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Pisa-Debakel: Deutschlands 15-Jährige rutschen massiv ab

December 05
13:26 2023

Die Nation entsetzt, das Selbstbild als Land der Dichter, Denker, Erfinder und Ingenieure erschüttert: Am 4. Dezember 2001 erlitt Deutschland den seitdem viel zitierten Pisa-Schock. Bei dem internationalen Leistungsvergleich landeten deutsche Schülerinnen und Schüler nur im unteren Mittelfeld, weit abgeschlagen hinter Spitzenreitern wie Finnland oder Japan.

Und heute, rund 20 Jahre später? Gibt es ein neues Pisa-Debakel.

Bei der aktuellen OECD-Erhebung, die an diesem Dienstag vorgestellt wird, schneiden Deutschlands Jugendliche in Teilen ähnlich ab wie 2001 – oder sogar schlechter als damals. Seit der Erhebung 2018 sind die Leistungen in allen Bereichen – Mathematik, Lesen, Naturwissenschaften – stark abgesackt.

Lagen die Ergebnisse damals noch jeweils deutlich über den OECD-Mittelwerten, gilt dies jetzt nur noch für Naturwissenschaften. In Mathematik und im Lesen unterschieden sich die Werte nicht mehr sehr vom OECD-Schnitt, so die Pisa-Forscher. Sie nennen die Entwicklung »besorgniserregend«.

Fünf zentrale Erkenntnisse:

  • Nach dem Pisa-Schock 2001 hatte bei den Leistungen der 15-Jährigen für etwa zehn Jahre ein stetiger Aufwärtstrend eingesetzt. Doch seit etwa zehn Jahren ist diese Entwicklung rückläufig – mit einem besonderen Abschwung bei der neuesten Erhebung. Bei den Ergebnissen von 2022 handele es sich für Deutschland in allen drei Bereichen »um die niedrigsten Ergebnisse, die je im Rahmen von Pisa gemessen wurden«, heißt es in einer Ländernotiz.

  • Der Anteil der Jugendlichen, denen so grundlegende Fähigkeiten fehlen, dass sie Probleme haben dürften, später in Alltag und Beruf gut zurechtzukommen, ist deutlich gestiegen. In Mathematik zeigt sich knapp jeder Dritte entsprechend leistungsschwach, im Lesen rund jeder Vierte, in Naturwissenschaften mehr als jeder Fünfte.

  • An Gymnasien lernen anteilig weit mehr leistungsstarke Schüler als an anderen Schulformen. Doch auch hier steigt der Anteil derjenigen, die an einfachen Aufgaben scheitern.

  • Zugleich hakt die Eliteförderung: In Mathematik und im Lesen ist die Leistungsspitze signifikant geschrumpft, auch an Gymnasien.

  • Das deutsche Schulsystem ist nach wie vor sozial besonders ungerecht: Leistungen hängen hier mehr als in den meisten anderen OECD-Ländern von Bildungsgrad und Geldbeutel der Eltern ab. Und neu zugewanderte Kinder werden nicht gut genug integriert und gefördert. Die Pisa-Forscher nennen die Befunde für diese Gruppe »alarmierend«.

Die Ergebnisse dürften – anders als 2001 – Politik und Gesellschaft nicht mehr besonders überraschen: In den vergangenen Monaten haben mehrere Studien gezeigt , dass die schulischen Leistungen in Deutschland sinken und immer mehr Kinder den Anschluss verlieren.

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