Corona-News am Samstag: Die wichtigsten Entwicklungen zu Sars-CoV-2 und Covid-19
Icon: vergrößernCorona-Schnelltest in einem Testzelt in Sachsen-Anhalt
Foto: Hendrik Schmidt / dpa
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Reisebranche bereitet Sommerurlaube mit Impfpass und Schnelltests vor
05.30 Uhr: Deutschlands Reiseveranstalter hoffen trotz der weiter hohen Corona-Zahlen auf eine Reisewelle zur Sommersaison. Massenhafte Schnelltests und ein digitaler Impfausweis sollen nach einem Jahr der Krise eine dringend benötigte Trendwende im Tourismus herbeiführen. Denn die Einbußen durch Corona machen den Unternehmen nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbands (DRV) angesichts des monatelangen Lockdowns immer mehr zu schaffen.
Nach Angaben des DRV verzeichneten die deutschen Reiseveranstalter und -büros im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 80 Prozent, im Januar sogar von mehr als 90 Prozent. DRV-Präsident Norbert Fiebig appellierte daher: »Die Menschen, die endlich wieder raus möchten, brauchen eine Perspektive, aber auch die Unternehmen, die Reisen anbieten und vermitteln, sowie die fast drei Millionen Beschäftigten im Tourismus.« Auch die Urlaubsländer seien auf Touristen angewiesen.
Hoffnung machen der Branche neben der Ankündigung von Schnelltests, die jeder selbst durchführen kann, vor allem die Überlegungen der EU, eine Art Corona-Impfpass für freies Reisen einzuführen. EU-Ratschef Charles Michel sagte dazu nach einem Gipfeltreffen, die 27 Staaten näherten sich in ihren Vorstellungen an. Welche Rechte an das Dokument geknüpft sind, könne dann jedes Land für sich entscheiden.
»Reisen in Europa wird im Sommer 2021 möglich sein – sicher und verantwortungsvoll«, legte sich der Chef des Touristikkonzerns TUI, Fritz Joussen, danach bereits fest. Die technische Entwicklung des EU-Impfpasses soll allerdings noch rund drei Monate dauern. Und geimpft sind bisher vor allem ältere und pflegebedürftige Menschen, die im Sommer nicht unbedingt nach Mallorca oder Malta fliegen werden. Dem Optimismus der Branche tut das jedoch keinen Abbruch.
»Ein europäischer Impfpass kann dabei helfen, Reisefreiheit wiederherzustellen. Daran besteht kein Zweifel«, sagte Joussen. Mit Spanien, Griechenland und Zypern sei TUI bereits in enger Abstimmung für die Sommersaison. Weitere Mittelmeer-Länder würden bald folgen. Schon jetzt schlägt sich das Interesse am Urlaub Joussen zufolge wieder stärker in »Buchungen und Umsatz« nieder.
Der Geschäftsführer von DER Touristik Deutschland, Mark Tantz, bezeichnete den EU-Gipfel als Meilenstein. »Der digitale Impfpass wird eine erhebliche Erleichterung für den Reiseverkehr und insbesondere auf der Fernstrecke ein wichtiges Instrument werden«, sagte er. Darüber hinaus werde eine ausgereifte Teststrategie »uns bis zur Herdenimmunität in den Weg zur Normalität führen«.
Auch die Lufthansa geht davon aus, dass Reisen in Gebiete mit überschaubaren Infektionszahlen mit einer umfassenden Teststrategie wieder möglich werden. International anerkannte digitale Impf- und Testnachweise seien für das Wiederanlaufen des Flugverkehrs von hoher Bedeutung, sagte eine Sprecherin.
Zurückhaltender schätzt dagegen der Reisekonzern FTI die Lage ein. «Die Diskussion um den Impfpass ist aus unserer Sicht zu früh angesetzt», sagte Manager Ralph Schiller. »Noch ist der Anteil an Geimpften in der Bevölkerung viel zu gering, als dass ein Impfpass zum jetzigen Zeitpunkt eine echte Veränderung für die Reisebranche und Urlauber bedeuten würde.«
Schiller gab zu bedenken, dass in den nächsten Monaten längst nicht mit Gästezahlen wie vor Corona zu rechnen sei, wenn die Möglichkeit zu verreisen an den Impfpass gekoppelt werde. Eine technische Umsetzung des Passes bis Herbst wäre für ihn »vollkommen ausreichend«. Wichtiger seien kurzfristig breite Testmöglichkeiten.
