Alexej Nawalny: Mehr als 100 Festnahmen bei Trauerkundgebungen
Der Tod des Oppositionellen Alexej Nawalny hat auch in Russland Entsetzen ausgelöst. In mehreren Städten versammelten sich spontan Menschen und legten Blumen für Nawalny nieder, obwohl sie wissen, dass sie sich in höchste Gefahr bringen: Die Sicherheitsbehörden greifen insbesondere seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine hart gegen jede Widerstandsregung durch. Als Orte ihrer Trauerbekundung wählten die Menschen meist Denkmäler für Opfer der politischen Repressionen unter Stalin.
Die Bürgerrechtsorganisation OWD-Info berichtet von Traueraktionen in acht Städten, darunter Moskau, Sankt Petersburg, Krasnodar, Twer, Taganrog, Nischnij Nowgorod, Rostow am Don und Murmansk. In allen Städten ging die Polizei gegen die trauernden Menschen vor, die Organisation schreibt von 102 Festgenommenen. Unter den Festgenommenen waren laut Medienberichten auch Journalisten.
In Moskau war bis in die Nacht hinein ein großes Polizeiaufgebot im Stadtzentrum, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur dpa von vor Ort berichtete. Die Polizei sperrte die »Mauer der Trauer« ab, ein Denkmal für die Opfer der Stalin-Diktatur, wie eine Augenzeugin dem SPIEGEL berichtete.
Im Zentrum nahe der FSB-Zentrale standen die Menschen Schlange, um Blumen am sogenannten Solowezki-Stein abzulegen, der Opfern politischer Repressionen gewidmet ist. Viele wurden zwar zu dem Stein durchgelassen, jedoch von Polizisten eingeschüchtert und ständig ermahnt, den Ort schnell wieder zu verlassen.
Die BBC hat Videoaufnahmen von einer spontanen Aktion zum Gedenken an Alexej Navalny in Sankt Petersburg auf X veröffentlicht . Dort kamen die Menschen am Denkmal für die Opfer politischer Repression zusammen, und nach einer Weile begannen die Verhaftungen. Auch diese zeigt das Video.
Nawalny war offiziellen Angaben zufolge im Alter von 47 Jahren in einem Straflager im äußersten Norden Russlands ums Leben gekommen. Der Tod des Oppositionspolitikers, der nach einem Giftanschlag trotz drohender Haft 2021 nach Russland zurückgekehrt war, löste in vielen Ländern Bestürzung aus. Politiker warfen Putin und dem russischen Justizsystem einen politischen Mord vor.
Insbesondere seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine vor rund zwei Jahren geht Russlands Machtapparat im eigenen Land hart und repressiv gegen Andersdenkende vor. Zuletzt waren Frauenproteste zur Rückkehr ihrer Männer aus dem Krief aufgelöst worden . Größere Proteste gibt es deshalb kaum noch.

