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Klimawandel: Sachverständige empfehlen Aufnahme von Klimaflüchtlingen

May 09
14:28 2023

Welche Verpflichtungen hat Deutschland gegenüber Klimaflüchtlingen? Ein unabhängiges Beratergremium der Bundesregierung hat dazu nun Vorschläge entwickelt. Im Zentrum der Idee: ein »Klima-Pass«.

Wer durch die Folgen des Klimawandels seine Heimat verliert, sollte einen »Klima-Pass« für einen Daueraufenthalt in Deutschland erhalten. So schlägt es der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgutachten vor; das unabhängige Gremium berät die Bundesregierung.

Das Angebot sollte nach Auffassung der Experten auf Menschen aus Ländern beschränkt werden, »die durch den Klimawandel ihr gesamtes Territorium verlieren«. Das seien in erster Linie Inselstaaten, die durch den Anstieg des Meeresspiegels in Folge der Erderwärmung in ihrer Existenz bedroht seien.

Befristete Aufnahme und anschließende Rückkehr

Für Menschen aus Staaten, die von den Auswirkungen des Klimawandels erheblich betroffen sind, schlägt der SVR eine sogenannte Klima-Card vor. Dahinter verbirgt sich ein Konzept für ein humanitäres Aufnahmeprogramm, das einen befristeten Aufenthalt in Deutschland ermöglichen würde. Hierfür müsste man aus Sicht der Sachverständigen Kontingente festlegen. Ziel wäre dabei eine Rückkehr der Klima-Card-Inhaber in die Heimat, nachdem dort die gravierendsten Folgen beseitigt und Anpassungsmaßnahmen umgesetzt wurden.

Daneben sollte es ein »Klima-Arbeitsvisum« geben, um die Abwanderung aufgrund schleichender Umweltveränderungen zu steuern. Ein solches Visum würden dann Menschen aus besonders betroffenen Staaten erhalten, die zwar keine besondere Qualifikation, aber einen Arbeitsvertrag vorweisen können. Auch bei diesem Instrument müssten aus Sicht des SVR länderspezifische Kontingente festgelegt werden, es würde sich an dem von Deutschland bereits praktizierten Modell der sogenannten Westbalkan-Regelung orientieren.

Nach Auffassung des SVR sind valide Prognosen zum Umfang der durch Klimawandel bedingten Migration kaum möglich. Unstrittig sei aber, dass durch den Klimawandel ausgelöste Umweltveränderungen und Extremwetterereignisse vorhandene Probleme verschärfen und darüber Migration auslösen könnten. »Wenn es nicht gelingt, den Klimawandel einzudämmen, wird Klimamigration einerseits weiter zunehmen«, sagte die stellvertretende SVR-Vorsitzende, Birgit Leyendecker.

»Andererseits können die Folgen des Klimawandels Migration auch hemmen oder diese sogar verhindern – etwa wenn Menschen die Ressourcen verloren gehen, die sie brauchen, um überhaupt abwandern zu können«, sagte Leyendecker, die an der Ruhr-Universität Bochum das Interdisziplinäre Zentrum für Familienforschung leitet.

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