Experte rechnet mit starkem Anstieg der Corona-Infektionen
05.15 Uhr: Die dritte Welle der Corona-Pandemie wird nach Berechnungen des Saarbrücker Pharmazie-Professors Thorsten Lehr ähnlich stark ausfallen wie die zweite. »Ich gehe schon davon aus, dass wir wieder so Zustände wie vor Weihnachten bekommen werden«, sagte der Experte für Corona-Prognosen der dpa. Er rechnete damit, dass in der erste Aprilhälfte wieder Sieben-Tage-Inzidenzen um 200 erreicht werden könnten.
Zwei Entwicklungen seien für den erneuten Anstieg der Corona-Zahlen verantwortlich. Zum einen sei die britische Mutante, die wohl um die 35 Prozent ansteckender sei, in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. »Sie wird auch hier die Oberhand gewinnen und weiter ansteigen bis in den 90-plus-Bereich«, sagte Lehr nach Analyse der jüngsten Zahlen des »Covid-Simulators« an der Universität des Saarlandes.
Zum anderen sehe er seit Mitte Februar wieder mehr Kontakte, die zu höheren Zahlen geführt hätten. »Ich befürchte, das hat ein bisschen was mit einer Lockdown-Müdigkeit zu tun. Und auch vielleicht mit einem Wiederanlaufen des normalen Lebens in gewissen Bereichen.« Nun stehen Öffnungen bevor – wie die der Friseure und anderer Betriebe ab dem 1. März oder weiterer Schritte ab dem 8. März. »Auch wenn die Lockerungen moderat sind, werden sie sich auswirken.«
Die Wirkung der Impfungen sei momentan noch kaum zu sehen. Das liege daran, dass über 95 Prozent noch nicht geimpft seien. Effekte sehe man erst, wenn man 30 Prozent der Bevölkerung geimpft habe. »Bei einem optimistischen Szenario würde ich erwarten, dass wir das vielleicht im Juni geschafft haben.«
Weltärztechef will Lockerungen mit Maßnahmen flankieren
04.50 Uhr: Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, spricht sich einer Zeitung zufolge für drei weitere Maßnahmen bei einer Lockerung aus. Es müsse erstens konsequent geimpft werden, zweitens eine gute Teststrategie vorliegen und drittens die Zahl der Neuinfektion überwacht werden. Damit könne ein Wiederaufflackern der Infektionen im Keim erstickt werden, sagt er der »Augsburger Allgemeine«. Die Politik »kommt endlich ihrer Pflicht nach, nicht nur Lockdown und Einschränkungen zu verhängen, sondern sich Gedanken über kluge Aussiegszenarien zu machen«.
Staatssekretär: Impfstoffproduktion absichern und ausbauen
04.10 Uhr: Die Bundesregierung hat große Pläne für einen stärkeren Ausbau der Impfstoffproduktion gegen das Coronavirus in Deutschland. Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht sagte der dpa: »Wir sind nicht alleine auf der Welt, wir tragen große Verantwortung in Europa und international, vor allem mit Blick auf die ärmeren Länder. Unser Ziel sind daher Impfstoffe »made in Germany« in einer Größenordnung, die auch signifikant zur Versorgung der Weltbevölkerung beitragen kann.«
Feicht hat die Leitung eines Staatssekretärsausschusses übernommen, dem eine neue Taskforce Impfstoffproduktion berichtet. Die Taskforce selbst wird vom Chef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Christoph Krupp, geleitet. Am Montag soll die Taskforce ihr operatives Geschäft starten. Sie soll mit den betroffenen Unternehmen rechtzeitig gegensteuern, wenn Engpässe in der Impfstoffproduktion drohen. Am schleppenden Start der Impfkampagne in Deutschland hatte es massive Kritik gegeben.
