Hinter den Kulissen des EU-Gipfels: “Wir sind hier, um Geschäfte für unser eigenes Land zu machen”
Icon: vergrößernGipfelteilnehmer Giuseppe Conte, Mark Rutte, Angela Merkel, Ursula von der Leyen in Brüssel
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Francisco Seco/ AP
Freitag, 17. Juli: Mark Rutte gibt den sparsamen Holländer
Im Laufe der nächsten fünf Tage wird von mangelnder Solidarität, von Geiz und sogar von Hass die Rede sein. Am Freitagvormittag aber beginnt einer der härtesten Gipfel in der Geschichte der Europäischen Union erst einmal sehr zivil – mit der Übergabe von Geburtstagsgeschenken. Angela Merkel wird 66 Jahre alt, und kaum einer der anderen Staats- und Regierungschefs will sich die Gelegenheit für eine nette Geste nehmen lassen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron überreicht Merkel Weißwein aus dem Burgund. Bulgariens Regierungschef Bojko Borissow hat ein silbernes Fläschchen bulgarisches Rosenöl dabei, Litauens Präsident Gitanas Nausėda einen Dirigentenstab, offenbar eine Anspielung auf die deutsche Ratspräsidentschaft. Der portugiesische Ministerpräsident António Costa schenkt Merkel den Roman "Die Stadt der Blinden" von José Saramago. Darin geht es um eine Epidemie, in der Menschen plötzlich erblinden.
Das war es dann vorerst mit den Freundlichkeiten. Am Freitag um Punkt 10.25 Uhr startet in Brüssel ein EU-Gipfel, wie es ihn in der mehr als 63-jährigen Historie der Gemeinschaft noch nicht oft gegeben hat. Beinahe fünf Tage und vier Nächte sitzen die Staats- und Regierungschefs in Brüssel zusammen, so lange wie seit dem Gipfel von Nizza im Jahr 2000 nicht mehr. Damals ging es um wichtige Vertragsänderungen der EU, heute geht es ums Geld.

