Hamas-Geiseln: Benjamin Netanyahu deutet Abkommen über Freilassung an
Beim Überfall der Hamas am 7. Oktober sind nach israelischen Angaben rund 240 Menschen von Kämpfern verschleppt worden. Nun hat sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einem Interview zum Schicksal der Menschen geäußert. Bei einem Gespräch mit dem US-Fernsehsender NBC deutete er die Möglichkeit eines Deals an. Auf die Frage einer Journalistin nach einem möglichen Abkommen zur Freilassung von Frauen, Kindern und alten Menschen sagte Netanyahu am Sonntag: »Das könnte sein.«
Mehr wolle er aber nicht sagen, er fügte hinzu: »Je weniger ich mich zu diesem Thema äußere, desto mehr erhöhe ich die Chancen, dass dies Wirklichkeit wird.«
NBC und andere US-Medien berichteten unter Berufung auf Regierungskreise, dass derzeit diskutiert werde, ob die Hamas etwa 80 Frauen und Kinder freilassen könnte – im Gegenzug für palästinensische Frauen und Teenager, die in Israel in Gewahrsam seien. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Auch Netanyahu ging in keiner Weise auf Details eines potenziellen Deals ein.
Er sagte, Verhandlungen über die mögliche Freilassung von Geiseln seien erst wegen des militärischen Drucks auf die radikalislamische Hamas im Gazastreifen vorangekommen. Bis zum Beginn der israelischen Bodenoffensive gab es dagegen überhaupt keinen Fortschritt, so Netanyahu in der NBC-Sendung »Meet the Press«. »Aber in dem Moment, als wir mit der Bodenoffensive begannen, begannen sich die Dinge zu ändern«.
Neun Personen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft vermisst
Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte dem Sender ABC, es liefen Verhandlungen, an denen Katar beteiligt und die US-Regierung aktiv eingebunden sei. »Es wird versucht, eine Einigung zu erzielen, die die Freilassung von Geiseln beinhaltet«, so Sullivan. Biden werde nicht ruhen, bis ein solches Abkommen erreicht sei.
Auch Sullivan betonte: »Ich muss vorsichtig sein mit dem, was ich öffentlich dazu sage, weil es sich natürlich um eine heikle und sensible Verhandlung handelt.« Der US-Regierung lägen keine genauen Zahlen der Geiseln vor. Es gebe nur eine Zahl von Vermissten. Unklar sei aber, wie viele von ihnen noch am Leben seien. Von US-Seite würden neun Menschen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft vermisst, und eine Person mit einer permanenten US-Aufenthaltserlaubnis.
Mindestens 30 Minderjährige
Am 7. Oktober waren hunderte Hamas-Kämpfer aus dem Gazastreifen nach Israel eingedrungen und hatten bei Angriffen auf mehrere Ortschaften und ein Musikfestival Gräueltaten an Zivilisten verübt. Bei dem schlimmsten Angriff in der Geschichte des Landes wurden israelischen Angaben zufolge etwa 1200 Menschen getötet und rund 240 Menschen als Geiseln genommen und in den Gazastreifen verschleppt. Der Status vieler ist unklar, nur einzelne wurden bislang freigelassen. Laut Berichten israelischer Medien sind unter den Geiseln mindestens 30 Minderjährige, darunter auch einige kleine Kinder.
Als Reaktion auf den Hamas-Angriff hatte Israel der Palästinenserorganisation den Krieg erklärt und greift seitdem Ziele der Islamisten im Gazastreifen an. Nach unabhängig nicht überprüfbaren Angaben der Hamas-Gesundheitsbehörde im Gazastreifen wurden seit Beginn des Krieges mehr als 11.000 Menschen in dem Küstenstreifen getötet.
Am Samstag hatten in Israel Tausende Menschen in Tel Aviv und anderen Städten für die Freilassung der Geiseln demonstriert. Die Demonstranten in Tel Aviv versammelten sich vor dem Kunstmuseum im Stadtzentrum. Sie hielten Schilder in die Höhe, auf denen unter anderem stand: »Israelis für eine Waffenruhe«, »Im Krieg gibt es keine Sieger« und »Es gibt keine militärische Lösung«.