»Eine zentrale Lehre aus der Krise ist, dass wir die Produktion gerade bei Impfstoffen, medizinischen Produkten und Vorprodukten in Deutschland und Europa wieder stärken müssen«, sagte Feicht. Auch sei eine stärkere Diversifizierung in den Lieferketten notwendig, hierbei sei auch die Wirtschaft selbst gefragt.
Im Wirtschaftsministerium seien in einer ersten Phase der Coronakrise im vergangenen Jahr Förderprogramme für die Produktion von Filtervlies und Schutzmasken aufgesetzt worden, sagte Feicht und sprach von einem großen Erfolg. »Aktuell stehen schon zusätzliche Produktionskapazitäten für mehr als 2 Milliarden Schutzmasken jährlich aus Investitionsvorhaben zur Verfügung, die das Bundeswirtschaftsministerium fördert.«
Der nächste Schritt sei nun, die Impfstoffproduktion abzusichern und auszubauen. Dies habe auch eine industriepolitische Dimension. Der Staatssekretärsausschuss und die Taskforce hätten drei übergreifende Ziele, so Feicht: »Kurzfristig geht es darum, die Produktionsprozesse für Impfstoffe und Impfstoffzubehör in Deutschland so zu unterstützen, dass die erforderlichen Impfdosen für alle Bürgerinnen und Bürger, die sich in diesem Jahr impfen lassen wollen, auch bereitgestellt werden können. Denn die Geschwindigkeit bei der Impfkampagne ist natürlich auch für alle Folgefragen, wie Lockerungen für die Wirtschaft, von entscheidender Bedeutung.«
Mittelfristig gehe es darum, eine Industriestruktur in Deutschland und Europa so aufzubauen und zu verstärken, dass eine Versorgung der Bevölkerung mit Impfstoffen gewährleistet sei. »Und ebenfalls industriepolitisch geht es darum, Deutschlands Stellung bei der Erforschung und Produktion von Impfstoffen mit neuartigen Technologien wie der mRNA-Technologie noch weiter auszubauen und langfristig zu sichern.«
Dreyer: »Die Menschen sind total gestresst«
02.30 Uhr: Der Corona-Lockdown setzt den Bürgern nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zunehmend zu. Die Menschen machten zwar immer noch diszipliniert mit, sagte Dreyer der »Saarbrücker Zeitung«, »aber dass sie total gestresst sind von Corona ist ja auch klar«. Das betreffe vor allem jene, die um ihre Existenz bangten, und auch jene, die an der Grenze der Belastung seien – wie beispielsweise Familien.
Dreyer rechnete damit, dass beim nächsten Corona-Gipfel der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am 3. März ein »Perspektivplan« beschlossen werde. »Wir arbeiten zwischen den Ländern und dem Bund im Hintergrund sehr hart daran, die unterschiedlichen Vorstellungen, die es dazu gibt, zusammenzuführen«, sagte Dreyer. »Das wird bis Mittwoch auch gelingen.« Nach den Schulen und Kitas sowie den Friseuren gehe es nun zuerst um Perspektiven für den Einzelhandel und für die Kultur.
Ebenso werde man über Gastronomie im Außenbereich und die Öffnung von Hotels und Ferienwohnungen sprechen. »Perspektivplan heißt aber nicht: Morgen ist alles offen«, so die SPD-Politikerin.
Biden warnt vor Gefahr erneut steigender Fallzahlen wegen Virusvarianten
01.55 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat angesichts neuer Corona-Varianten vor der Gefahr erneut steigender Fallzahlen in der Pandemie gewarnt. »Das Schlimmste, was wir jetzt tun können, ist, in unserer Wachsamkeit nachzulassen«, sagte Biden. Er rief die Amerikaner dazu auf, sich impfen zu lassen.
»Die Impfungen sind sicher«, sagte er. »Ich schwöre Ihnen, sie sind sicher und wirksam.« Biden appellierte außerdem an seine Landsleute, Masken zu tragen. Er sagte erneut, es sei keine politische Aussage, ob man einen Mund-Nasen-Schutz trage oder nicht.
