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Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans: SPD-Chefs offen für Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz

July 13
14:13 2020
Olaf Scholz beim SPD-Parteitag im Dezember 2019 Icon: vergrößern

Olaf Scholz beim SPD-Parteitag im Dezember 2019

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Maja Hitij/ Getty Images

Ende 2019 war Olaf Scholz der große Verlierer, seine Bewerbung um den SPD-Vorsitz zusammen mit Klara Geywitz scheiterte an Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Doch die beiden SPD-Vorsitzenden hätten nach eigenen Angaben grundsätzlich nichts dagegen, Scholz nun zum Kanzlerkandidaten der Partei für die kommende Bundestagswahl zu machen.

Es komme dabei darauf an, "dass wir gemeinsam kämpfen und gemeinsam gewinnen können", sagte Esken auf eine entsprechende Frage des "Handelsblatts". Sie selbst und auch ihr Co-Vorsitzender Walter-Borjans hätten kein Problem mit einer Nominierung von Scholz.

Ein SPD-Kanzlerkandidat müsse "Regierungsfähigkeit und Zuverlässigkeit ausstrahlen und eine Vision für die Entwicklung einer Gesellschaft haben, die glaubhaft sozialdemokratisch ist und Zuversicht schafft", sagte Esken.

"Durchaus eine ernst zu nehmende Option"

Walter-Borjans hatte zuvor der "Welt am Sonntag" eine ähnliche Haltung geäußert: "Ich sage nicht zum ersten Mal, dass Olaf Scholz durchaus eine ernst zu nehmende Option ist." Esken betonte in dem Doppelinterview mit der Zeitung, wie wichtig die Teamfähigkeit sei: "Deshalb kommt es uns besonders darauf an, einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu finden, der oder die diesen Weg mit uns gemeinsam geht, und das nicht nur im Wahlkampf, sondern auch danach."

Auch Esken lobte Scholz. Mit ihm arbeiteten die beiden Parteichefs "zunehmend eng und vertrauensvoll zusammen". Er sei "ein verlässlicher Partner und ein sehr kompetenter Finanzminister und Vizekanzler, der bei den Bundesbürgern ein hohes Ansehen genießt". Zuletzt hatten sich auch mehrere SPD-Spitzenpolitiker für Scholz als SPD-Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Der Bundesfinanzminister hat in der Bevölkerung im Zuge der Coronakrise deutlich an Beliebtheit gewonnen, wie der jüngste SPIEGEL-Regierungsmonitor zeigte.

Eine Wiederauflage der Koalition mit der Union lehnte Esken trotz der derzeit hohen Zustimmungswerte ab. "Die Große Koalition sollte immer die Ausnahme bleiben, denn sie schadet der Demokratie", sagte sie dem "Handelsblatt". "Wir streben ein progressives Bündnis unter Führung der SPD an."

"Ego-Geschichten funktionieren nicht"

Schleswig-Holsteins SPD-Fraktionschef Ralf Stegner sagte der "Welt", es solle sich um eine Mannschaft handeln, die Scholz "sowohl hinsichtlich des politischen Spektrums ergänzt als auch hinsichtlich des Temperaments, mit dem Politik betrieben wird". Scholz gilt im Gegensatz zu Stegner als ruhig und eher wortkarg.

Es könne nicht der Weg der SPD sein, "einen Wahlkampf zu führen, bei dem sich die Menschen fragen, in welcher Partei der Spitzenkandidat eigentlich ist", warnte der Parteilinke Stegner. "Ego-Geschichten funktionieren nicht."

Die SPD liegt in Umfragen derzeit bei 15 bis 16 Prozent. Stegner sieht trotzdem gute Chancen. Die Zahlen der Union seien "Merkel-Zahlen", sagte er. Die Kanzlerin trete bei der Bundestagswahl 2021 aber nicht mehr an – "Olaf Scholz schon".

Icon: Der Spiegel

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