AfD: Zwei Europawahl-Kandidaten sollen Lebensläufe geschönt haben
Arno Bausemer und Mary Khan-Hohloch wurden am vergangenen Wochenende auf dem AfD-Parteitag in Magdeburg als Kandidaten für die Europawahl gewählt. Nun wird beiden vorgeworfen, ihre Lebensläufe unzulässig aufgehübscht zu haben. Das Nachrichtenportal »T-online« berichtet , Bausemer habe in seiner Bewerbung eine Berufsausbildung angegeben, die er nie absolviert habe.
Er behauptete demnach, eine »Journalistische Berufsausbildung beim MDR (Volontariat)« absolviert zu haben. Der MDR jedoch widerspricht diesen Angaben. Der Sender sagte »T-online«: »Die Angaben zu Arno Bausemer auf der Website der AfD können wir so nicht bestätigen«. Er habe lediglich ein Volontariatspraktikum absolviert. Dies entspreche jedoch keiner »abgeschlossenen Berufsausbildung«. Auf Nachfrage von »T-online« räumte Bausemer ein, dass sein »Volontariat« nur neun Monate dauerte. Volontariate dauern üblicherweise mehrere Jahre.
Der MDR war für Bausemer nicht die einzige journalistische Station. Auch bei der »Allgemeinen Zeitung Uelzen« fing er ein Volontariat an – und wurde nach Informationen von »T-online« nach nur wenigen Wochen gefeuert. Weitere Nachfragen zu seiner fehlenden Ausbildung beantwortete Bausemer dem Nachrichtenportal nicht.
»Arglistige Täuschung« und ein Machtwort von Alice Weidel
Interne Zweifel kamen dem Bericht zufolge auch gegen Mary Khan-Hohloch auf. Sie wurde auf dem Parteitag auf Listenplatz 14 gewählt.
Nun forderten Parteikollegen in einem Geschäftsordnungsantrag, die Wahl zu diesem Listenplatz »erneut durchzuführen und die gewählte Kandidatin Mary Khan-Hohloch abzuwählen«. Es gebe »erhebliche Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Pflichtangaben der Bewerberin«. Eine »arglistige Täuschung« sei nicht ausgeschlossen.
Der Antrag wurde am zweiten Wochenende des Parteitags nun heiß diskutiert und nach einem Machtwort von Parteichefin Alice Weidel abgelehnt. Am Rednerpult sagte sie: »Angela Merkel macht Wahlen rückgängig, wir als AfD nicht« – und wurde dafür bejubelt. Schließlich hatte Weidel mit ihrer Forderung um Nichtbefassung und Ende der Debatte Erfolg. Sie hatte die Wahl Mary Khan-Hohlochs, die in der Vergangenheit auch für sie arbeitete, unterstützt.
Khan-Hohloch hatte angegeben ein »Studium der Religionswissenschaften, Öffentliches Recht und Schwerpunkt Europarecht« absolviert und neben der Politik vier Jahre Berufserfahrung zu haben. »In Anbetracht des Zeitrahmens und der Vita erscheint beides unglaubwürdig«, heißt es in dem Abwahlantrag. Die Politikerin, die mit dem AfD-Bundesvorstand und Brandenburger Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch verheiratet ist, ließ eine Anfrage von »T-online« zu den Vorwürfen unbeantwortet.

