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Corona-Pandemie: So laufen die Impfkampagnen weltweit

February 06
15:01 2021

Vor fast einem Jahr hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Corona-Ausbruch offiziell zu einer Pandemie erklärt. Schon damals war klar: Das wichtigste Mittel im Kampf gegen das Virus ist ein Impfstoff.

Mittlerweile sind mehrere Vakzinen erprobt und auf dem Markt. Mehr als 100 Millionen Impfdosen wurden weltweit bereits eingesetzt. Die Impfkampagnen laufen allerdings recht unterschiedlich an. Während einige Länder bereits seit Monaten einen heimischen Impfstoff einsetzen, gibt es anderswo Lieferengpässe. Für viele weitere Länder stehen die Impfstoffe bisher nicht einmal zur Verfügung.

Die Suche nach einem wirksamen Mittel gegen das neuartige Coronavirus ist dabei auch zu einem Wettbewerb mit geopolitischen Dimensionen geworden.

Bereits im August 2020 hat Russland als erstes Land überhaupt einen Impfstoff für die breite Bevölkerung freigegeben. Präsident Wladimir Putin persönlich wirbt seitdem für »Sputnik V«. Mit der Schnelligkeit wollte man sich wohl auch gegen westliche Länder behaupten.

Noch schneller waren die Chinesen. Bereits im vergangenen September sollen Berichten zufolge Hunderttausende Menschen im Land mit einem heimischen Impfstoff versorgt worden sein. Wegen Produktionsschwierigkeiten wurde der Start von Russlands Impfkampagne hingegen immer wieder verschoben.

Schließlich konnte Russland Anfang Dezember 2020 mit Massenimpfungen beginnen, nahezu zeitgleich mit einigen westlichen Ländern. Großbritannien machte dabei den Anfang, es folgten die USA und schließlich die EU-Staaten. Die einzelnen Länder kommen dabei allerdings unterschiedlich schnell voran.

Großbritannien hat sich mittlerweile zu einem Vorreiterland bei Massenimpfungen entwickelt. Kaum ein Land hat mehr Impfdosen pro 100.000 Einwohner verabreicht. Mittlerweile wird mit den über 70-Jährigen bereits die zweite Gruppe geimpft. Impfweltmeister ist allerdings Israel. Innerhalb kurzer Zeit wurden mehr als zwei Millionen Menschen mit der ersten Impfdosis versorgt. Bei vielen der Vakzinen ist noch eine zweite Dosis erforderlich. In den EU-Ländern hat das Impfen dagegen mehr als schleppend begonnen.

Die Gründe dafür sind vielschichtig:

  • In Frankreich ist die Impfskepsis beispielsweise besonders hoch – ein Problem, das auch Russland hat.

  • In Deutschland machten technische Pannen Schlagzeilen.

  • Zudem gibt es in der EU Lieferengpässe.

Dahinter steckt wohl auch, dass Brüssel zögerlich in die Verhandlungen mit den Pharmaunternehmen gegangen ist. Auch Geld soll eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Impfgerechtigkeit scheint eine Illusion zu bleiben

Global betrachtet werden die Unterschiede zwischen Arm und Reich besonders deutlich. Impfgerechtigkeit scheint eine Illusion zu bleiben.

Während beispielsweise Mexiko und Chile bilaterale Abkommen mit Pharmaunternehmen abgeschlossen haben und bereits seit Wochen impfen, müssen die schwächsten Länder der Region – wie Honduras oder Bolivien – warten. Sie sind auf den supranationalen Verteilungsmechanismus »Covax« angewiesen.

Zudem werden Entwicklungsländer oft nur von China und Russland mit Impfstoff beliefert. Dahinter steckt politisches Kalkül. Viele westliche Staaten bevorzugen ihre eigenen Lösungen. Wegen der weniger transparenten Prozesse stehen sie den chinesischen und russischen Impfstoffen kritisch gegenüber.

So sind in der EU derzeit drei Impfstoffe zugelassen:

  • Der Wirkstoff vom deutschen Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer,

  • der Wirkstoff des US-Pharmaunternehmens Moderna

  • und das Mittel des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca, das gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt wurde.

In letzterem Fall sorgen Lieferengpässe derzeit für Streit mit Brüssel. Die EU wirft dem Unternehmen vor, Großbritannien bevorzugt zu behandeln. AstraZeneca weist die Vorwürfe zurück.

Peking verfolgt Strategie der Impfdiplomatie

Anders als die westlichen Länder verfolgt Peking eine Strategie der Impfstoff-Diplomatie. Viele asiatische Länder haben die chinesischen Impfstoffe »Sinovac« und »Sinopharm« bestellt. Der ebenfalls chinesische Wirkstoff »CNBG« wird bisher nur im eigenen Land eingesetzt. Mit den Impfstofflieferungen will China die Beziehungen zu einigen Ländern intensivieren.

Auch die Türkei bekommt ihren Impfstoff aus China. Schon bevor die ersten Lieferungen am Bosporus eintrafen, wurden Gerüchte laut, dass Ankara dafür künftig beim Thema Uiguren nachgiebiger sein könnte. Die muslimische Minderheit wird in China systematisch unterdrückt, die türkische Regierung hatte sich mehrfach gegen die Menschenrechtsverletzungen positioniert.

Für viele Länder im Nahen Osten sind die Mittel aus China und Russland zudem eine Alternative zu den westlichen Impfstoffen. Hier können sich Moskau und Peking gegen die knappen Impfstoffe aus Europa und den USA profilieren. Eigenen Angaben zufolge will auch die Regierung in Indien künftig andere Länder mit dem heimischen »Covaxin« beliefern. Der Impfstoff ist allerdings umstritten. Es gibt Zweifel an der Wirksamkeit.

Trotz aller Schwierigkeiten gibt es Anlass zur Hoffnung:

  • Studien zeigen bereits erste Erfolge der Impfkampagnen. So ist in Israel die Zahl der Neuinfektionen bereits nach der ersten Impfdosis bei über 60-Jährigen signifikant niedriger.

  • Seit Donnerstag kann sich in dem Land nun zudem jeder ab 16 Jahren impfen lassen. Für die Altersstufe darunter ist bisher kein Impfstoff zugelassen.

Bis andere Länder soweit sind wie Israel, kann es noch eine ganze Weile dauern. In der EU sollen Impfstoffe ab September allgemein zugänglich sein. In entwicklungsschwachen Ländern könnte das frühestens im April 2022 der Fall sein.

Icon: Der Spiegel

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