Prag, Tschechien: Was über den Schusswaffenangriff an der Universität bekannt ist
Was ist passiert?
Bei dem schlimmsten Schusswaffenangriff in Tschechien seit Jahrzehnten hat ein Schütze an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität in Prag mindestens 14 Menschen getötet und den Rettungsdiensten zufolge 25 Menschen verletzt, davon mindestens neun schwer bis lebensgefährlich. Auch der Täter sei tot, teilte Polizeipräsident Martin Vondrasek mit. Gegen 15 Uhr habe es erste Informationen über Schüsse gegeben, eine schnelle Einsatzgruppe sei innerhalb von zwölf Minuten vor Ort gewesen.
Studenten und Mitarbeiter der Universität teilten in den sozialen Medien mit, dass sie sich in Hörsälen und Büros verbarrikadiert hätten. Andere kletterten aus dem Fenster und stellten sich auf einen Dachsims, um sich vor dem Schützen zu verbergen. Die Studenten und Hochschulmitarbeiter wurden bis zum frühen Abend aus dem Gebäude gebracht. Der Rettungsdienst schickte Rettungswagen, Notärzte und einen Großraumrettungswagen zum Einsatzort.
Die Polizei evakuierte das Gebäude und nutzte eine Konzerthalle auf der anderen Straßenseite als temporären Zufluchtsort für die Evakuierten. Die Beamten riefen die Menschen auf, die Gegend weiträumig zu meiden und sperrten den Platz ab. Anwohner sollten nicht aus dem Haus gehen.
Auf Fotos war zu sehen, wie Studenten das Universitätsgebäude mit erhobenen Armen verließen. Nach einem Bericht des Fernsehsenders Nova soll sich der Schütze zuletzt auf dem Dach des Fakultätsgebäudes aufgehalten haben. Auch eine Explosion sei demnach zu hören gewesen. Nach Angaben des Polizeipräsidenten wurden bei dem Einsatz keine Beamten verletzt.
Wer war der mutmaßliche Täter?
Offizielle Informationen zu den Umständen des Todes des Schützen gab es zunächst nicht. Man gehe davon aus, dass es sich um einen 24-jährigen Studenten der Hochschule handele. Der Polizei zufolge wurde David K. bereits vor den Schüssen gesucht, da sein Vater im Ort Hostoun westlich von Prag tot aufgefunden worden war. K. habe sich auf den Weg in die tschechische Hauptstadt gemacht und gesagt, er wolle sich selbst töten, so Polizeipräsident Vondrasek. Die Beamten hatten zuvor vermutet, dass der Schütze seinen Vater getötet habe.
Der mutmaßliche Täter soll angeblich auf Telegram ein Tagebuch geführt haben, bei dem er über Amokläufe im Ausland geschrieben haben soll.
Was ist über das Motiv bekannt?
Der tschechische Innenminister Vit Rakusan sagte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT, es gebe keine Hinweise auf einen zweiten Täter oder auf einen terroristischen Hintergrund. Es habe sich um einen einzelnen Schützen gehandelt, sagte Regierungschef Petr Fiala.
Reaktionen auf den Schusswaffenangriff
Der tschechische Präsident Petr Pavel sprach den Angehörigen der Getöteten sein Beileid aus. Er dankte den Bürgern beim Kurznachrichtendienst X dafür, dass sie den Anweisungen der Sicherheitskräfte gefolgt seien. Wie das Büro des Staatsoberhaupts mitteilte, brach Pavel einen Frankreich-Besuch ab, um vorzeitig nach Tschechien zurückzukehren. Am späten Abend sollte das Kabinett zu einer Krisensitzung zusammenkommen.
Die Prager Polizei hat ein Krisentelefon eingerichtet . Bürgerinnen und Bürger sollen hier ihre Fragen zu dem tragischen Ereignis stellen können.
International rief die Tat Bestürzung hervor. Bundeskanzler Olaf Scholz zeigte sich erschüttert über die Nachrichten aus Prag. »Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer, unser Mitgefühl gilt unseren tschechischen Freundinnen und Freunden«, schrieb der SPD-Politiker bei X.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Tat. Ähnlich äußerten sich die Präsidenten Frankreichs, der Slowakei, der Ukraine und Israels sowie zahlreiche weitere Spitzenpolitiker. Das Weiße Haus verurteilte ebenfalls die »sinnlose Gewalt«.
Wo wurde die Tat verübt?
Die Karls-Universität wurde 1348 gegründet und zählt damit zu den ältesten europäischen Universitäten. Sie liegt im historischen Stadtzentrum in der Nähe von bekannten Touristenattraktionen wie der im 14. Jahrhundert errichteten Karlsbrücke. Sie hat rund 49.500 Studentinnen und Studenten. Davon studieren rund 8000 an der Philosophischen Fakultät Fächer wie Germanistik, Slawistik, Geschichtswissenschaft.

