News des Tages: Wasserknappheit in Uruguay, Putsch in Niger, Kindeswohl in Deutschland
Im August geht die Lage am Abend auf Weltreise: SPIEGEL-Korrespondentinnen und -Reporter berichten aus den Metropolen und entlegenen Ecken Asiens, Afrikas, Amerikas und Europas. Und natürlich bekommen Sie hier auch weiterhin Ihr Nachrichten-Briefing: News, Meinung, Stories – alles, was am Tag wirklich wichtig ist.
1. (Wasser-)Not macht erfinderisch
Wenn Stauseen plötzlich nur noch Pfützen sind, dann geht es auf einmal ums nackte Überleben. Mit diesem düsteren Szenario mussten sich in den vergangenen Monaten die Stadtoberen von Montevideo, der Hauptstadt Uruguays, herumschlagen.
Die Region erlebt eine beispiellose Dürre, wie so viele Länder dieser Erde, geschuldet dem Wetterphänomen La Niña und auch dem Klimawandel. Als die Hähne vollends zu versiegen drohten, fassten die Planer in Montevideo einen beherzten Beschluss. Sie zapften einen nahegelegenen Fluss an. Wochenlang schmeckte das Wasser aus der Leitung nach Schlamm und Salz, trinken wollte diese Brühe niemand mehr, wie meine Kollegin Nicola Abé in diesem Text eindrucksvoll beschreibt.
Wer kann, greift also zur Flasche, besorgt sich Wasser aus dem Supermarkt. »Das Beispiel Montevideo zeigt, wie die wertvolle Ressource Wasser Gefahr läuft, privatisiert zu werden, gerade in Zeiten des Klimawandels«, sagt Nicola. »Wir müssen klüger auf das Unerwartete vorbereitet sein, brauchen einen Plan B und C«, zitiert sie im Text eine Wasserexpertin.
Nach der Lektüre von Nicolas Text fragt man sich sofort: hat Deutschland so einen Plan B und C? Wenn ich mich recht an diese SPIEGEL-Titelgeschichte vom Juli erinnere, eher nicht.
-
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Wie der Millionenstadt Montevideo das Trinkwasser ausging
2. Putsch-Putsch?
Auch in Niger, im Westen Afrikas, schlägt die Klimakrise erbarmungslos zu. Die Dürren häufen sich, die Regenzeiten blieben in den vergangenen Jahren aus. Doch nun steht der Sahelstaat noch vor ganz anderen Problemen: Eine Militärjunta hat Ende Juli den ersten demokratisch gewählten Präsidenten aus dem Amt geputscht, ähnlich wie zuvor in den Nachbarländern Mali und Burkina Faso. Der Westen, allen voran Frankreich, verliert immer mehr verlässliche Partner in der Sahelzone.
Nun droht sogar Krieg. Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas will die alte Ordnung in Niger wiederherstellen, wenn nötig mit Gewalt. Am Sonntag lief ein Ultimatum an die Putschisten aus, nun fragen sich viele: macht Ecowas jetzt Ernst? Ist ein gewaltsames Vertreiben von Putschisten eigentlich auch ein Putsch? Und mischt Frankreich mit? Für alle, die den Überblick behalten wollen: Mein Kollege Malte Göbel vom Newsteam und ich haben die wichtigsten Fragen rund um den Konflikt in Niger in einem FAQ aufgearbeitet .
-
Lesen Sie hier mehr: Berlin warnt Putschisten vor »scharfen persönlichen Konsequenzen«
3. Sind die Kinder noch sicher?
»Ich rufe das Jugendamt« – diese Drohung wird in Zukunft im Streit mit nervigen Eltern kaum noch ziehen. Denn wie meine Kolleginnen Silke Fokken, Milena Hassenkamp und Swantje Unterberg herausgefunden haben, herrscht dort der absolute Mangel . Stellen können nicht mehr besetzt werden, dabei schießen seit der Coronapandemie die Fälle in die Höhe. »Es war morgens schon klar, dass ich meine Aufgaben bis abends auf keinen Fall schaffen konnte«, wird eine ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin zitiert.
Fälle müssten also priorisiert werden, für Prävention sei sowieso keine Zeit mehr, so das Ergebnis der bedrückenden Recherche. Der Text enthält auch ein Diagramm, das den Ernst der Lage ziemlich klarmacht: Seit 2013 sind die Kindesgefährdungen und der Hilfebedarf stetig angestiegen, in zehn Jahren um mehr als 100 Prozent. Gleichzeitig pfeifen die Ämter aus dem letzten Loch. »Das System lässt die Kinder oft im Stich. Wenn nicht bald mehr investiert wird, gibt ihnen niemand eine Chance«, sagt Kollegin Milena Hassenkamp.
-
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Die Kinderschützer können nicht mehr
Was heute sonst noch wichtig ist
-
Großbritannien bringt erstmals Asylsuchende auf Lastkahn unter: Die »Bibby Stockholm« bot einst Obdachlosen im Hamburger Hafen Schutz – nun steht sie für Großbritanniens neue Asylpolitik. Künftig werden hier Schutzsuchende eingepfercht. Nicht nur Menschenrechtler schlagen Alarm.
