Markus Söder warnt vor »Blindflug« bei Lockerungen
Icon: vergrößernBayerns Ministerpräsident Markus Söder
Foto: Peter Kneffel / dpa
Vor den Bund-Länder-Beratungen kommende Woche hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Zurückhaltung bei möglichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen angemahnt. »Wir wollen schrittweise öffnen, aber mit Vernunft und Vorsicht. Wir dürfen angesichts der Mutation keinen Blindflug starten«, sagte Söder dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »Die Politik darf jetzt nicht die Nerven verlieren. Öffnen ja, aber klug und umsichtig«, betonte der CSU-Chef.
Vorsicht gelte auch bei den Stufenplänen, die mehrere Bundesländer derzeit vorbereiten. »Bei einem Stufenplan muss man aufpassen, dass am Ende nicht ein Datum alle nächsten Schritte bestimmt«, sagte der Ministerpräsident. Am Ende müsse auch möglich sein, Öffnungsschritte zurückzunehmen. Zentrales Steuerungsinstrument sollten aus Sicht Söders die Inzidenzzahlen sein. »Eine intelligente Öffnungsmatrix sollte sich an den Zahlen von 35 und 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen orientieren.« Diese Werte stünden aus gutem Grund fest. Öffnungen müssten dann nach Daten und nicht nach einem Datum erfolgen und für alle nachvollziehbar sein. »Eine generelle Öffnungshektik hilft niemandem«, warnte der Regierungschef.
Söder offen für Vorteile für Geimpfte
Angesichts der Zurückhaltung gegenüber dem AstraZeneca-Impfstoff sieht Söder Handlungsbedarf. »Wenn es so weitergeht, werden wir auf einem Berg von AstraZeneca-Impfdosen sitzen bleiben. Das kann niemand wollen bei einem Impfstoff, der gut schützt«, sagte der CSU-Vorsitzende. Natürlich sei es jetzt gut, Lehrer, Erzieher und die Polizei vorzeitig zu impfen. Aber es gebe unzählige Menschen, die sich impfen lassen wollten, jedoch noch lange nicht dran seien. »Sollte sich der Trend bei AstraZeneca fortsetzen, hat es keinen Sinn, dafür ständige neue Priorisierungen vorzunehmen. Sinnvoll wäre es dann, AstraZeneca gleich über die Ärzteschaft zu verimpfen. Denn wir sollten so rasch wie möglich alles verimpfen, was geht«, sagte Söder.
Söder zeigte sich offen für Vorteile für gegen Corona geimpfte Menschen. Man müsse auf Dauer über »Sonderoptionen« für Geimpfte sprechen, sagte er im Bayerischen Fernsehen. Aktuell sei es dafür aber noch zu früh, weil noch zu wenige Menschen geimpft seien. »Es kann auf Dauer nicht so sein, dass, wenn sich wahnsinnig viele Leute impfen lassen – andere nicht –, für die, die sich nicht impfen lassen, alle anderen ein Stück weit dieselben Einschränkungen haben«, sagte Söder.
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