Regierungssprecherin Christiane Hoffmann sagte bei der Regierungspressekonferenz, man habe die Meldungen zu dem Video gesehen. »Wir können uns dazu nicht äußern«, sagte Hoffmann.
Alexej Nawalny war im Sommer 2020 von mutmaßlichen Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB mit dem verbotenen Nervengift Nowitschok vergiftet worden. Er überlebte, weil er kurz darauf nach Deutschland ausgeflogen wurde und in der Berliner Charité behandelt wurde. In Deutschland wurde auch die Vergiftung nachgewiesen. Rechercheuren der Investigativplattformen Bellingcat, The Insider und des SPIEGEL war es danach gelungen, die mutmaßlichen Attentäter zu identifizieren .
Nach seiner Genesung hatte Nawalny sich dennoch entschlossen, im Januar 2021 nach Russland zurückzukehren. Er wurde kurz nach seiner Landung in Moskau festgenommen. Das russische Regime unterdrückte im Anschluss Solidaritätsdemonstrationen für Nawalny brutal. Nawalny selbst wurde in mehreren Schauprozessen zu langjährigen Haftstrafen in Gefangenenlagern verurteilt.
Am Freitag der vorvergangenen Woche meldete eine russische Gefängnisbehörde, Nawalny sei in einem Gefangenenlager in Sibirien verstorben . Die Todesursache sei »natürlich«, hieß es danach. Nawalnys Organisation geht davon aus, dass er durch das Regime ermordet wurde.
Mord im Kleinen Tiergarten 2019
Das Berliner Kammergericht verurteilte Krassikow im Dezember 2021 wegen Mordes und illegalen Führens einer Waffe zu lebenslanger Haft . Der Senat stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Krassikow hatte nach Überzeugung des Gerichts am 23. August 2019 den tschetschenischstämmigen Georgier Zelimkhan Khangoshvili mit einer Glock 26 mit Schalldämpfer im Kleinen Tiergarten in Berlin ermordet.
Das Gericht sprach davon, Krassikows Tat sei Staatsterrorismus gewesen. Krassikow sei Teil des russischen Sicherheitsapparates gewesen und habe von einer »staatlichen Stelle innerhalb der Regierung der Russischen Föderation den Auftrag« zum Mord in Berlin erhalten.

