Donald Trump: Anwälte wollen Verteidigung im Amtsenthebungsverfahren kurz halten
Icon: vergrößernTrump-Anwalt David Schoen im Kongress
Foto:
Andrew Harnik/POOL/EPA-EFE/Shutterstock
Die Ankläger im Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump haben dessen Verteidiger vor eine große Aufgabe gestellt: Sie müssen auf zahlreiche schwerwiegende Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol antworten.
Trumps Anwälten David Schoen und Bruce Castor stehen zwar ebenfalls zwei Tage für ihre Ausführungen zu, sie wollten sich aber auf wenige Stunden beschränken. »Es gibt für uns keinen Grund, lange dort zu bleiben«, sagte Anwalt Schoen am Donnerstagabend im konservativen Nachrichtensender Fox News. »Der Prozess hätte nie stattfinden sollen, und wenn er stattfindet, sollte er so kurz wie möglich sein.«
Es gebe »keinerlei Beweise« gegen Trump, sagte Schoen weiter. So gebe es »keinerlei Verbindung« zwischen dem gewaltsamen Sturm auf das Kapitol durch radikale Trump-Anhänger und einer Rede des abgewählten Präsidenten unmittelbar vor der Erstürmung.
Die Impeachment-Ankläger hatten jedoch genau diesen Zusammenhang hergestellt und dies mit umfassendem Videomaterial untermauert. Die neun demokratischen Abgeordneten zeigten, wie Trump über Monate haltlose Wahlbetrugsvorwürfen verbreitete und seine Anhänger dann am 6. Januar in einer aufwieglerischen Rede zum Marsch auf das Kapitol aufrief. Trump sagte damals unter anderem: »Wenn ihr nicht auf Teufel komm raus kämpft, werdet ihr kein Land mehr haben.«
Die Ankläger forderten den Senat zu einem Schuldspruch wegen »Anstiftung zum Aufruhr« auf. Sie legten unter anderem dar, dass viele Kapitol-Angreifer überzeugt gewesen seien, im Auftrag Trumps zu handeln. Videoaufnahmen zeigten unter anderem, wie Trump-Anhänger vor dem Kapitol Polizisten anschreien: »Wir wurden vom Präsidenten der USA eingeladen.«
»Der Angriff wurde für Donald Trump ausgeführt, auf seine Anweisung hin und um seine Wünsche zu erfüllen«, sagte die demokratische Abgeordnete Diana DeGette. Die Demokraten verlangen eine Verurteilung Trumps und eine lebenslange Sperre für politische Ämter. Sie warnten am Donnerstag, sollte Trump 2024 erneut für das Weiße Haus kandidieren können und die Präsidentschaftswahl womöglich sogar gewinnen, drohe neue Gewalt wie am 6. Januar.
»Glaubt irgendein Politiker in diesem Raum, dass Trump nicht mehr zur Gewalt anstiften würde, wenn der Senat ihm jemals eine Rückkehr ins Oval Office erlauben würde?«, fragte Anklageführer Jamie Raskin an die Senatoren gerichtet. »Würden Sie die Zukunft Ihrer Demokratie darauf verwetten?«
Eine Verurteilung Trumps gilt allerdings als nahezu ausgeschlossen. Für die für einen Schuldspruch notwendige Zweidrittelmehrheit müssten mindestens 17 Senatoren der Republikaner gemeinsam mit den 50 Demokraten stimmen. Zwar haben sich einige Republikaner beeindruckt von den Ausführungen der demokratischen Ankläger gezeigt. Nur wenige Republikaner haben aber zu erkennen gegeben, dass sie gegen den bei weiten Teilen der Partei und der Basis nach wie vor sehr populären Trump stimmen könnten.
Biden ist ungeduldig
Im Falle eines Schuldspruchs könnte der Senat in einer weiteren Abstimmung mit einfacher Mehrheit entscheiden, dass Trump künftig keine öffentlichen Ämter mehr innehaben darf. Damit wäre ihm eine weitere Präsidentschaftskandidatur versagt.
Der neue Präsident Joe Biden sagte am Freitag, er sei »ungeduldig zu sehen, was meine republikanischen Freunde tun, ob sie standhaft sind«. Der Nachfolger Trumps im Präsidentenamt hat sich bislang kaum zum Impeachment-Prozess geäußert.
Er hat aber seine Erwartung deutlich gemacht, dass sich der Senat bald wieder mit seiner Regierungspolitik befassen können müsse, unter anderem mit den von ihm angestrebten neuen Corona-Hilfen. Die Schlussabstimmung im Impeachment-Prozess könnte schon am Wochenende erfolgen.
Icon: Der Spiegel

