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Selbstständige im Dauer-Shutdown: Hartz IV, Hotel Mama, AfD

March 02
23:46 2021
Schneiderin Langenkämper in ihrer Werkstatt Icon: vergrößern

Schneiderin Langenkämper in ihrer Werkstatt

Foto: Ina Fassbender

Seit Beginn des zweiten Shutdowns arbeitet Manuela Langenkämper bis zu 14 Stunden pro Tag. Sie näht weiter Babykleidung, obwohl kaum noch Kundenanfragen kommen. Obwohl die Einnahmen nicht mehr zum Leben reichen. Obwohl sie ohne die Ersparnisse ihrer 80-jährigen Mutter die Hypothek fürs Haus nicht mehr zahlen könnte.

Sie kämpft nicht um ihren Laden; sie kämpft um ihren Lebenstraum.

Als sie fast selbst noch ein Kind war, haben ihre Eltern ihr eine Nähmaschine geschenkt. Später wuchs in ihr der Wunsch, sich als Schneiderin selbstständig zu machen. Sie brauchte Jahre, um ihre Angst vor dem Ungewissen zu überwinden. Im Mai 2019 gab sie sich einen Ruck, gab ihre ganzen Ersparnisse für weitere Nähmaschinen und hochwertige Stoffe aus und eröffnete ein kleines Geschäft in einem Fachwerkhaus in Unna.

Ihr Business war gerade erst am Aufblühen, als die Pandemie über Deutschland hereinbrach. Drei Nächte habe sie durchgeweint, erzählt Langenkämper am Telefon. Dann habe sie zu kämpfen begonnen, erst energisch, dann panisch, schließlich immer zermürbter, mit wachsendem Schuldgefühl. »Ein Leben lang habe ich mich selbst versorgt«, sagt Langenkämper. »Nun, mit Mitte 50, hänge ich wieder am Rockzipfel meiner Mutter. Dabei wäre doch eigentlich ich an der Reihe, sie zu unterstützen.«

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