Corona-Urlaub in Griechenland: Kleine Inseln könnten größte Sicherheit bieten
Icon: vergrößernAstypalea in der Ägäis: Nur 117 der rund 6000 griechischen Inseln sind bewohnt. Auf vielen leben weniger als tausend Menschen
Foto: Milan Gonda / Milan Gonda / imago images
Wunderschöne Natur, azurblaues Wasser, weißgewaschene Häuser, eine einwandfreie Küche und die berühmte Gastfreundschaft: Es gibt viele gute Gründe, Astypalea zu besuchen, eine kleine Insel, eingebettet zwischen den Kykladen und dem Dodekanes, die aufgrund ihrer besonderen Form unter den Griechen als »Schmetterling der Ägäis« bekannt ist.
Aber jetzt kann das winzige Astypalea noch auf einen ganz anderen Vorteil zählen, um den Tourismus nach dem katastrophalen Sommer des vergangenen Jahres wiederzubeleben: Seit Beginn der Pandemie gab es hier keine einzige Coronavirus-Infektion. Und die Insel plant mit einem Programm kollektiver Impfungen coronafrei zu bleiben. Ein riesiger Vorteil in den Augen von Millionen potenzieller Urlauber, die sich darum sorgen, sich an ihrem Zielort zu infizieren.
Griechenland hat rund 6000 Inseln, 117 von ihnen sind bewohnt – nur 53 überschreiten die 1000-Einwohner-Marke. Kleine griechische Inseln wie Astypalea haben bei den Impfungen Priorität. Die kleinsten mit weniger als 1000 Einwohnern überspringen das nach Alter gestaffelte Impfsystem des Landes, ihre gesamte erwachsene Bevölkerung wird durchgeimpft. Einige Inseln sind schon komplett durchgeimpft, Dutzende sollen in den kommenden Wochen folgen.
Marketingtrick oder Pragmatismus?
Regierungsbeamte erklären eifrig, dass diese Priorisierung auf praktischen Bedenken beruhe und nicht als Marketingtrick für den Tourismus gedacht sei. Es sei teurer und ineffizienter, das medizinische Personal mehrere Male auf die schwer zu erreichenden Inseln zu schicken, um die Bewohner nach dem regulären Zeitplan zu impfen.
So werden die Größe und Abgeschiedenheit, die in normalen Zeiten einen Nachteil für diese Inseln bedeuten, jetzt zu einem großen Vorteil. Und sie sind eifrig dabei, die Welt über ihren virusfreien Status zu informieren.
Für Astypalea und viele andere dieser Inseln geht es dabei um das wirtschaftliche Überleben. 60 Prozent der Bevölkerung Astypaleas leben vom Tourismus. 2019 empfing die Insel 34.000 Touristen – fast das 30-fache ihrer Einwohnerzahl. Die meisten Besucher sind Griechen, gefolgt von Italienern, Franzosen und Deutschen. 2020 gab es einen Rückgang um 35 Prozent, der noch stärker gewesen wäre, wenn die lokalen Behörden nicht einen kostenlosen Vier-Tage-Aufenthalt für Ärzte und Krankenschwestern des öffentlichen Gesundheitssystems angeboten hätten.
»Gastfreundschaft bedeutet unserer Insel alles« – auch das wirtschaftliche Überleben
Astypalea hat 1330 Einwohner und liegt damit eigentlich knapp über der Grenze für eine Sammelimpfung. Aber die lokalen Behörden haben das Gesundheitsministerium gebeten, die Insel mit in das Programm aufzunehmen. In der Zwischenzeit mahnen sie die Insulaner, sich für den Coronaimpfstoff zu registrieren, der ab kommender Woche von Militärsanitätern verabreicht werden soll. Läuft alles nach Plan, könnten die Insulaner Ende April durchgeimpft sein.
