Thomas Drach in den Niederlanden festgenommen: Wer ist der Reemtsma-Entführer?
Icon: vergrößernThomas Drach in Hamburg (2000): »Mangelndes Interesse an einer professionellen Neuorientierung«
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Als im Oktober 2011 ein mürrischer Thomas Drach in den Saal 288 des Hamburger Landgerichts schlurfte, begrüßte ihn Ulrike Taeubner betont munter. Die Vorsitzende Richterin war mit der ihr eigenen Nonchalance die perfekte Gegenspielerin für Drach.
Seit 13 Jahren saß Drach damals im Gefängnis, verurteilt wegen der Entführung des vermögenden Mäzens und Tabakkonzern-Erben Jan Philipp Reemtsma. Taeubner sollte nun aufklären, inwieweit Drach aus der Haft heraus Druck auf seinen jüngeren Bruder Lutz ausgeübt hatte. Die Staatsanwaltschaft warf Thomas Drach vor, Männer angestiftet zu haben, seinen Bruder einzuschüchtern, ins Ausland zu verschleppen und ihm 30 Millionen Euro aus dem Reemtsma-Lösegeld abzuknöpfen.
Thomas Drach gab sich selbstsicher vor Gericht, als habe er nichts zu fürchten. Taeubner gegenüber trat er unflätig, fast großmäulig auf. Die Juristin begegnete ihm souverän und ließ ihn auflaufen. Es war ein unterhaltsames Schauspiel mit ernstem Hintergrund.
Muttertagsbriefe aus dem Knast
Seine Mutter Helga warb damals bei der Richterin um Verständnis für ihren Erstgeborenen, dessen Freilassung sie herbeisehnte. Der Sohn schreibe ihr aus der Zelle noch Briefe zum Muttertag, sagte die Frau. Grundsätzlich aber habe die Isolationshaft einen anderen Menschen aus Thomas gemacht.

