Corona: Bayer will Curevac-Impfstoff produzieren – Markus Söder für staatliche Eingriffe
Icon: vergrößernImpfung eines Klinikmitarbeiters: Kommt die staatlich gelenkte »Not-Impfstoffwirtschaft«?
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Sven Hoppe / dpa
Während Biontech, Moderna oder AstraZeneca bereits Corona-Impfstoffe liefern, will das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac zusammen mit dem Leverkusener Bayer-Konzern bald nachlegen: Bis zu 300 Millionen Corona-Impfstoffdosen sollen 2021 und bis zu eine Milliarde Impfdosen 2022 hergestellt werden, wie Curevac-Chef Franz-Werner Haas ankündigte.
Bayer-Vorstand Oelrich sagte, dass man im ersten Jahr der Kooperation beider Firmen 161 Millionen Dosen des Curevac-Impfstoffs produzieren wolle. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigte hierfür ein beschleunigtes Zulassungsverfahren für das Werk in Wuppertal an. Dort sollen Ende des Jahres die ersten Dosen hergestellt werden.
Der Impfstoff von Curevac befindet sich derzeit noch in der dritten Testphase, nach Unternehmensangaben nehmen daran 36.000 Probanden teil. Eine Zulassung wird für die kommenden Monate erwartet. Curevac, seit August an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert, arbeitet wie der deutsche Konkurrent Biontech mit einem Wirkstoff auf Basis von Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA).
»Ein signifikanter Produktionsausbau ist komplex und zeitaufwendig«
Um den Curevac-Impfstoff schnell zu entwickeln, hatte im Sommer 2020 auch der Bund 300 Millionen Euro in das Unternehmen investiert. Er ist damit zu 23 Prozent beteiligt. Bei einem Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel mit Vertretern der Industrie wollen die Bundesländer nun mehr Klarheit bekommen, wann mit wie viel Impfstoff insgesamt zu rechnen ist.
Vor dem heutigen Treffen bringt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im Kampf gegen den Mangel an Corona-Impfstoff stärkere Möglichkeiten ins Spiel, als Staat Einfluss zu nehmen. »Nach dem deutschen Verordnungsrecht gäbe es die Möglichkeit, in solchen Notfällen auch zu akquirieren«, sagte der CSU-Politiker.
Ziel müsse es sein, im Rahmen einer bundesweiten Strategie so viel Impfstoff wie möglich in Deutschland zu produzieren, so Söder. Laut Bayerischem Rundfunk schwebt ihm dabei eine staatlich gelenkte »Not-Impfstoffwirtschaft« vor, der Politiker sprach in dem Sender über mögliche Produktionsvorgaben und anschließende Entschädigungszahlungen.
»Impfen rettet Leben, Impfen schafft Freiheit und Impfen stärkt den wirtschaftlichen Neustart«, sagte Söder. »Und deswegen müssen alle Kapazitäten genutzt werden.« Dazu zähle für ihn auch die Prüfung, ob noch andere Impfstoffe zugelassen werden könnten. Die Europäische Zulassungsbehörde müsse hier von sich aus aktiv werden.
Mehr Geld wird den Mangel laut Söder dagegen nicht beheben, »weil alles, was verfügbar ist, bestellt und schon zum Teil bezahlt ist.« Man habe für Europa zu spät, im Vergleich zu anderen Ländern zu wenig bestellt und »hatte offenkundig die Preisfrage zu einem sehr entscheidenden Kriterium gemacht«.
Industrie warnt vor überzogenen Erwartungen
Selbst wenn die Zulassungen für weitere Impfstoffe erfolgten und Produktionsbündnisse geschlossen werden sollten, warnt der Industrieverband BDI vor dem Impfgipfel vor überzogenen Erwartungen. Bund und Länder sollten keine falsche Hoffnung wecken, man könne die Impfstoffproduktion binnen wenigen Wochen dramatisch steigern, sagte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. »Ein signifikanter Produktionsausbau ist so komplex und zeitaufwendig, dass mit keiner weiteren Beschleunigung der Impfstoffauslieferung zu rechnen ist.«
Die Pharmaindustrie habe in Rekordzeit mehrere Impfstoffe entwickelt, sagte der frühere Siemens-Manager. Und: »Die Unternehmen wissen um ihre gesellschaftliche Verantwortung und arbeiten konsequent daran, die Kapazitäten weiter zu steigern.«
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