Theodora Kakepaki musste nicht zweimal überlegen. Vergangene Woche erschien sie im medizinischen Zentrum von Chora, der markanten Hauptstadt der Insel, gebaut an einem Hügel, der von einer venezianischen Burg aus dem 13. Jahrhundert dominiert wird, um sich für die Impfung zu registrieren.
»Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass die Insel coronafrei bleibt. Ich will mich impfen lassen, um sicher zu sein und zu helfen, den Tourismus auf unserer Insel auf sicherem Wege zu öffnen, sowohl für uns Einheimische als auch für unsere Gäste«, sagte die 30-jährige Radiologin.
Giorgos Savvas, stellvertretender Bürgermeister und zuständig für den Tourismus, sagt, er erwarte, dass praktisch jeder der 1000 Erwachsenen der Insel sich für die Impfung registriere, und verspricht, Astypalea werde im Sommer vollständig bereit sein, Touristen sicher in Empfang zu nehmen. »Wir haben strenge Gesundheitsstandards eingeführt, die überall gelten, von kleinen Geschäften bis hin zu Tavernen und Bars. Und wir haben ein voll besetztes medizinisches Zentrum. Gastfreundschaft bedeutet unserer Insel alles.«
Wie Astypalea ist auch der Rest Griechenlands stark vom Tourismus abhängig, der ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. Im Jahr 2020 kamen nur 7,4 Millionen ausländische Touristen nach Griechenland, ein Bruchteil der Rekordzahl von 31,3 Millionen im Jahr zuvor. Der Tourismus aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich, den wichtigsten Märkten des Landes, brach um 62 Prozent beziehungsweise 69 Prozent ein. Die griechische Wirtschaft erlitt einen Rückgang von 8,2 Prozent.
Athen drängt auf Privilegien für Geimpfte
Athen steht an der Spitze der Länder, die auf ein EU-Impfzertifikat drängen. Es soll helfen, Reisen innerhalb der EU zu ermöglichen. Die EU-Kommission legte am Mittwoch einen Vorschlag für ein »Digitales Grünes Zertifikat« vor – es könnte im Juni zum Einsatz kommen. Das käme für den Saisonstart zu spät, schon im Mai zieht es eigentlich Touristen nach Griechenland. Und griechische Beamte befürchten, dass sich die Dinge auf europäischer Ebene zu langsam bewegen und weitere wertvolle Zeit verloren gehen könnte. Hinzu kommt der langsame Impffortschritt in der EU.
Griechenland stellt daher Notfallpläne auf, die bilaterale Abkommen mit Ländern wie Israel, dem Vereinigten Königreich und Russland beinhalten. Sobald die Tourismussaison eröffnet ist, werden Reisende, die nach Griechenland kommen, eine von drei Voraussetzungen erfüllen müssen: geimpft oder kurz vor Ankunft negativ getestet worden sein; oder einen Nachweis über die Genesung von der Krankheit vorlegen können.
Darüber hinaus werden nach Angaben der Regierung die Beschäftigten im Tourismussektor bei den Impfungen ab Juni Vorrang bekommen, mit dem Plan, dass sie alle – rund 800.000 Menschen – bis zum Sommer geimpft sind. Diejenigen, die nicht geimpft sind, sollen wöchentlich getestet werden.
Griechenlands Tourismuskampagne für 2021 dreht sich um den Slogan »All you want is Greece«: »Kein Bild könnte die Rückkehr zur Normalität des Tourismus besser darstellen als das griechische Lächeln, die griechische Landschaft und die griechische Gastfreundschaft«, wie es der Tourismusminister Haris Theocharis kürzlich auf der Internationalen Tourismus-Börse Berlin sagte. »Heute kann man zu den unvergleichlichen Vorteilen Griechenlands als Reiseziel die Verpflichtung hinzufügen, die Gesundheit und Sicherheit jedes einzelnen Touristen anzubieten und zu garantieren.«
Icon: Der Spiegel

