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Erdbeben in der Türkei: Kurdische Funktionäre fühlen sich bei Trauerfeier in Berlin ausgeschlossen

February 21
05:39 2023

Auf Einladung der Türkischen Gemeinde hat Bundespräsident Steinmeier der Erdbebenopfer gedacht. Das hat zu Unmut in der kurdischen Community geführt – deren Funktionäre fühlen sich ausgeschlossen.

Die Gedenkveranstaltung für die Erdbebenopfer am heutigen Montagabend vor dem Brandenburger Tor führt innerhalb der Kurdischen Gemeinde Deutschland zu großem Unmut. Neben anderen hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rede gehalten, um der Zehntausenden Toten in der Türkei und in Syrien zu gedenken.

Veranstalter der Trauerfeier sind die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) und der Verband Deutsch-Syrischer Hilfsvereine, sie haben Steinmeier eingeladen. Die kurdischen Funktionäre hätten sich gerne beteiligt, wurden nach eigener Darstellung jedoch außen vor gelassen. »Auch wenn wir darüber erfreut sind, dass Sie mit Ihrer Teilnahme ein wichtiges Zeichen setzen werden, sind wir über die Ausgrenzung, die wir durch die Organisatoren erfahren, nicht nur enttäuscht, sondern empfinden dies als zutiefst verletzend«, schreibt Başar Cahit, der Generalsekretär der Kurdischen Gemeinde Deutschland, in einem Brief an Steinmeier. »Es stimmt nachdenklich, dass wir als Betroffene und trotz der Opfer nicht reden, sondern lediglich dabeistehen dürfen.«

»Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt«

Wenn selbst Naturkatastrophen »den antikurdischen Rassismus nicht überwinden helfen, dann haben wir berechtigte Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land«, heißt es in dem Schreiben außerdem.

Die Türkische Gemeinde weist den Rassismusvorwurf vehement von sich. Auch ein kurdischstämmiger Alevit würde auf dem Podium stehen, sagte ein Sprecher. Da die Veranstaltung kurzfristig anberaumt gewesen sei und es eine Vielzahl von Anfragen gegeben habe, habe man sich entschieden, »die Gedenkveranstaltung zusammen mit Verbänden zu machen, mit denen wir bereits oft zusammengearbeitet haben«. Ziel sei es gewesen, den Abstimmungsprozess so kurz wie möglich zu halten.

Ali Ertan Toprak, Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, ärgert sich dennoch. »Es wäre angesichts der Erdbebenkatastrophe ein sehr guter Zeitpunkt gewesen, um zusammenzurücken und ein gemeinsames Zeichen der Solidarität zu senden«, sagt er. »Diese Chance wurde verpasst.« In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder auch in Deutschland Spannungen zwischen Kurden und Türken gegeben.

Steinmeiers Sprecher verweist darauf, dass der Bundespräsident bei der Veranstaltung am Abend nur als Gast eingeladen war. In seiner Rede würde »die besondere Betroffenheit der verschiedenen ethnischen Gruppen einschließlich der Kurdinnen und Kurden zum Ausdruck kommen.« Im Vordergrund stünde »die Not und das unermessliche Leid aller betroffenen Menschen in der ethnisch und religiös divers geprägten Region«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version stand hinter dem Namen von Frank-Walter Steinmeier in Klammern das Kürzel SPD. Tatsächlich lassen Bundespräsidenten ihre Parteimitgliedschaft nach offiziellen Angaben ruhen, wir haben den Hinweis auf die SPD daher entfernt.

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