Russland-Ukraine-News: Wolodymyr Selenskyj besucht Rom, Explosionen in Luhansk
Der ukrainische Präsident Selenskyj trifft in Italien die Staatsspitzen, vielleicht auch den Papst. Danach könnte es weiter nach Deutschland gehen. In Luhansk kommt es zu Explosionen. Die wichtigsten Entwicklungen.
Gespräche in Rom – auch mit dem Papst?
Rom bereitet sich auf den Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor. Während lediglich ein Treffen mit Mattarella bestätigt wurde, blieben Einzelheiten der erwarteten anderen Termine geheim. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte Selenskyj im Februar in Kiew besucht, nun dürfte sie ihn empfangen. Ob die beiden auch eine Pressekonferenz abhalten, wurde nicht gesagt.
Ebenso unklar ist die Art und Weise eines Treffens mit dem Papst, an dem der Vatikan Berichten zufolge arbeitete, das vom Heiligen Stuhl aber nicht bestätigt wurde. Möglicherweise begegnen sich Selenskyj und Franziskus im privaten Rahmen. Der Papst betont immer wieder, jede Gelegenheit ergreifen zu wollen, um für den Frieden zu werben. Selenskyj soll außerdem in einer italienischen TV-Talkshow auftreten.
Beim Thema Ukraine war es in Italien und auch im Vatikan in den Monaten seit dem russischen Angriff Ende Februar 2022 mitunter zu umstrittenen Aussagen gekommen. So hatte Franziskus zu Beginn noch darauf verzichtet, Russland direkt als Aggressor zu nennen. Auch die Ansage des Papstes, dass er Kiew nur dann besuchen wolle, wenn er auch nach Moskau dürfe, gefiel einigen nicht. In der italienischen Politik fiel Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi gleich mehrfach mit Kommentaren pro Wladimir Putin auf. Einmal deutet er sogar an, dass Selenskyj und nicht der Kremlchef den Krieg provoziert habe.
Mögliche Weiterreise nach Deutschland
Durch die weitgehende Geheimhaltung der Reisedetails bleibt zunächst auch offen, ob Selenskyj nach seinen Terminen in Rom nach Deutschland weiterreist. Die Berliner Polizei bereitete sich schon seit mehreren Tagen auf die Ankunft des Staatsgastes aus Kiew vor – dass diese Planungen jüngst öffentlich wurden, sorgte für Aufsehen, die Polizei ermittelt wegen Geheimnisverrat.
Sollte die Reise stattfinden, könnte Selenskyj am Wochenende in Deutschland von Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen werden. Am Sonntagabend wird ihm zudem in Aachen der Karlspreis stellvertretend für das ukrainische Volk verliehen.
CDU-Politiker will der Ukraine Waffen-Einsatz auch in Russland erlauben
Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Johann Wadephul plädiert dafür, der Ukraine den Einsatz deutscher Waffen auch gegen Ziele auf russischem Territorium zu erlauben. »Weder völkerrechtlich noch politisch gibt es eine Begründung dafür, warum die Ukraine nicht auch Ziele in Russland angreifen darf«, sagte der Außenpolitiker dem Berliner »Tagesspiegel« .
Natürlich müsse die Ukraine »die Verhältnismäßigkeit« wahren. Dies sieht Wadephul aber gegeben: »Die Ukraine beschränkt sich, anders als Russland, auf Angriffe auf Industrieanlagen, Tanklager, Verkehrs- und militärische Infrastruktur. Sie bombardiert keine Wohnkomplexe, Krankenhäuser oder Kindergärten – ganz anders als Russland.«
Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte vor einiger Zeit über einen »Konsens« mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen, dass deutsche Waffen nicht für Angriffe auf russisches Gebiet genutzt werden.
Selenskyj: Russland intern schon auf Niederlage eingestellt
Selenskyj erklärte unterdessen, dass sich Russlands Führung in seinen Augen insgeheim bereits auf eine Niederlage eingestellt habe. »In ihren Köpfen haben sie diesen Krieg bereits verloren«, sagte er in seiner täglichen Videoansprache. »Wir müssen täglich Druck auf sie ausüben, damit sich das Gefühl der Niederlage bei ihnen in Flucht, Fehler und Verluste verwandelt.«
Bei Bachmut meldete die Ukraine Geländegewinne. Man habe eine Anhöhe vor der Stadt besetzt und die wichtigste Straße nach Bachmut unter Kontrolle, hieß es. Ein Sprecher der Ost-Gruppe der ukrainischen Streitkräfte sagte, seine Truppen hätten »in drei Tagen der Gegenoffensive ein Gebiet von 17,3 Quadratkilometern befreit«. Lesen Sie hier mehr über die mögliche Gegenoffensive der Ukraine .
Aus Russland gab es mehr als 14 Monate nach Beginn des Angriffskriegs zuletzt teils düstere Einschätzungen über die eigene Lage an der Front. So sprach etwa der russische Söldnerchef Jewgeni Prigoschin wiederholt von einer »Flucht« von Armee-Einheiten nordwestlich der umkämpften ostukrainischen Stadt Bachmut. Das Verteidigungsministerium in Moskau hingegen betonte, es habe lediglich strategische Umgruppierungen gegeben. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelgeschichte über Prigoschin .
Russischer Militärhubschrauber über Krim abgestürzt: Zwei Piloten tot
Beim Absturz eines russischen Militärhubschraubers über der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind Angaben aus Moskau zufolge beide Piloten ums Leben gekommen. Die Mi-28 habe am Freitag einen planmäßigen Übungsflug im Gebiet Dschankoj absolviert, als ersten Erkenntnisse zufolge die Technik ausgefallen sei, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.
Dschankoj liegt im Norden der Krim, wo sich in den vergangenen Monaten mehrfach Drohneneinschläge und Explosionen auf russischen Militärstandorten ereigneten. In der Regel übernimmt Kiew dafür offiziell keine Verantwortung. Beobachter gehen aber davon aus, dass es sich um Vorbereitungen für die geplante ukrainische Gegenoffensive handeln könnte.
Russische Besatzer melden Explosionen in ostukrainischem Luhansk
Später am Freitag meldeten die russischen Besatzer aus der ostukrainischen Stadt Luhansk zwei größere Explosionen. Die von Moskau in der annektierten Region eingesetzte Verwaltung warf der ukrainischen Armee vor, Raketen auf die knapp 100 Kilometer von der Front entfernte Stadt abgefeuert zu haben. Unabhängige Bestätigungen dafür gab es zunächst keine. Kiew äußerte sich offiziell nicht zu den Vorwürfen.
Ungarn droht mit Blockade von neuen Russland-Sanktionen der EU
Ungarn droht mit einer Blockade von neuen Russland-Sanktionen der EU. Solange Ungarns größte Bank OTP auf einer ukrainischen Liste mit Unterstützern des russischen Angriffskriegs stehe, werde die ungarische Regierung kaum neue Sanktionen verhandeln können, ließ der ungarische Außenminister Peter Szijjarto am Rande eines EU-Außenministertreffens in Schweden mitteilen.

