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Die Linke-Vorstand: Das sind Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow

February 27
15:08 2021
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Die neuen Linkenchefinnen: Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow haben es geschafft: Erstmals stehen an der Spitze einer im Bundestag vertretenen Partei zwei Frauen. Die beiden werden künftig die Geschicke der Linken lenken.

Sie wurden mit großen Mehrheiten auf dem digitalen Parteitag der Linken gewählt. Wissler, bisher Linkenfraktionsvorsitzende in Hessen, erhielt mit 84,2 Prozent ein gutes Ergebnis, die bisherige thüringische Linkenvorsitzende Hennig-Wellsow holte 70,5 Prozent der Delegiertenstimmen.

Die Frauen lösen die bisherigen Chefs Katja Kipping und Bernd Riexinger ab. Beide hatten die Linkspartei knapp neun Jahre lang geführt. Die Wahl auf dem Parteitag ist vorläufig. Erst Ende nächster Woche wird das rechtssichere Ergebnis aus der Briefwahl bekannt gegeben.

Wer sind die Frauen, die nun im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin die Partei steuern werden?

»Die Gesellschaft grundsätzlich ändern«

Janine Wissler hielt auf dem Parteitag eine antikapitalistische, emotionale Rede. Sie wetterte gegen das »neoliberale Credo«, wies auf die niedrigen Löhne im Gesundheitssektor hin und auf die vergessenen Arbeitslosen.

»Mit diesen Zuständen werden wir uns niemals abfinden«, rief Wissler. Es brauche ein »Aufbegehren gegen die Verhältnisse«, große Immobilienunternehmen müssten enteignet werden. »Wir wollen die Gesellschaft grundsätzlich ändern«, so Wissler.

Wissler hat in der Linkspartei eine Blitzkarriere hingelegt. 2008 zog die damals 27-Jährige mit der Linken in den hessischen Landtag ein, bereits ein Jahr später übernahm sie den Fraktionsvorsitz, zunächst mit Willi van Ooyen, später allein.

Lafontaine und Riexinger als Förderer

Die Genossinnen und Genossen im hessischen Landtag loben Wissler für ihre pointierten Reden und ihre Schlagfertigkeit. Auch auf Bundesebene galt die Politikwissenschaftlerin schon früh als großes Talent, Oskar Lafontaine und Bernd Riexinger zählten zu ihren Förderern. 2014 wurde Wissler zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt, sie übernahm den Posten von der scheidenden Sahra Wagenknecht.

Wie ihre Vorgängerin kommt Wissler aus dem linken Flügel der Partei. Sie ist Trotzkistin, geprägt wurde sie in der Sektiererbewegung »Marx21« und beim Straßenprotest. Die Gruppierung ist selbst vielen Linken suspekt, in der Partei haben sie nicht mehr als einen Außenseiterstatus inne. Die Trotzkisten berufen sich in ihrer politischen Agenda auf Karl Marx, in der Vergangenheit haben sie versucht, andere linke Parteien – vor allem die SPD – zu unterwandern.

Das Ziel: Der Konkurrenz Mitglieder abzuwerben oder wenigstens deren Positionen in Richtung Marx'sche Gesellschaft zu verschieben. »Marx21« wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Kurz nach der Entscheidung, für den Parteivorsitz zu kandidieren, erklärte sie ihre Mitgliedschaft für beendet. Sie sei sowieso kaum noch aktiv, sagte Wissler damals betont lakonisch.

Keine Bundeswehreinsätze im Ausland mehr – und den Verfassungsschutz abschaffen

Wissler will ihre Partei für ökologische Wählerschichten öffnen, ist aber kein großer Fan von Rot-Rot-Grün. Immerhin: 2008 war sie in Hessen bereit, eine rot-grüne Regierung unter SPD-Chefin Andrea Ypsilanti zu tolerieren. Das Bündnis scheiterte damals am Zaudern in der SPD.

Die Realos bei den Linken hoffen nun darauf, dass Wissler auch einem möglichen Mitte-links-Bündnis auf Bundesebene gegenüber aufgeschlossen ist. Das dürfte aber kaum ohne radikale Zugeständnisse möglich sein. Wissler will den Kapitalismus »überwinden« und ein Ende aller Auslandseinsätze der Bundeswehr, auf dem Leipziger Parteitag 2018 forderte sie die Abschaffung des Verfassungsschutzes. Es gehe darum, »Ohnmacht und Resignation« zu überwinden, sagte sie jetzt – und einen »Systemwechsel für eine solidarische Gesellschaft« herbeizuführen.

»Guten Morgen in Absurdistan«

Die zweite Parteivorsitzende ist Susanne Hennig-Wellsow, die Thüringer Landes- und Fraktionsvorsitzende. Im Team steht sie für das erfolgreiche Regieren. In ihrem Bundesland stellt ihre Partei mit Bodo Ramelow seit 2014 den Ministerpräsidenten in einer rot-rot-grünen Koalition. In Thüringen hat Hennig-Wellsow das geschafft, was in Berlin bisher nicht gelang: Sie hat ein ziemlich eng zusammenstehendes Team in der Partei gebildet.

Hennig-Wellsow war Eisschnellläuferin und wechselte früh in die Politik. 2004 wurde die ehemalige Leistungssportlerin als jüngste Abgeordnete in den Thüringer Landtag gewählt und lieferte sich immer wieder harte Auseinandersetzungen mit der CDU.

Bundesweit bekannt wurde sie nach der Wahl des Kurzzeit-Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich. Bei der Wahl am 5. Februar 2020 warf sie dem mit Stimmen der AfD in Regierungsverantwortung gelangten FDP-Politiker Kemmerich die Blumen vor die Füße – und stieg damit zur Ikone der Linken auf. Die im Parlament ausharrenden Journalisten begrüßte sie in den folgenden Tagen auch mal mit einem »Guten Morgen in Absurdistan«.

In ihrer Rede auf dem Parteitag schöpfte Hennig-Wellsow aus ihrer Ost-Vergangenheit. Als Kind der Wende habe sie schon einmal eine Zeit der Umbrüche und Sorgen erlebt, die Corona-Pandemie erinnere sie nun an die Jahre nach 1989.

Sie habe damals »mit aller Brutalität gespürt, wie Menschen kaputtgemacht werden«, heute sei es ähnlich. Jeder, der sich in der Linkspartei engagiere, habe dafür andere Gründe – »aber was uns alle eint, ist doch, dass wir wollen, dass es den Menschen besser geht«.

Entsprechend schwor sie die Delegierten auf eine mögliche Regierungsverantwortung im Bund ein. »Wir sind viele Jahre Protestpartei gewesen«, sagte Hennig-Wellsow, »aber die Menschen haben keine Zeit, auf uns zu warten, sondern leben im Hier und Jetzt.«

Icon: Der Spiegel

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