Panamakanal-Alternative: Mexiko startet Zugstrecke von Atlantik zum Pazifik
Mexiko hat eine Zugverbindung von Küste zu Küste in Betrieb genommen, die nach dem Willen der Regierung dem Panamakanal Konkurrenz machen soll. Die Fahrt auf der Strecke von Coatzacoalcos am atlantischen Golf von Mexiko bis Salina Cruz am Pazifik dauert drei Stunden, befördert werden sowohl Fracht als auch Passagiere. Die Zugverbindung soll auch die wirtschaftliche Entwicklung im ärmeren südlichen Teil Mexikos vorantreiben.
Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte, »alle asiatischen Staaten« hätten Interesse an der Verbindung gezeigt, da der Panamakanal ausgelastet sei. Kritiker wenden jedoch ein, über die Zugstrecke könne nur ein Bruchteil der Frachtmenge transportiert werden, die über den Wasserweg befördert werde.
Tatsächlich sind Alternativen zum Transport über den Panamakanal dringend gesucht. Denn die Wasserstraße wird immer mehr zum Nadelöhr des Welthandels: Aufgrund relativ weniger Niederschläge in dem grundsätzlich sehr regenreichen Gebiet musste der Schiffsverkehr in diesem Jahr zunehmend drastischer beschränkt werden. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse über die Ursachen und Folgen.)
Normalerweise durchfahren rund 40 Schiffe am Tag den Kanal zwischen dem Atlantik und dem Pazifik. Demnächst sollen nur noch 18 Containerschiffe, Öltanker, Schüttgutfrachter oder Kreuzfahrtschiffe die Wasserstraße pro Tag nutzen können. Bereits jetzt muss ein Teil der Fracht auf Züge umgeladen und damit durch Panama transportiert werden. Inzwischen planen einige Reedereien um und schicken ihre Schiffe um das Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas herum. Das bedeutet einen Umweg von mehreren Tausend Kilometern, verlängert die Fahrt von Europa nach Südasien um rund eine Woche und erhöht damit auch massiv die Kosten.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es kurzzeitig, die Reedereien würden ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung herum schicken. Dies liegt jedoch nahe der Südspitze Afrikas. Gemeint ist Kap Hoorn im Süden Südamerikas. Wir haben den Fehler korrigiert.

