Coronavirus: Der Corona-Tüftler und sein Impfstoff im Marmeladenglas
Icon: vergrößernMediziner Stöcker: »Ich bin jetzt immun«
Foto: Rafael Heygster / DER SPIEGEL
Das Geheimnis seiner Marmeladen, sagt Winfried Stöcker, sei ein Rotationsverdampfer. Der entziehe den Früchten bis zur Hälfte des Wassers. Für seine Fruchtsäfte hingegen benutze er eine Zentrifuge mit einer Beschleunigung von 30.000 g, der 30.000-fachen Erdbeschleunigung. Der 74-Jährige holt aus dem Kühlraum neben seinem Wohnzimmer verschiedene Gläser: Quitte, Erdbeere, Hagebutte.
Zur Verkostung legt Stöcker Volkslieder auf, seine Frau serviert Thymiankekse und Birnenkuchen. Wer den Mann mit der weißen Haarpracht und den buschigen Augenbrauen bei sich zu Hause in Groß Grönau bei Lübeck über die Kunst des Marmeladekochens reden hört, könnte ihn für einen exzentrischen Hobbytüftler halten. Wäre da nicht die Tür, durch die man von seinen Wohnräumen in eine Welt mit Hochleistungsmikroskopen und Behältern mit flüssigem Stickstoff gelangt. »Klinisch-immunologisches Labor Professor Dr. med. Winfried Stöcker« steht auf einem Schild, 50 Angestellte arbeiten hier.
Der Arzt Winfried Stöcker hat es mit Erfindungen weit gebracht. 1987 gründete er die Firma Euroimmun. Das Unternehmen entwickelte Verfahren zur Erkennung von Autoimmun- und Infektionskrankheiten. Es hat heute 3100 Mitarbeiter und Niederlassungen in 17 Ländern. 2017 hatte Stöcker die Firma an einen US-Konzern verkauft – für insgesamt 1,2 Milliarden Euro, 600 Millionen kassierte er selbst.

