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Uno entsetzt über Beschuss von Hotel, weitere US-Milliarden für die Ukraine

August 11
06:10 2023

Was in den vergangenen Stunden geschah

Eine russische Iskander-Rakete ist laut Angaben ukrainischer Behörden am Donnerstagabend in ein Hotel der Stadt Saporischschja eingeschlagen. Dabei sei ein Mensch getötet worden, 16 Personen seien verletzt worden, darunter vier Kinder.

Lokale Medien berichteten, es handele sich bei dem beschädigten Gebäude um das Hotel Reikartz im Stadtzentrum, das häufig von Mitarbeitenden der Vereinten Nationen genutzt wird.

»Ich bin entsetzt über die Nachricht, dass ein Hotel, das häufig von Mitarbeitenden der Vereinten Nationen und von Nichtregierungsorganisationen zur Unterstützung der vom Krieg betroffenen Menschen genutzt wird, von einem russischen Angriff in Saporischschja getroffen wurde«, erklärte die Uno-Koordinatorin für humanitäre Hilfe in der Ukraine, Denise Brown, in einer E-Mail. Mindestens vier Gebäude seien beschädigt worden, darunter zwei Hochhäuser und »medizinische und pädagogische Einrichtungen«.

Das Hotel war bereits am Mittwoch bei einem Angriff auf Saporischschja getroffen worden, bei dem zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt wurden. Saporischschja ist eine äußerst wichtige Stadt am Fluss Dnjepr, sie liegt gut 40 Kilometer von der Front entfernt.

Das sagt Kiew

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht religiöse Toleranz als wichtigen Teil des Selbstverständnisses seines Landes. Das sagte er am Donnerstag in seiner Videoansprache, nachdem er in Kiew mit einem Vertreter des Zentrums der orthodoxen Weltkirche, des ökumenischen Patriarchats, gesprochen hatte. Es gebe in der Ukraine einen Rat der Kirchen und religiösen Organisationen, sagte der Präsident. Dieser Rat stelle sicher, dass alle Religionsgemeinschaften sich frei äußern und »an der Lösung gesellschaftlich wichtiger Fragen mitwirken können«.

Eine Einschränkung machte Selenskyj aber mit Blick auf die orthodoxe Kirche in der Ukraine, die sich zum Moskauer Patriarchat bekennt. »Der Staat wird niemals zulassen, dass eine der ukrainischen Religionsgemeinschaften von einem Aggressorstaat benutzt wird«, sagte er. Den Einfluss dieser Kirche versucht Selenskyjs Führung zurückzudrängen. Am Donnerstag erging ein weiteres Urteil im Streit um das wichtigste orthodoxe Heiligtum des Landes, das Höhlenkloster in Kiew. Das dortige moskautreue Mönchskloster müsse dem staatlichen Klostermuseum Gebäude zurückgeben, befand ein Gericht.

Großbritannien hat in den vergangenen Monaten etwa 900 Marinesoldaten aus der Ukraine ausgebildet. Nach einem sechsmonatigen Training kehrten die Soldaten nun bald zurück, meldete die Nachrichtenagentur PA in der Nacht zum Freitag. Dem britischen Verteidigungsministerium zufolge waren darunter auch Freiwillige ohne militärische Erfahrung. Die Ukraine verteidigt sich seit anderthalb Jahren gegen einen Angriff Russlands. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 wurden nach Angaben von PA in Großbritannien mehr als 20 000 ukrainische Rekruten trainiert.

Waffenlieferungen an die Ukraine

US-Präsident Joe Biden hat den Kongress um weitere 13 Milliarden Dollar (knapp zwölf Milliarden Euro) an Militärhilfen für die Ukraine gebeten. »Der Präsident hat bekräftigt, dass wir so lange wie nötig an der Seite der Ukraine stehen werden, während sie ihre Souveränität verteidigt«, schrieb die Haushaltschefin des Weißen Hauses, Shalanda Young, am Donnerstag an den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy von den oppositionellen Republikanern.

