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Feuer unter Kontrolle: Brennendes Tankschiff erreicht Rostock

October 12
02:26 2024

Panorama

Der Seenotrettungskreuzer Arkona bekämpft den Brand auf der "Annika".

Der Seenotrettungskreuzer Arkona bekämpft den Brand auf der "Annika".

Nur wenige Kilometer vor Heiligendamm gerät das Tankschiff "Annika" in Brand. Retter und Löschkräfte sind schnell vor Ort, nach stundenlangem Einsatz kann das Schiff abgeschleppt werden. In Rostock sollen die Löscharbeiten weitergehen.

Beim Brand eines Tankschiffs auf der vielbefahrenen Ostsee zwischen Deutschland und Dänemark hat ein Großeinsatz von Seenotrettern, Schleppern und Brandbekämpfern vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns offenbar das Schlimmste verhindert. Nachdem das Feuer im Heckbereich des Schiffes unter Kontrolle gebracht war, wurde der Tanker am Abend nach Rostock geschleppt, wo er um Mitternacht die Molenköpfe des Hafens erreichte. Dort soll das Feuer endgültig gelöscht werden.

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Panorama 11.10.24 ntv-Reporter zu brennendem Öltanker "Feuer soll im Hafen von Rostock gelöscht werden"

Die 73 Meter lange und 12 Meter breite "Annika" war nach Angaben des Havariekommandos mit etwa 640 Tonnen Öl an Bord auf dem Weg von Rostock nach Travemünde. Etwa 4,5 Kilometer vor Heiligendamm lag das brennende Schiff vor Anker. Das Feuer war aus noch ungeklärter Ursache wahrscheinlich im Farben- und Lackraum ausgebrochen, gegen 9.00 Uhr ging der erste Notruf ein.

Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger brachte die sieben Besatzungsmitglieder in Sicherheit und an Land. Nach Angaben des Havariekommandos wurden mehrere Personen leicht verletzt. Von drei Schiffen aus hätten die Einsatzkräfte mit der Brandbekämpfung von außen begonnen. Feuerwehrteams machten sich mit Hubschraubern auf den Weg zum Tanker. Am frühen Nachmittag gingen sie zur Erkundung an Bord der "Annika". Anschließend wurde das weitere Vorgehen beraten. Nach Angaben der Polizei wurde eine Sperrzone von drei Seemeilen um den Einsatzort eingerichtet.

Auf Fotos ist zu sehen, wie von den Einsatzschiffen große Wassermengen auf den Tanker gesprüht werden. Schwarzer Rauch dringt aus dem Bereich des Hecks mit Maschinenraum und Brücke aus dem Schiff.

Brand von der Küste aus sichtbar

Die Havarie ereignete sich in Sichtweite der stark touristisch geprägten Küste zwischen Warnemünde und Kühlungsborn. Martin Delpiano-Weber, der mit seiner Frau im Hotel in Heiligendamm zu Gast ist, sagte, sie hätten das Schiff am Morgen gesehen. Er berichtete von einer Art Feuerwalze oder Stichflamme. "Parallel wurde schon gelöscht."

Der Chef des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf, reagierte schockiert. "Das ist eine Situation, vor der wir uns im Tourismus immer fürchten", sagte er. "Wir haben hier sehr verkehrsreiche Gewässer." Der Brand des Küstentankschiffs sei eine Großschadenslage, deren Folgen bisher nicht vollständig abgeschätzt werden könnten. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sprach von einer sehr dynamischen Lage. "Wir werden alles tun, um größeren Schaden für die Umwelt abzuwenden", so der SPD-Politiker.

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Panorama 11.10.24 73 Meter langes Schiff Öltanker brennt vor Kühlungsborn in Ostsee

Die Umweltorganisation WWF lobte den schnellen Einsatz der Rettungskräfte und Löschmannschaften. Das Havariekommando Nord habe sich bewährt, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund, Finn Viehberg. "Das ist die Forderung, die wir immer wieder stellen: Ein dichtes Havariekommandonetz über die gesamte Ostsee", sagte Viehberg. Das sei nicht überall gegeben, wo Gefahrgutschiffe unterwegs seien, betonte er.

Sorge vor Ölkatastrophe

Der Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Oliver Zielinski, blickt mit großer Sorge auf den Brand. "Das ist ein mit 640 Tonnen Schweröl beladenes Schiff wenige Kilometer vor der Küste und wir haben starken Westwind", sagte der Professor. "Das würde also im schlechtesten Fall in ein sehr sensibles Flachmeer-Ökosystem getrieben werden." Zielinski betonte: "640 Tonnen – das ist eine große Menge Schweröl und kann einen massiven Schaden in der Umwelt verursachen." Er hoffe sehr, dass das nicht passiere. "Die Bekämpfungsmaßnahmen sind ja voll im Gange."

Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt von den Grünen wies auf die wachsende Gefahr einer Ölkatastrophe hin. "Dieser brennende Tanker zeigt einmal mehr, wie groß die Gefahr für die Meeresumwelt durch den zunehmenden Tankerverkehr in der Ostsee ist." Besonders besorgniserregend sei die Zunahme alter und unterversicherter russischer Öltanker der sogenannten Schattenflotte, die gegen die Folgen derartiger Havarien nicht versichert sei, sagte Goldschmidt. "Das Risiko einer Ölkatastrophe steigt. Und dieses Öl würde vor allem an unseren Stränden von Fehmarn bis nach Eckernförde landen, wie Greenpeace-Untersuchungen aus der Kadetrinne zeigen."

Die Ostsee ist eines der am stärksten befahrenen Meere der Welt. Laut Viehberg sind dort täglich rund 2000 große Schiffe unterwegs. Darunter seien Tanker mit bis zu 100.000 Tonnen Ladung an Bord. Die Havarie vor Heiligendamm sei ein "Schuss vor den Bug", so der Wissenschaftler.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

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