Brexit-Folgen in Großbritannien: Vergammeltes Fleisch, leere Supermärkte
Icon: vergrößernTesco-Supermarkt in Belfast: Immer weniger in den Regalen
Foto: Charles McQuillan / Getty Images
Der Brexit kann unappetitlich sein. Dieser Tage werden Menschen die Türen eines Lkw voller Schweineköpfe öffnen müssen, der mehr als zwei Wochen lang im Hafen von Rotterdam festgesetzt war. Und dann die vergammelnden Überbleibsel herausholen – um sie zu vernichten.
Das Schweinekopf-Drama beginnt am Tag eins nach dem Vollzug des Brexits. Am 1. Januar kommt der Truck des Londoner Fleischhändlers DH Foods per Schiff im Rotterdamer Hafen an. Wenige Stunden zuvor hätte der Fahrer sofort aufs Gas treten können, da war Großbritannien noch in EU-Binnenmarkt und -Zollunion.
Nun aber verlangen die niederländischen Kontrolleure Gesundheitszertifikate. Und als sie entdecken, dass die Schweineköpfe nicht auf Trichinen kontrolliert wurden – in England ist dies in bestimmten Fällen kein Muss –, verweigern sie dem Lkw die Weiterfahrt. Fortan steht der Wagen still, während drinnen die Ladung verrottet.
Es ist kein Einzelfall. Mehr als 120 Laster mit britischen Fleischprodukten und Schmalz wurden allein in Rotterdam seit Jahresanfang gestoppt, weil sie nicht die nun erforderlichen Papiere vorweisen konnten. Viele davon seien noch immer auf dem Hafengelände, beklagt David Lindars, der Technische Direktor der British Meat Processors Association, im Gespräch mit dem SPIEGEL: »Wir fürchten, dass die Ware verdirbt. Es ist bizarr.«

