Slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová über Fehler in der Pandemie: »Wir haben die Gefahr unterschätzt«
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Vor genau drei Jahren, im Februar 2018, erschütterte der Mord an dem Investigativjournalisten Ján Kuciak und dessen Verlobter Martina Kušnírová die Slowakei. Zugleich motivierte die Tat eine Reihe jüngerer Menschen, in die Politik zu wechseln. So auch die Anwältin Zuzana Čaputová. 2019 wurde Čaputová, damals 45 Jahre alt, zur Präsidentin gewählt – als Vertreterin einer liberalen, proeuropäischen Protestbewegung.
SPIEGEL: Frau Präsidentin, fast nirgendwo auf der Welt sterben derzeit im Verhältnis zur Bevölkerungszahl so viele Menschen an Corona wie in der Slowakei. Warum trifft die Pandemie Ihr Land so hart?
Čaputová: Wir suchen noch nach den Gründen für diesen traurigen Rekord. Beim Kampf gegen die erste Welle gehörten wir zu den Besten, die zweite Welle hat sich aber auf der ganzen Welt als viel gefährlicher erwiesen. Wir haben im vergangenen Sommer diese Gefahr unterschätzt. Die Slowakei hat sich als einziges Land der Welt dafür entschieden, die gesamte Bevölkerung durchzutesten, mehrfach sogar. Die Menschen bekamen nach dem Antigen-Test ein Negativzertifikat, das für sieben Tage galt. Und damit bewegt man sich dann eben – was letztlich zu mehr Ansteckungen geführt haben könnte. Außerdem war unser Gesundheitssektor nicht für eine solche Krise gerüstet.

