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Corona in Deutschland: Mehrheit schränkt sich erstmals wieder so stark ein wie im April

January 21
18:49 2021
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Hoffnungsschimmer: Eine Regenbogenzeichnung in der Stuttgarter Innenstadt

Foto: Leif Piechowski / imago images/Lichtgut

Mehr Homeoffice, nur noch medizinische Masken, Schul- und Kitaschließungen jetzt »restriktiver«: Am Dienstag haben sich Bund und Länder auf eine Verlängerung und Verschärfung des Shutdowns verständigt. Kanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs hatten bis in die Abendstunden miteinander gerungen, wie scharf die neuen Maßnahmen ausfallen sollen. »Es ist hart, was wir den Menschen noch einmal zumuten müssen«, sagte Merkel nach Abschluss der Runde.

Die deutliche Mehrheit der Bevölkerung trägt die erneute Verschärfung der Maßnahmen im Kampf gegen Corona mit, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL zeigt.

Mehr noch: Die Selbstdisziplin der Deutschen hat offenbar wieder zugenommen. Die Zahl jener, die angeben, sich kaum noch mit anderen Menschen zu treffen und ihren Bewegungsradius deutlich einzuschränken, erreicht erstmals wieder den Stand von April 2020 – als sich das Land im ersten, erfolgreichen Shutdown befand.

Das deckt sich auch mit neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes: Demnach bleiben die Menschen in Deutschland mehr zu Hause und schränken während der Coronakrise im neuen Jahr ihren Bewegungsradius ein. Nur fünf Prozent aller Reisen in den ersten beiden Januarwochen waren weiter als 30 Kilometer, wie aus einer Sonderauswertung der Behörde in Wiesbaden hervorgeht.

In der ersten Januarwoche sank die Mobilität um knapp 20 Prozent im Vergleich zum Januar vergangenen Jahres. In der zweiten Woche fiel der Rückgang mit 14 Prozent etwas schwächer aus. »Besonders stark war der Mobilitätsrückgang bei Reisen über längere Distanzen«, berichteten die Statistiker am Donnerstag. Reisen über mehr als 30 Kilometer gingen in der ersten Woche um 37 und in der zweiten Woche um 34 Prozent zurück – und zwar unabhängig vom Corona-Inzidenzwert des jeweiligen Kreises.

Civey ermittelt für den SPIEGEL seit dem Frühjahr, wie die Deutschen ihr eigenes Verhalten während der Pandemie einschätzen. Die Befragungen erfolgen seit Mitte April. Das aktuelle Verhalten der Bevölkerung lässt sich daher gut mit dem vom ersten Shutdown vergleichen.

Mitte April 2020 gaben mehr als 88 Prozent der Befragten an, ihre sozialen Kontakte einzuschränken. Dieser Anteil sank nach der entspannteren Corona-Lage über den Sommer im September auf den niedrigsten Wert: 63 Prozent.

Erst Ende Oktober mit steigenden Infektionszahlen wurden die Menschen wieder vorsichtiger – doch erreichten sie damit noch lange nicht das Niveau des Frühjahrs. Erst Ende Januar gaben wieder 87 Prozent der Befragten an, deutlich weniger Bekannte zu treffen.

Erhoben wurde auch, wie häufig die Befragten direkten Kontakt zu Personen außerhalb ihres eigenen Haushalts hatten.

Im April 2020 gab noch knapp ein Drittel an, seltenen oder gar keinen Kontakt zu anderen zu haben. Jede oder jeder Fünfte sagte, er oder sie treffe täglich Menschen aus anderen Haushalten. Im Sommer nahmen die Kontakte deutlich zu. Erst ab Mitte Dezember änderte sich das wieder – möglicherweise eine deutliche Verzögerung der Reaktion auf Appelle aus der Politik.

Der Anteil derjenigen, die angaben, täglich Kontakt zu Personen außerhalb des eigenen Haushalts zu haben, sank von 35 Prozent Ende Oktober auf aktuell 25 Prozent – und liegt damit nur geringfügig höher als im ersten Shutdown. Am niedrigsten war der Wert in der Weihnachtswoche: Nur 20 Prozent gaben da an, täglich Personen aus anderen Haushalten zu sehen.

Auch der Anteil der Befragten, die erklärten, mehrmals die Woche soziale Kontakte zu pflegen, liegt gegenwärtig bei 25 Prozent. Im Frühjahr waren es ebenfalls nur rund 22 Prozent. Nach den seit Anfang Januar geltenden Regeln müssen private Treffen auf eine Person außerhalb des eigenen Hausstandes reduziert werden.

