Corona – unfaire Impfstoff-Verteilung gefährdet die Weltgesundheit: Das große Hamstern
Icon: vergrößernFeiernde Medizinstudentinnen im indischen Bangalore: »Niemand ist sicher, solange nicht alle sicher sind«
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Eine Woche vor Weihnachten hatte Kanada ein Geschenk für die Welt: ein paar Millionen Dosen des begehrtesten Stoffs, den es für Geld derzeit zu kaufen gibt. Das Land werde überschüssige Impfdosen an ärmere Staaten spenden, die im Verteilungskampf um die Impfstoffe leer auszugehen drohten, erklärte eine Vertreterin der Regierung in einer Videokonferenz.
Zugeschaltet waren unter anderem Mitglieder der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Impfallianz Gavi, die Chefs dreier großer Pharmaunternehmen sowie Gesundheitsexperten und -expertinnen aus aller Welt.
Die Stimmung war hoffnungsfroh. Großbritannien hatte gerade seine Impfkampagne gestartet. Ein Ende der Pandemie schien greifbar.
Dann fragte ein Journalist, ob Kanada, das sich mehr Impfstoff pro Kopf gesichert hat als jedes andere Land, vorhabe, die Impfdosen sofort auszuliefern. Oder erst dann, wenn ein großer Teil der Kanadier immunisiert sei? Ab welcher Schwelle sei das Land bereit, etwas von seinem Impfstoffreichtum abzugeben?
Die Repräsentantin stutzte. Man müsse verstehen, begann sie zögerlich, dass dies außergewöhnliche Zeiten seien. Sie wollte sich nicht festlegen.

