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Bayer-Coach übt Selbstkritik: Eine derbe Lehrstunde zur Unzeit für Xabi Alonso

May 23
10:45 2024

Fußball

Bayer Leverkusen erlebt in Dublin einen ganz bitteren Abend. Die erste Niederlage der Saison bedeutet gleichzeitig das Aus der Triple-Träume. Gegen Atalanta Bergamo ist die Mannschaft von Xabi Alonso komplett chancenlos. Der Spanier kritisiert sich danach selbst.

Für eine belastbare Diagnose ist es noch zu früh, aber zumindest gibt es erste Indizien dafür, was Bayer 04 Leverkusen und seinem Coach Xabi Alonso an diesem Mittwochabend in Dublin widerfahren war. Womöglich erkrankte das Superteam aus Deutschland im Europa-League-Finale gegen Atalante Bergamo kurzfristig am "Pep"-Syndrom. Pep Guardiola, der Starcoach von Manchester City, war lange bekannt dafür, in großen Spielen neu Dinge ausprobieren zu wollen. Das war häufiger zum Scheitern verurteilt, als zum Gewinn von Trophäen. Mittlerweile hat sich die Legende angepasst, spielt weniger experimentell. Und damit erfolgreich.

Nun steht Xabi Alonso erstmals unter Beobachtung. Schließlich war es sein erstes großes Finale als Trainer. In dem aber kassierte der Baske eine ganz bittere Lehrstunde. Der 42-Jährige wurde von seinem Gegenüber, dem cäsarenhaft weißhaarigen und weisen Gian Piero Gasperini ausgecoacht. Atalanta Bergamo rannte unermüdlich auf Bayer zu. Die Mannschaft, die sich in der Bundesliga und im europäischen Pokal, so oft, so leichtfüßig befreit hatte, kam richtig unter Stress. Plötzlich war nichts mehr beeindruckend fluffig, sondern angespannt, hölzern.

Bayers Zentrale ist schachmatt

Der Spanier hatte seine Elf überraschend defensiv ausgerichtet. In der Startformation standen nur zwei Spieler, die offiziell Offensivfußballer sind. Als Spielmacher agierte wie gewohnt Florian Wirtz. Davor sollte ein Duo aus Amine Adli (zweiter Offensivfußballer) und Jeremie Frimpong (pfeilschneller Außenverteidiger) für Tempo und Tiefe sorgen. Doch dazu kam es nur selten bis gar nicht. Weil Bergamo den Schlüssel zum Maschinenraum von Leverkusen fand, den so viele andere Teams zuvor nicht in der Hand hielten oder ihn kurz vorm Umdrehen im Schloss verloren hatten. Der Brasilianer Ederson, der so omnipräsent spielte, als hätte er gleich mehrere Klone auf dem Feld, und dessen Nebenmann Teun Koopmeiners ließen Granit Xhaka und Exequiel Palacios nie zur Entfaltung kommen. Damit war das Verbindungsstück für Bayers Kombinationsfußball schachmatt gestellt.

Wirtz bekam keine Bälle, Adli auch nicht. Der begnadete Spielmacher war zuletzt angeschlagen gewesen, aber "topfit" in die Partie gestartet, so Alonso. Zu sehen war davon nichts. Wirtz hatte kaum Momente, wirkte wie seine Mitspieler oft fahrig und haderte mit sich selbst. Vielleicht, so sein Coach, habe ihm der Rhythmus nach der Pause gefehlt. Ohne die Magie des 21-Jährigen zündete der Leverkusener Motor an diesem Abend nicht. Bayer war gezwungen, lange Bälle zu spielen. Gegen das eigene Naturell. Mit drei Spielern in der offensiven Reihe, die alle mal gerade über Einenmetersiebzig sind, waren weder Bälle festzumachen, noch Kopfbälle zu gewinnen. Die langen Schläge aus der letzten Reihe mussten steil in den freien Raum gehauen werden.

Lediglich Frimpong, der sich manchmal fallen ließ, stieß gelegentlich mit dem Ball hervor. Aber die große Gefahr, die er sonst mit seinen Flügelläufen heraufbeschwört, entfachte er dieses Mal nicht. Auch, weil ihm in der Mitte, die Bergamo auf dem ganzen Feld beim Spiel gegen den Ball massiv dicht machte, ein Abnehmer fehlte. Alonso hatte sein Team zunächst ohne echten Mittelstürmer ins Spiel geschickt. Erst nach der Pause änderte er seinen Ball, brachte den bulligen Victor Boniface. Der hatte zunächst ein paar gute Szenen, machte den Ball fest und ging auch mal ins Dribbling. Aber wirklich zur Blüte kam er auch nicht.

"Nicht auf unserem besten Level, auch ich nicht"

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"Wir waren nicht auf unserem besten Level, auch ich nicht", ärgerte sich Xabi Alonso nach der Lehrstunde zur Unzeit. "Wir müssen akzeptieren, dass Atalanta besser war. Und wir müssen daraus lernen." Schon am Samstag steht das nächste Finale an, dann geht es in Berlin im Endspiel des DFB-Pokals gegen den 1. FC Kaiserslautern. Gegen einen Gegner, der von einer ganz anderen (geringeren) Qualität ist, der aber mit Friedhelm Funkel auch einen Trainer an der Seitenlinie hat, der ebenfalls mit reichlich Weisheit gesegnet ist.

Nicht alle Gründe für die Pleite lagen in der Aufstellung und Taktik. Zu schwach war das Bayer-Kollektiv an diesem Abend von Dublin. Bis auf Torwart Matej Kovar, der bei allen Gegentoren machtlos war, kam kein Spieler in seine beste Form. Jonathan Tah ist noch wenig vorzuwerfen, auch dem zur Pause ausgewechselten Josip Stanisic (für ihn kam Boniface) nicht. Sonst aber trat ein gemeinschaftlicher Schwächeanfall zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt auf. Viele fatale Ballverluste in gefährlichen Zonen, viele Unkonzentriertheiten. Dazu keine Idee, wie man das Pressing der physisch beeindruckend starken Italiener überspielen konnte. "Vielleicht haben wir zu viele kurze Pässe" gespielt, befand Alonso, "wir hatten einige Probleme. Wir wollten unseren Stil nicht ändern. Es hat nicht funktioniert." Es tue sehr weh, gestand der Spanier, "dass das in einem wichtigen Spiel passiert. Diese Niederlagen in Finalspielen vergisst man nicht so schnell."

Quelle: ntv.de, tno

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