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Leihmütter in der Ukraine: Dutzende Babys werden wegen Corona immer noch nicht abgeholt

Kinder in einem Hotel am Stadtrand von Kiew: Geschlossene Grenzen verhindern Abholung Icon: vergrößern

Kinder in einem Hotel am Stadtrand von Kiew: Geschlossene Grenzen verhindern Abholung

Andreas Stein/ dpa

In der Ukraine können wegen der Corona-Einschränkungen noch immer Dutzende Babys von Leihmüttern nicht von ihren ausländischen Eltern abgeholt werden. 119 Familien hätten aktuell um eine Einreisegenehmigung ersucht, um ihre 125 Kinder abzuholen, sagte die parlamentarische Menschenrechtsbeauftragte Ljudmila Denissowa in Kiew. "Bereits 88 Familien haben derartige Sondergenehmigungen erhalten, und 31 befinden sich schon in der Ukraine."

Die verarmte Ex-Sowjetrepublik gilt wegen ihrer liberalen Gesetze als eines der Zentren für künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft in Europa. Bei einer Leihmutterschaft bringt eine Frau das Kind einer anderen zur Welt. Dafür nutzt sie entweder ihre eigene Eizelle oder die einer anderen Frau, sodass sie biologisch nicht mit dem Baby verwandt ist. Die Samenzelle stammt häufig von dem Mann, der Kindsvater sein soll oder auch hier von einem Spender. Paare, die Leihmütter in Anspruch nehmen, zahlen für das Austragen des Kindes oft Zehntausende Euro. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten.

Dienstleister will Druck zur Abholung erhöhen

Ein Dienstleister für Leihmutterschaften in dem Land hatte bereits im Mai ein Video veröffentlicht, in dem auf die schwierige Lage der nicht abgeholten Neugeborenen hingewiesen wurde. Seit Mitte März dürfen Ausländer ohne Aufenthaltstitel wegen der Coronavirus-Pandemie nicht mehr ins Land einreisen. Zudem sind alle regulären internationalen Flugverbindungen gekappt. Am 15. Juni soll der Flugverkehr wieder starten.

Dem Video zufolge kommen die Eltern der Kinder aus europäischen Staaten wie Deutschland, Österreich und Spanien, aber auch aus Argentinien und vor allem China. In dem mehrsprachigen Clip fordert die Leihmutterschaftsfirma die Eltern auf, über ihre Regierungen Druck auf die Ukraine auszuüben. Das Land solle Sondererlaubnisse zur Abholung der Kinder erteilen.

Firmenanwalt Denis Herman sagte dem dänischen Fernsehsender Danmarks Radio zu dem Film: "Wir haben das Video gepostet, um Eltern zu versichern, dass es ihren Babys gut geht, aber auch um Eltern dazu zu bringen, sich an ihre jeweiligen Behörden zu wenden." Sein Unternehmen hat demnach bereits mehr als 10.000 Geburten arrangiert.

Icon: Der Spiegel