-
Nur noch zehn kalifornische Schweinswale im Golf von Kalifornien: Illegale Jagd hat kalifornische Schweinswale im Golf von Kalifornien an den Rand ihrer Existenz gebracht. Die internationale Walfangkommission warnt nun vor dem Aussterben der Art – und fordert den Einsatz alternativer Fanggeräte.
-
Russische Raumfahrtbehörde will erste Mondmission seit 1976 starten: Es soll der erste Start zum Mond seit fast 50 Jahren sein: Am Freitag will Russland offenbar den Lander »Luna 25« zum Erdtrabanten schicken. Ein Astronom hält den Flug allerdings für sehr kompliziert.
Nachrichten und Hintergründe zum Krieg in der Ukraine
-
Angstmacherei ist keine Strategie: Bei jedem neuen Waffentypus, der an die Ukraine geliefert werden soll, entbrennt eine Debatte über »Eskalation« – so wie jetzt über deutsche Taurus-Marschflugkörper. Das ist unseriös .
-
Wird Ackerland in Cherson bald Wüste? Durch den Bruch des Kachowka-Damms haben Wassermassen hart umkämpfte Gebiete in der Südukraine überflutet. Nun ist das Wasser zwar weg. Doch ein Bild aus dem All zeigt: Es gibt ein anderes Problem.
-
Hier finden Sie alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine: Das News-Update
Meine Lieblingsgeschichte heute …
… spielt zur nächtlichen Stunde in den armen Vororten von Buenos Aires. Dort wird das Flutlicht angeschaltet und hemmungslos verhandelt, wie mein Kollege Marian Blasberg in diesem Text beschreibt . Bei klandestinen Fußballspielen geht es um viel Geld, Jugendliche setzen ihr Erspartes als Wette ein, manche verdienen damit ihren Lebensunterhalt in dem krisengeplagten Land. Ich bin wahrlich kein Fußballfan, aber nach dieser Reportage werde ich den Livestream einschalten und eines der Spiele verfolgen, die oft auch im Internet übertragen werden.
Damit befinde ich mich in guter Gesellschaft, denn auch DER argentinische Superstar Lionel Messi soll aus seiner neuen Heimat Florida die Partien verfolgen. Er blickt quasi auf die Kicker herab, und sie blicken zu ihm herauf, denn Messi ist ihr großes Vorbild, wie Marian bei seinen nächtlichen Spielbesuchen festgestellt hat. »Eigentlich leben viele von ihnen so wild wie Maradona, aber sehnen sich nach einem ruhigen spießigen Dasein wie Messi«, sagt er. Kein Wunder in einem Land, in dem die Inflation inzwischen dreistellig ist.
-
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Wenn nachts die Halbwelt von Buenos Aires Futsal zockt
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
-
Ein falscher Verdacht – nun muss diese Frau um ihre Karriere kämpfen: Wie gnadenlos staatliche Institutionen sein können, zeigt der Fall einer Berliner Gründerin: Ein Unternehmen geht pleite, eine Förderbank muss klein beigeben – und offen bleibt die Frage, wer für all das zahlen muss .
-
Der Puppenspieler von Belgrad: Proteste im eigenen Land, dazu Anhänger, die Kfor-Soldaten verprügeln, ein Dunkelmann als Geheimdienstchef: Trotz allem gilt Präsident Vučić im Westen weiter als wichtiger Verhandlungspartner. Wladimir Putin dürfte das freuen .
-
Wie man 150.000 Euro an der Börse verzockt:Mit dem Smartphone im Aktiengeschäft mitmischen, so einfach und günstig wie shoppen: Durch Neobroker haben viele Menschen den Reiz des schnellen Wertpapierhandels entdeckt. Doch was gut klingt, kann schrecklich schiefgehen .
Was heute weniger wichtig ist
Muskel-Musk und Zank-Zuck: Seit Wochen streiten sich Elon Musk und Mark Zuckerberg um ein angebliches Kampfsportduell, in dem sich entscheiden soll, wer der Stärkere von beiden ist. Zwei Männeregos aus der Techbranche, die ihre Muskeln vergleichen und ganz nebenbei ihre Plattformen promoten. Denn während Musk auf Twitter, Pardon: X, herumstichelt, keilt Zuckerberg auf Threads zurück. Derzeit geht es um die Frage, auf welchem Dienst der Kampf (wenn er denn je stattfindet) übertragen werden soll. »Ich bin schon heute bereit«, sagt der Meta-Chef.
Mini-Hohlspiegel
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Und heute Abend?
Können Sie X oder Threads oder Facebook getrost auslassen. Stattdessen empfehle ich eine virtuelle Reise nach Kenia, meiner Wahlheimat. Hier ist die sogenannte Great Migration in vollem Gange, Tausende Tiere pilgern von der Serengeti in Tansania in die Massai Mara in Kenia. Auch dabei geht es, wie in unserer heutigen Lage am Abend, um das Verschwinden. Denn die armen Tiere müssen einen Fluss durchqueren, in dem Krokodile wie in einem Drive-Through auf die nächste Mahlzeit warten. Aktuelle Videos dieses Spektakels kann man sehr gut auf https://www.discoverafrica.com/herdtracker/ verfolgen.
In diesem Sinne: Safari njema,
Ihr Heiner Hoffmann, Korrespondent