US-Forscher haben sich zuletzt besorgt über neue Virusvarianten in Kalifornien und New York gezeigt. Die täglichen Fallzahlen in den USA liegen weit unterhalb von denen zu Jahresbeginn. In den vergangenen Tagen stagnierten sie aber oberhalb der Marke von 70.000. Seit Beginn der Pandemie sind in den USA mehr als 510.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus ums Leben gekommen.
Uno-Sicherheitsrat fordert in Resolution gerechte Impfstoffverteilung
0.40 Uhr: Der Uno-Sicherheitsrat hat in einer einstimmig verabschiedeten Resolution eine gerechte weltweite Verteilung von Corona-Impfstoffen gefordert. Alle 15 Ratsmitglieder unterstützten die von Großbritannien eingebrachte Resolution, die vor allem den Zugang zu Corona-Vakzinen in konfliktgeplagten und ärmeren Ländern verbessern soll, wie es aus Diplomatenkreisen hieß. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, begrüßte die Resolution.
Es handelt sich um die zweite Resolution des Uno-Sicherheitsrates zur Corona-Pandemie. Die Ratsmitglieder bekräftigten darin ihre Forderung nach Solidarität mit ärmeren Staaten sowie nach Waffenstillständen in Konflikten.
In dem von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Resolutionstext werden reichere Staaten dazu ermutigt, Corona-Impfstoffdosen an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spenden. Ausdrücklich werden Uno-Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, auf das Horten von Impfstoffen zu verzichten.
Gefordert wird zudem die Stärkung der »nationalen und multilateralen Ansätze und der internationalen Kooperation«, um »einen gleichberechtigten und bezahlbaren Zugang zu Covid-19-Impfstoffen in bewaffneten Konfliktsituationen, Nachkriegssituationen sowie in komplexen humanitären Notfalllagen« zu schaffen. Nach Uno-Angaben leben rund 120 Millionen Menschen weltweit unter solchen Bedingungen.
Über den genauen Resolutionstext hatten Diplomaten eine Woche lang debattiert. Hintergrund waren Einwände der ständigen Ratsmitglieder Russland und China gegen den von Großbritannien eingebrachten ursprünglichen Entwurf. Die Beziehungen zwischen den drei Staaten sind angespannt.
Dass die Abstimmung letztlich vergleichsweise schnell über die Bühne ging, führten Beobachter auf eine leichte Entspannung des Verhältnisses zwischen den USA und China nach dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden zurück. Über den Text zur ersten Resolution zur Corona-Pandemie im vergangenen Jahr hatten die Ratsmitglieder monatelang gestritten.
»Für Gleichberechtigung bei den Impfstoffen zu stimmen ist wichtig, und wir erkennen dies an«, sagte WHO-Chef Tedros. Er forderte den Uno-Sicherheitsrat zugleich dazu auf, »konkrete Schritte« zu unternehmen, um die Produktion von Corona-Vakzinen und ihre Verteilung voranzutreiben, um »dieses Virus so schnell wie möglich loszuwerden«. Der Uno-Sicherheitsrat sei dazu in der Lage, »wenn es den politischen Willen gibt«, sagte Tedros.
Der WHO-Chef schlug unter anderem einen Technologie-Transfer und die Lockerung von Patentrechten für Impfstoffe vor. Dass es vor allem bei Letzterem massive Widerstände seitens einiger Staaten gebe, könne er nicht verstehen. »Diese Pandemie ist beispiellos. Das Virus hat die ganze Welt als Geisel genommen«, so Tedros.
Ein Diplomat sagte, alle Länder stünden »derselben Bedrohung gegenüber, derselben Pandemie« gegenüber. Internationale Kooperation und »multilaterales Handeln« seien nötig, um die Krise zu bewältigen. »Diese Resolution könnte ein Schritt in eine gute Richtung sein.«
Uno-Generalsekretär António Guterres hatte vergangene Woche einen weltweiten Impfplan angemahnt, um zu verhindern, dass ärmere Staaten bei den Corona-Impfungen abgehängt werden. Laut Guterres wurden bisher 75 Prozent aller verfügbaren Corona-Impfdosen in nur zehn Ländern verimpft. In 130 Staaten haben die Corona-Impfkampagnen demnach noch nicht einmal begonnen.
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