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Corona-Ausbruch bei Tönnies: Lockdown auch im Kreis Warendorf

June 23
18:58 2020
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: "Wenn man das abgemacht hat, muss man sich auch dran halten" Icon: vergrößern

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: "Wenn man das abgemacht hat, muss man sich auch dran halten"

Federico Gambarini/ dpa

Die nordrhein-westfälische Landesregierung zieht weitere Konsequenzen aus dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Auch für den Kreis Warendorf gelten nun wieder strengere Schutzmaßnahmen. Genau wie im Nachbarkreis Gütersloh gebe es Kontaktbeschränkungen, Sport in geschlossenen Räumen und zahlreiche Kulturveranstaltungen würden verboten, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Ab Donnerstag würden zudem Schulen und Kitas im Kreisgebiet geschlossen.

Laumann begründete die Verschärfung der Maßnahmen unter anderem mit den Bewegungen der Einwohner: "Man kann das nicht dorfscharf machen. Das gesellschaftliche Leben orientiert sich nicht an Dorfgrenzen." Zudem habe die 7-Tages-Inzidenz den Wert von 50 überschritten, sagte der Gesundheitsminister. "Darauf guckt auch Deutschland. Darauf guckt auch das Ausland. Und ich finde, wenn man das abgemacht hat, muss man sich auch dran halten", so Laumann.

Erst am Dienstagvormittag hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) den Lockdown in Gütersloh verkündet, wo sich die betroffene Fleischfabrik befindet. Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die strengen Pandemie-Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen landesweit gegolten hätten, sagte Laschet. Im Kreis Gütersloh handele es sich um das bisher "größte Infektionsgeschehen" in NRW und in Deutschland.

Von den Maßnahmen betroffen sind deutlich mehr als eine halbe Million Menschen: Gütersloh hat rund 365.000 Einwohner, Warendorf knapp 280.000.

Grund für den Schritt war der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück hatten sich mehr als 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet. Bisher gebe es hier nur 24 nachgewiesene Infektionen. Die Behörden werden die Tests in der Bevölkerung zudem massiv ausweiten, betonte der Regierungschef.

Kostenlose Tests für alle Einwohner

Gesundheitsminister Laumann sagte dazu am Nachmittag, dass Bewohner und Beschäftigte in den Pflegeeinrichtungen in den kommenden Tagen durchgetestet würden. Gleiches gelte für Mitarbeiter der Krankenhäuser, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Kioskpersonal.

Getestet werden sollen auch die Beschäftigten von Unternehmen und Subunternehmen, die zentrale Gemeinschaftsunterkünfte betreiben oder in einem nennenswerten Umfang Werkvertragsarbeitnehmer beschäftigen. Alle Bürger der beiden Kreise sollen außerdem die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen. Die Bevölkerung werde durch Zeitungsannoncen und Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen. "Wir werden auch öffentliche Teststationen über Bundeswehr und Rotes Kreuz errichten", sagte Laumann.

Rund 7000 Tönnies-Mitarbeiter stehen mitsamt ihren Familien seit einigen Tagen unter Quarantäne. Die Einhaltung der Quarantänemaßnahmen gestaltet sich aber schwierig. Die nordrhein-westfälische Landesregierung habe drei Einsatzhundertschaften der Polizei in den Kreis Gütersloh geschickt, sagte Laschet. Sie sollten die Quarantäne der Mitarbeiter von Tönnies kontrollieren. Die Polizei werde die mobilen Testteams begleiten. Zur Not müssten die Behörden auch mit Zwang die Anordnungen durchsetzen. Es werde auch zusätzliche humanitäre Maßnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geben.

Icon: Der Spiegel

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