Janet Yellen: Erste Finanzministerin der US-Geschichte im Senat bestätigt
Icon: vergrößernJanet Yellen (Archivbild): Sogar der politische Gegner hat reichlich Respekt
Foto: Andrew Harnik / AP
Das Kabinett des frischgebackenen US-Präsidenten nimmt immer weiter Formen an. Nun ist ein weiterer wichtiger Posten besetzt. Die frühere Notenbankchefin Janet Yellen wird Finanzministerin in der neuen US-Regierung. Der Senat bestätigte die Ökonomin am Montag mit 84 zu 15 Stimmen.
Erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten wird das einflussreiche Ministerium damit von einer Frau geführt. Die erste Hürde hatte Yellen vergangene Woche ebenfalls locker genommen, als ihre Nominierung im Finanzausschuss des Senats einstimmig angenommen wurde.
Yellen stand von 2014 bis 2018 an der Spitze der US-Notenbank Fed. Jüngsten Aussagen zufolge will die 74-Jährige die Wirtschaft mit massiven Konjunkturhilfen durch die Coronakrise bringen. Angesichts historisch niedriger Zinsen sei es momentan klug, »groß zu handeln«.
Bundesfinanzminister Olaf Scholz sprach von einer ausgezeichneten Wahl. »Als ehemalige Präsidentin der US-Notenbank verfügt sie über eine herausragende Expertise und Erfahrung für ihre neue Aufgabe«, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. »Die gemeinsamen Herausforderungen sind riesig, aber auch die Chancen.«
Ein zentrales Thema in den nächsten Monaten werde die Besteuerung der digitalen Wirtschaft und eine effektive globale Mindestbesteuerung sein. »Ich setze auf entscheidende Fortschritte und eine Einigung auf OECD-Ebene im Sommer. Die Corona-Pandemie zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, dass jedes Unternehmen seinen fairen Beitrag leistet.«
Auch die Republikaner wissen ihre Expertise zu schätzen
Die Entscheidung spiegelt perfekt Bidens personalpolitische Strategie nach dem Wahlsieg wider: Yellen kommt aus dem Obama-Orbit, sie bringt Fachkompetenz und Regierungserfahrung mit – und sie ist eine Konsenskandidatin, die nicht nur für beide Flügel der Demokraten akzeptabel war, sondern sogar für die Republikaner. Bei ihrer Berufung zur Chefin der mächtigsten Notenbank der Welt 2014 bekam Yellen die Stimmen von elf republikanischen Senatoren, und einige von diesen sind heute noch im Amt. Entsprechen glatt verlief nun der Nominierungsprozess.
Nach dem Ausscheiden aus der Fed hatte Yellen in der Denkfabrik Brookings Institution ein Büro bezogen, wo auch ihr Amtsvorgänger Ben Bernanke arbeitet. Eines ihrer unterschätzten Talente sei »die Fähigkeit, auf überzeugende Weise für Konsens zu sorgen«, sagte Julia Coronado, Gründerin der Beratungsfirma MacroPolicy Perspectives. »Sie wird gemocht, aber sie kann sich durchsetzen«, sagte sie dem »Wall Street Journal«.
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