Israel-Gaza-Krieg: Armee tötet aus Versehen drei von Hamas festgehaltene Geiseln
Bei einem Einsatz im Gazastreifen hat die Armee Israels nach eigenen Angaben von der Hamas verschleppte Geiseln getötet. Das gab Armeesprecher Daniel Hagari bekannt. Es sei »ein tragischer Vorfall«, für den die Armee die Verantwortung übernehmen werde.
Israelische Truppen hätten während der Kämpfe in der Hamas-Hochburg Schedschaija im nördlichen Gazastreifen fälschlicherweise drei israelische Geiseln als Bedrohung identifiziert und das Feuer auf sie eröffnet. Die Armee hat zwei der drei Namen der Getöteten bekannt gegeben. Der dritte Name wurde demnach auf Bitte von Familienmitgliedern nicht genannt.
»Dies ist ein Gebiet, in dem die Soldaten vielen Terroristen begegnet sind, darunter auch Selbstmordattentätern«, fügte Hagari laut der »Times of Israel« hinzu.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bezeichnete den Tod der drei Geiseln als »unerträgliche Tragödie«. »Der gesamte Staat Israel trauert heute Abend. Mein Herz ist bei den trauernden Familien in der schweren Zeit ihres Kummers«, schrieb der israelische Regierungschef am Abend in den sozialen Medien.
Am Nachmittag hatte das Büro Netanyahus mitgeteilt, dass nach israelischen Schätzungen derzeit noch 112 aus Israel verschleppte Menschen im Gazastreifen festgehalten werden. Weiterhin gebe die Hamas die Leichen von 20 am 7. Oktober Entführten nicht heraus.
Das Büro machte keine Angaben zur Identität der 20 Getöteten. Auch wurde nicht mitgeteilt, woher genau das Land wisse, welche Verschleppten tot sind. Die Armee hatte zuvor aber sowohl freigelassene Geiseln als auch festgenommene Terroristen zum Verbleib der Menschen befragt. Israels Militär verteilte zudem Flugblätter im Gazastreifen, um im Austausch für Geld und Sicherheitsgarantien Hinweise zu den Geiseln zu bekommen.
Unter den 112 Geiseln und 20 Toten im Gazastreifen seien zwei Kinder, 19 Frauen und zehn Männer und Frauen über 75 Jahre. 121 der Betroffenen hätten die israelische, elf eine ausländische Staatsbürgerschaft.
Israels Armee hatte am Freitagmorgen mitgeteilt, drei weitere Leichen von Geiseln geborgen und nach Israel zurückgebracht zu haben. Zuletzt hatte das Militär die Zahl der noch im Gazastreifen verbliebenen Geiseln mit 135 angegeben, ohne zu differenzieren, ob die Menschen tot oder lebendig sind.
Bei dem beispiellosen Überfall auf Grenzorte in Israel wurden am 7. Oktober nach israelischen Angaben insgesamt rund 240 Menschen entführt. Im Rahmen eines Deals zwischen der Regierung in Jerusalem und der Hamas wurden kürzlich insgesamt 105 Geiseln freigelassen. Im Austausch entließ Israel 240 palästinensische Häftlinge aus israelischen Gefängnissen. Die Armee hatte in den vergangenen Wochen die toten Körper von insgesamt acht Verschleppten geborgen.

