Gaza: WHO fürchtet dramatische Hungerkrise
Die humanitäre Lage im Gazastreifen wird nach wochenlangen Kämpfen zwischen Israels Armee und der Terrororganisation Hamas immer prekärer. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind aktuell 93 Prozent der Bevölkerung von einer Hungerkrise betroffen – mit unzureichenden Nahrungsmitteln und einem hohen Maß an Unterernährung. »Hunger, Elend und Tod sind an der Tagesordnung«, schrieb die Organisation auf X.
Die WHO beklagte zudem eine »tödliche Kombination von Hunger und Krankheit«, die zu mehr Todesfällen führe. Demnach ist die Zahl der Infektionskrankheiten in Gaza bereits stark gestiegen. Mehr als 100.000 Fälle von Durchfallerkrankungen seien seit Mitte Oktober gemeldet worden – die Hälfte davon bei Kindern unter fünf Jahren.
Zudem seien mehr als 150.000 Fälle von Infektionen der oberen Atemwege gemeldet worden, wie auch Fälle von Meningitis, Hautausschlägen, Krätze, Läusen und Windpocken. Außerdem bestehe der Verdacht auf Hepatitis-Erkrankungen, da viele Menschen Anzeichen von Gelbsucht aufwiesen, so die Organisation weiter.
Das Uno-Palästinenserhilfswerk UNRWA teilte zudem auf X mit , dass die Menschen vor Ort Lastwagen mit Hilfslieferungen anhielten und die Ware direkt essen würden – eine dem Hilfswerk zufolge komplett neue Situation.
Laut der Weltgesundheitsorganisation gibt es im nördlichen Gazastreifen auch keine funktionierenden Krankenhäuser mehr. Patienten würden nicht nur wegen mangelnder medizinischer Versorgung sterben, sagte WHO-Hilfskoordinator Sean Casey am Donnerstag. »Sie verhungern und verdursten«, berichtete er in einer Videoschalte aus Rafah.
Im gesamten Gazastreifen sind laut WHO-Vertreter Richard Peeperkorn nur noch 9 der 36 Gesundheitseinrichtungen teilweise in Betrieb. Krankenhäuser im nördlichen Teil des palästinensischen Küstenstreifens seien nicht mehr in der Lage, Operationen durchzuführen und ihre Patienten zu versorgen, doch sie würden noch Tausende Menschen beherbergen – darunter auch viele Geflüchtete.
Im Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas ist ein Ende der Kämpfe vorerst nicht absehbar. Am Donnerstag wurden etwa 30 Raketen auf den Süden Israels und die Küstenstadt Tel Aviv abgefeuert. Israel hatte zuvor nach Uno-Angaben die Räumung von rund einem Fünftel des Gebiets der Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens angeordnet, die Hamas meldete zudem den Beschuss des Grenzübergangs Kerem Schalom durch Israel.
Unterdessen liefen Gespräche über eine mögliche Feuerpause weiter.

