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Bundeswehr: Mutmaßlicher Spion war mit Einkauf hochmoderner Systeme zur Kriegsführung betraut

August 11
14:30 2023

Ein Mitarbeiter des Bundeswehr-Beschaffungsamtes soll Russland seine Dienste als Spion angeboten haben . Nach der Festnahme werden nun neue Details über den Verdächtigen bekannt. Laut SPIEGEL-Informationen war der festgenommene Hauptmann in der Abteilung »U« des Beschaffungsamts eingesetzt. In der Abteilung »Unterstützung« beschäftigt man sich in Koblenz unter anderem auch mit dem Einkauf von hochmodernen Systemen zur elektronischen Kriegsführung.

Unter den Begriff »elektronischer Kampf«, bei der Bundeswehr meist nur mit dem Akronym »Eloka« abgekürzt, fallen geheime Techniken zur Überwachung und Störung von Funksystemen des Gegners und auch das Ausschalten von gegnerischen Radar- und Flugabwehrsystemen. Die Abteilung »U« beschäftigt sich daneben auch mit der Ausstattung des Eliteverbands »Kommando Spezialkräfte«, dieser wird mit den neuesten und modernsten Waffensystemen, die es auf dem Markt gibt, versorgt.

In Sicherheitskreisen hieß es nach der Festnahme am vergangenen Mittwoch, grundsätzlich habe Thomas H. durch seine Tätigkeit im »Referat S.1« der Unterstützungsabteilung, weitreichenden Zugang zu geheim gehaltenen Informationen über die elektronischen Fähigkeiten der Bundeswehr und über geplante »Eloka«-Projekte der Truppe gehabt. Zugang zum Referat erhält nur, wer eine Sicherheitsüberprüfung durchläuft.

Dienste kamen Verdächtigem früh auf die Spur

Bisher sei allerdings noch unklar, ob der Hauptmann wirklich plante, solche Informationen an die russischen Geheimdienste weiterzugeben. Da der Militärgeheimdienst MAD dem Hauptmann schon bei dem Versuch einer Kontaktaufnahme mit den russischen Diensten auf die Spur kam, bestünde die Hoffnung, dass es noch zu keinen relevanten Abflüssen von Informationen gekommen sei. Die Fahnder erhoffen sich dazu weitere Erkenntnisse aus dem sichergestellten Beweismaterial.

Thomas H. wird vorgeworfen, für den russischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein. Er soll sich aus eigenem Antrieb seit Mai mehrmals bei der russischen Botschaft in Berlin und dem Generalkonsulat in Bonn gemeldet und eine Zusammenarbeit angeboten haben.

Wie der SPIEGEL bereits am Donnerstag berichtete, gehen die Behörden davon aus, dass H. aus persönlichen Motiven handelte. Offenbar sei der Verdächtige frustriert über seine berufliche Situation in der Behörde gewesen, heißt es in Sicherheitskreisen. Möglicherweise habe sich der Soldat im Rang eines Hauptmanns durch den Kontaktaufnahme-Versuch mit den russischen Geheimdiensten wichtig machen wollen. Der Fall wurde trotzdem von Beginn an ernst genommen. Der mutmaßliche Spion gilt zudem als AfD-nah. Das berichteten übereinstimmend »Die Zeit« und der »Tagesspiegel«.

Die deutschen Sicherheitsbehörden haben Anstrengungen gegen Spionage durch russische Dienste zuletzt verstärkt. Als Reaktion auf den Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatten europäische Staaten zudem russische Agenten ausgewiesen. Verteidigungsminister Boris Pistorius kündigte nach der Festnahme in Koblenz an, die Abwehr von Spionageattacken auf die Bundeswehr weiter ausbauen zu wollen.

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