Diese Strategie habe »erfolgreich unsere Verbündeten und Partner vereint und die Ukraine ausgerüstet, um sich gegen den russischen Angriff zu wehren«, fügte Young hinzu. Jetzt beantrage die Regierung zusätzliche Mittel für militärische, wirtschaftliche und humanitäre Hilfe für die Ukraine, wie auch für andere Länder, die unter den Auswirkungen des »brutalen Einmarsches« Russlands in die Ukraine leiden würden.

Die USA sind der wichtigste Unterstützer der Ukraine im Krieg gegen Russland. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat Washington Kiew bereits Militärhilfen im Umfang von mehr als 43 Milliarden Dollar zugesagt.

In den Reihen der oppositionellen Republikaner stoßen die umfassenden Militärhilfen teilweise auf Kritik. McCarthy hatte im vergangenen Jahr mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, es dürfe keinen »Blankoscheck« für die Ukraine geben.

Auch in der Bevölkerung gibt es zunehmende Vorbehalte. In einer in der vergangenen Woche vom Nachrichtensender CNN veröffentlichten Umfrage erklärten 55 Prozent der Bürger, der Kongress solle keine zusätzlichen Militärhilfen für die Ukraine billigen. 51 Prozent der Befragten waren der Auffassung, die USA hätten der Ukraine bereits ausreichend Hilfe zur Verfügung gestellt.

Humanitäre Lage

Die Stadt Würzburg hat drei Fahrzeuge der Feuerwehr an ihre ukrainische Partnerstadt Lwiw gespendet. Mitarbeiter der Stadt und zwei Fahrer der Freiwilligen Feuerwehr brachten die ausgemusterten, aber technisch voll funktionsfähigen Fahrzeuge an den Grenzübergang zwischen Korczowa in Polen und Krakowez in der Ukraine, wie die Stadt am Donnerstag mitteilte. Lwiw liegt nur rund 70 Kilometer östlich der Grenze zu Polen.

Nach Angaben des Leiters der Würzburger Berufsfeuerwehr wurden die Fahrzeuge technisch überholt, bekamen neue Reifen und neuen TÜV. Auch die Feuerwehrausrüstung sei mitgeliefert worden. Die Belegschaft legte eine Strecke von 1150 Kilometern mit den Einsatzfahrzeugen zurück. Für kleinere Reparaturen hatte das Team Werkzeug, Öl und ein paar Ersatzteile mitgenommen. Etwa fünf Kilometer vor der Grenze übergab die Crew den Kollegen aus Lwiw dann die Fahrzeuge.

Spionagefall in Deutschland

Nach der Festnahme eines mutmaßlichen Spions im Koblenzer Beschaffungsamt der Bundeswehr hat der Deutsche Bundeswehrverband Soldatinnen und Soldaten zur Wachsamkeit gegenüber radikalen Tendenzen in der Truppe aufgerufen. »Wir müssen sehr achtsam bleiben und in der Truppe weiter für die neuen Gefahren durch den Ukrainekrieg sensibilisieren«, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende, Oberstleutnant Marcel Bohnert, der Düsseldorfer »Rheinischen Post« und dem Bonner »General-Anzeiger«.

Vor allem helfe der tägliche Umgang beim Dienst, mögliche gefährliche Umtriebe in der Truppe zu erkennen: »Kameradinnen und Kameraden erkennen im täglichen Dienstbetrieb immer noch am besten, wenn jemand tatsächlich radikale Tendenzen entwickelt.« Dass ein solcher Fall nun bekannt wurde, zeige auch, »dass die Mechanismen der Sicherheitsbehörden und in der Bundeswehr greifen«, sagte Bohnert.

Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch in Koblenz einen Mitarbeiter des Beschaffungsamtes der Bundeswehr festnehmen lassen. Er soll sich aus eigenem Antrieb seit Mai mehrmals bei der russischen Botschaft in Berlin und dem Generalkonsulat in Bonn gemeldet und eine Zusammenarbeit angeboten haben. Einmal soll er dabei beruflich erlangte Informationen weitergegeben haben.

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