Civey hat für den SPIEGEL auch erfragt, wie sehr jede und jeder einzelne seinen Bewegungsradius einschränkt. Nach den Corona-Beschlüssen können Landkreise und kreisfreie Städte mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200 oder mehr den Bewegungsradius auf 15 Kilometer um den eigenen Wohnort einschränken (was das für Sie bedeutet, sehen Sie hier).

In Sachsen galt diese Regel schon seit Mitte Dezember – allein die bundesweite Debatte darüber dürfte mit Blick auf die Umfragen nun für eine deutliche Bewegungsreduzierung bei vielen gesorgt haben.

So geben 70 Prozent an, sich weniger als 20 Kilometer vom eigenen Wohnort wegzubewegen; die Hälfte bewegt sich eigenen Angaben zufolge sogar nur innerhalb eines Fünf-Kilometer-Radius.

Als die Umfrage im April 2020 gestartet wurde, hatten sich fast 43 Prozent nur maximal fünf Kilometer vom Wohnort entfernt, weitere 33 Prozent waren den eigenen Angaben zufolge bis zu 20 Kilometer unterwegs.

Im Sommer hatte demnach nur noch etwas mehr als ein Drittel seinen Bewegungsradius stark eingeschränkt. Noch Ende September gaben 42 Prozent an, sich mehr als 50 Kilometer weit wegzubewegen. Der Anstieg der Ausflüglerinnen und Ausflügler dürfte mit der Ferienzeit und den stark gesunkenen Infektionszahlen im Sommer zusammenhängen. Mittlerweile geben nur noch rund 14 Prozent an, sich mehr als 50 Kilometer vom Wohnort wegzubewegen – zuletzt war der Wert Anfang Mai 2020 derart niedrig.

Hohe Zustimmung zu aktuellen Corona-Beschlüssen

Die Antworten auf die Fragen zum Pandemieverhalten beziehen sich jeweils auf die Vorwoche. Rückschlüsse, ob der Trend beim Kontaktereduzieren anhält, gibt aber ein Blick auf die Zustimmungswerte zu den aktuellen Corona-Beschlüssen.

Eine Mehrheit der Deutschen stimmt den neuen Regeln zu Homeoffice und Maskenpflicht zu. Den größten – aber dennoch insgesamt geringen – Widerstand gibt es bei den Schulschließungen.

Dass Schulen und Kindertagesstätten noch bis zum 14. Februar geschlossen bleiben sollen, bewerteten 30 Prozent der Befragten als falsch. Knapp 62 Prozent begrüßten die Maßnahme, 8 Prozent blieben unentschieden.

Noch deutlicher fiel die Abstimmung mit Blick auf Betroffene aus: Demnach sprachen sich unter Personen mit Kindern im Haushalt rund 40 Prozent gegen die Schließungen aus. Allerdings befand auch hier eine Mehrheit von 55 Prozent die Maßnahme als richtig.

Große Zustimmung herrscht beim Beschluss zur verschärften Maskenpflicht: Bürgerinnen und Bürger müssen künftig im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen medizinische Masken aufsetzen (hier erfahren Sie mehr dazu).

In Alten- und Pflegeheimen sind fürs Personal die noch effektiveren FFP2-Masken verpflichtend. Den Beschluss tragen zwei Drittel der Deutschen mit, nur ein Viertel ist dagegen.

Aufgeschlüsselt nach politischer Präferenz stimmen die Anhängerinnen und Anhänger der meisten Parteien ebenfalls zu. Jeweils mehr als 70 Prozent aus Union, SPD und Grünen bezeichneten die Maßnahme insgesamt als richtig.

Starke Ablehnung gab es hingegen bei FDP und AfD: So halten 67 Prozent der AfD-Wählenden die Maskenpflicht für falsch, 46 Prozent sind es bei den FDP-Unterstützerinnen und -Unterstützern.

Ein ähnliches Bild zeichnet auch die Befragung zur neuen Homeoffice-Verordnung.

Gut die Hälfte der Anhängerinnen und Anhänger der AfD bewertet das Recht auf Homeoffice als falsch. Bei den FDP-Wählenden sind es noch 37 Prozent.

Ganz anders bei Unterstützerinnen und Unterstützern von Union, Grünen, SPD und Linken: In diesen Gruppen sind je mehr als drei Viertel der Befragten für mehr Druck auf die Arbeitgeber.

Die größte Zustimmung mit knapp 90 Prozent gab es vonseiten der grünen Wählerschaft. Unabhängig von Parteipräferenz stimmten insgesamt mehr als 70 Prozent der Homeoffice-Verordnung zu, nur 20 Prozent halten sie für falsch.

Mit Material der dpa.

Icon: Der Spiegel

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