Israel: Armee legt Einsatzplan für Offensive in Rafah vor
Ungeachtet des massiven internationalen Protests und öffentlicher Aufrufe zur Mäßigung sogar von engen Verbündeten, schreiten die israelischen Vorbereitungen für die geplante Offensive in Rafah im Süden des Gazastreifens voran.
Das israelische Militär hat dem Kriegskabinett seine weiteren Einsatzpläne vorgelegt. Wie das Militär in der Nacht zum Montag bekannt gab, habe man dem Kabinett »einen Plan für die Evakuierung der Bevölkerung aus den Kampfgebieten im Gazastreifen und den kommenden Einsatzplan vorgelegt.«
Außerdem sei ein Plan für die Bereitstellung humanitärer Hilfe für den Gazastreifen gebilligt worden, »der die Plünderungen im Nordstreifen und in anderen Gebieten verhindern soll«, hieß es. Einzelheiten wurden in der kurzen Mitteilung nicht genannt. Auch Rafah, wo 1,5 Millionen Palästinenser auf engstem Raum und unter elenden Umständen Schutz vor den Kämpfen in den anderen Teilen des abgeriegelten Küstengebiets suchen, wurde in der Mitteilung des israelischen Militärs nicht ausdrücklich erwähnt.
Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu will trotz der laufenden Verhandlungen über eine Waffenruhe die Pläne für eine Militäroffensive in Rafah zügig auf den Weg bringen. Er werde zu Wochenbeginn das Kabinett einberufen, um den Einsatzplan genehmigen zu lassen, kündigte er am Wochenende an. Der Plan werde auch die Evakuierung der Zivilbevölkerung einschließen. Die Arbeitswoche begann in Israel am Sonntag.
Netanyahu: Offensive kommt auf jeden Fall
International wird die geplante Offensive auf die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt Rafah heftig kritisiert. Selbst Verbündete wie die USA rufen Israel zur Zurückhaltung auf. Netanyahu ist jedoch zur Offensive in Rafah fest entschlossen. Es sei unmöglich, sein Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verblieben, betonte der Regierungschef immer wieder.
Selbst eine Einigung auf eine Feuerpause werde einen solchen Militäreinsatz »etwas verzögern, aber es wird geschehen«, sagte Netanyahu nun dem US-Fernsehsender CBS.
»Wenn wir keine Einigung erzielen, werden wir es trotzdem tun«, sagte Netanyahu weiter. »Es muss getan werden, denn der vollständige Sieg ist unser Ziel, und der vollständige Sieg ist in greifbarer Nähe – nicht erst in Monaten, sondern in einigen Wochen, wenn wir mit der Operation beginnen.«
USA: Grundzüge für Geiselabkommen festgelegt
Zugleich kamen aus den USA positive Signale hinsichtlich einer künftigen Einigung im Bemühen um eine Feuerpause und die Freilassung der israelischen Geiseln. Der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan, erklärte bei CNN, die Vertreter Israels, der Vereinigten Staaten, Ägyptens und Katars hätten sich bei ihrem Treffen in Paris »auf die Grundzüge eines Geiselabkommens für eine zeitweise Feuerpause« verständigt.
Wie der ägyptische Fernsehsender Al-Kahera News berichtete, wurden die Verhandlungen zwischen »Experten aus Ägypten, Katar, den Vereinigten Staaten und Israel« sowie Vertretern der Hamas am Sonntag in Doha fortgesetzt.
Der Krieg war durch den Großangriff der von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden. Islamistische Kämpfer verübten dabei Gräueltaten überwiegend an Zivilisten. Israelischen Angaben zufolge wurden etwa 1160 Menschen getötet und rund 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Als Reaktion auf den Hamas-Angriff geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor, erklärtes Ziel ist die Zerstörung der Hamas. Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden in dem Palästinensergebiet seitdem mehr als 29.600 Menschen getötet.

