Ukraine-Krieg: Angegriffener Tanker soll Treibstoff für russisches Militär geladen haben
Der Angriff auf den russischen Öltanker »Sig« galt offenbar Treibstofftransport für das russische Militär. Das berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und Interfax-Ukraine unter Berufung auf ukrainische Geheimdienstkreise. Das Schiff sei von einer mit 450 Kilogramm Sprengstoff beladenen Seedrohne getroffen worden. Dabei habe es sich um eine gemeinsame Aktion von Geheimdienst und Marine in ukrainischen Gewässern gehandelt, sagt ein Insider aus Kreisen der Geheimdienste.
Der ukrainische Geheimdienstchef Wassyl Maljuk verteidigte die jüngsten Drohnenattacken gegen russische Schiffe und die Brücke zu der von Moskau annektierten Halbinsel Krim. Es handele sich um einen »absolut logischen und effektiven Schritt« gegen den Feind, teilte Maljuk am Samstag im Telegram-Kanal des Geheimdienstes SBU in Kiew mit. »Solche Spezialoperationen werden in den territorialen Gewässern der Ukraine ausgeführt und sind vollkommen rechtmäßig«, sagte der SBU-Chef.
Russische Kommentatoren meinten hingegen, die Ukraine habe versucht, mit dem »Terroranschlag« gegen ein ziviles Schiff eine ökologische Katastrophe im Schwarzen Meer auszulösen. Laut russischen Behörden trat aus dem durch den Drohnenangriff schwer beschädigten Tanker kein Treibstoff ins Meer aus.
Nach der Seedrohnenattacke wollen Einsatzkräfte das schwer beschädigte Schiff in der Meeresenge von Kertsch nun absichern. Derzeit werde das durch ein Loch eingedrungene Wasser abgepumpt, teilte die russische Seenotrettungsbehörde Morspassluschba mit. Das Verteidigungsministerium in Kiew hatte angekündigt, alle Schiffe, die russische und ukrainische Häfen im Schwarzen Meer anlaufen, als militärische Ziele zu betrachten.
Die Ukraine, die selbst so gut wie keine Marine mehr hat, griff bereits mehrfach russische Schiffe an. Sie versenkte etwa vergangenes Jahr das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, den Kreuzer »Moskwa«, mit Antischiffsraketen vom Typ Neptun. Inzwischen setzt das Land verstärkt unbemannte Sprengstoffboote gegen russische Ziele ein. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als 17 Monaten gegen den russischen Angriffskrieg.
Weitere russische Ziele von Drohnen getroffen
Der Tanker »Sig« schwimmt laut der russischen Seenotrettungsbehörde trotz der Schäden im Maschinenraum weiter frei auf dem Wasser zwischen der Schwarzmeerhalbinsel Krim und Russland. Bei der Attacke durch die Drohne sei niemand verletzt worden. Zur Rettung des Tankers seien Boote der Seenotrettung im Einsatz. Treibstoff trat demnach nicht aus.
Der Tanker in der Straße von Kertsch, die das Schwarze mit dem Asowschen Meer verbindet, war in der Nacht zum Samstag von dem mit Sprengstoff beladenen Drohnenboot getroffen und beschädigt worden.
Video zeigt Angriff aus Sicht der Drohne
Das staatliche ukrainische Auslandsfernsehen Freedom veröffentlichte ein Video, das den Einschlag der Drohne in dem Schiff zeigen soll.
Nach einem Bericht des Senders sollen die Attacken mit ukrainischen Seedrohnen gegen russische Schiffe fortgesetzt werden. Vor Kurzem war der Hafen der russischen Schwarzmeerflotte in Noworossijsk Ziel eines Drohnenangriffs geworden.
Bilder zeigten das Landungsschiff »Olenegorski gornjak« (Olenegorsker Bergmann) in geneigter Lage in Noworossijsk. Der Militärgeheimdienst in Kiew hatte danach weitere solcher Angriffe angekündigt. Auch die Schäden auf der Krimbrücke zwischen Russland und der von Moskau annektierten Krim bei der jüngsten Explosion im Juli sollen durch solch einen Drohnenangriff entstanden sein.

