Corona-Demonstration am Reichstag: “Für so was braucht man Waffen”
Icon: vergrößernDemonstrant mit Reichskriegsflagge am 29. August vor dem Reichstag
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John Macdougall / AFP
Tamara Kirschbaum steht auf der Bühne vor dem Reichstagsgebäude, sie atmet heftig ins Mikrofon, es ist Samstagabend, kurz nach 19 Uhr. "Wir gehen da drauf und holen uns heute hier und jetzt unser Haus zurück!", ruft Kirschbaum. Und kurze Zeit später: "Wir haben gewonnen!"
Es ist ein entscheidender Moment, festgehalten auf vielen Handyvideos, diese wenigen Minuten vor dem Reichstagsgebäude, ein Moment, der unschöne Bilder produziert, die um die Welt gehen werden. Den ganzen Tag haben an diesem Samstag Menschen in Berlin gegen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie demonstriert, eine wilde Mixtur aus Mittelschichtsbürgern, Esoterikern, Impfgegnern, Verschwörungsideologen und Rechtsextremisten. Doch was nach diesem Tag bleiben wird, sind die Bilder von bis zu 400 Menschen, die plötzlich auf der Treppe des Reichstagsgebäudes stehen, allen Absperrungen zum Trotz, mit Fahnen in den Händen, viele in den Farben des Deutschen Reichs, Schwarz-Weiß-Rot.
Man wird später auch auf verwackelten Bildern sehen, wie drei Polizisten mit ganzem Körpereinsatz versuchen, die Eingänge zum Bundestag vor Eindringlingen zu schützen, mit Erfolg, keiner gelangte ins Gebäude hinein. Die Polizisten werden später vom Bundespräsidenten für ihren Einsatz geehrt.

