Israel veröffentlicht Details zu Hamas-Tunneln – Essen, Wasser, Elektrik
Das israelische Militär (IDF) hat neue Erkenntnisse zum weitreichenden Tunnelsystem der islamistischen Hamas im nördlichen Gazastreifen veröffentlicht. Eine entscheidende Rolle spiele der Palästina-Platz im Zentrum von Gaza-Stadt, teilte die Armee mit. Von dort sollen »Büros und Wohnungen der politischen sowie militärischen Hamas-Führung« unterirdisch erreichbar gewesen sein. Am Sonntag hatte die Armee bereits die Freilegung eines Tunnelnetzes im Norden des Gazastreifens bekannt gegeben.
Nach der Übernahme eines Gebiets in Gaza-Stadt seien weitere Details der »strategischen Tunnelroute« aufgedeckt worden, so die Armee. Neben Treppen ermöglichten demnach auch Aufzüge den Abstieg in das unterirdische System. In einigen Fällen seien Lebensmittel, Wasser- und elektrische Infrastrukturen gefunden worden. »Auf diese Weise konnten Hamas-Terroristen sowohl fliehen als auch für längere Zeit in ihren Verstecken bleiben«, hieß es.
Das Tunnelnetz soll den Angaben nach von den hochrangigen Funktionären der Organisation, Ismail Haniyyeh, Jihia Sinwar, Mohammed Deif und anderen, genutzt worden sein, »um die operativen Aktivitäten der Hamas zu steuern«.
Israel hat nach Angaben der Vereinten Nationen weitere großflächige Evakuierungen der Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens angeordnet. Das Uno-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) erklärte, Israel habe am Mittwoch Karten veröffentlicht, in denen rund 20 Prozent des Stadtgebiets neu als zu räumendes Gebiet ausgezeichnet würden.
In dem Gebiet lebten nach Angaben der Uno vor Beginn der Kämpfe zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas mehr als 110.000 Menschen. Außerdem befinden sich in dem Gebiet demnach 32 Notunterkünfte, in denen mehr als 140.000 Binnenflüchtlinge lebten, die meisten von ihnen aus dem Norden des Gazastreifens.
Angriffe auf Syrien und Libanon
Nach erneutem Raketenbeschuss hat Israels Militär Ziele in Syrien angegriffen. Die Abschussorte der vier Raketen sowie ein syrischer Militärposten seien beschossen worden, teilte das israelische Militär am Abend mit. Welche Gruppierung für den Abschuss aus Syrien verantwortlich ist, war zunächst unklar.
Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London bestätigte israelische Angriffe nach Raketenbeschuss im Grenzgebiet. Berichte von Opfern waren zunächst nicht bekannt.
Die israelische Luftwaffe hat laut IDF auch Stellungen der Schiitenmiliz Hisbollah im Südlibanon angegriffen. Es seien »Terror-Infrastruktur« sowie militärische Einrichtungen der Hisbollah getroffen worden, teilte die Armee mit. Darüber hinaus sei auf »eine Reihe von Terroristen, die sich vom Libanon entlang der Grenze im Gebiet Metula dem Sicherheitszaun näherten« geschossen worden. Eine Bestätigung aus dem Libanon stand zunächst aus.
Die libanesische Hisbollah-Miliz hatte zuvor von mehreren Angriffen auf Israel berichtet. Unter anderem seien israelische Soldaten bei dem Grenzort Metula beschossen worden.
Seit Beginn des Gazakriegs nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober kommt es immer wieder zu Konfrontationen an Israels Nordgrenze zum Libanon. Israels Militär hatte die eng mit dem Iran verbundene Hisbollah am Montag vor einer Verschärfung der Kampfhandlungen an der Grenze gewarnt. »Wir sind heute näher an einem Krieg als gestern«, sagte Militärsprecher Jonathan Conricus.
USA: Intensive Gespräche über Waffenruhe
Der Sprecher des Weißen Hauses, John Kirby, hat bestätigt, dass zurzeit intensive Gespräche über eine mögliche erneute Waffenruhe und einen Austausch von Geiseln, die von der Hamas festgehalten werden, gegen palästinensische Gefangene in Israel stattfinden. »Dies sind sehr ernsthafte Gespräche und Verhandlungen, und wir hoffen, dass sie zu etwas führen«, sagte Kirby, am Mittwoch an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One.
Hamas-Führer Ismail Haniyyeh war am Mittwoch zu Gesprächen nach Kairo gereist, um mit ägyptischen Beamten zu sprechen, die sich um die Vermittlung eines neuen Waffenstillstands bemühen. Der »Islamische Dschihad«, eine kleinere militante Palästinensergruppe, die ebenfalls Geiseln im Gazastreifen festhält, teilte mit, dass ihr Anführer in den kommenden Tagen ebenfalls Ägypten besuchen werde, um über ein mögliches Ende des Konflikts zu sprechen.

