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Israel: Viele Tote nach Krankenhausangriff befürchtet – Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig

October 18
07:16 2023

Ein Raketeneinschlag in Gaza-Stadt mit möglicherweise Hunderten Toten gefährdet die Bemühungen, einen Flächenbrand im Nahen Osten zu verhindern. Bei dem Angriff auf ein Krankenhaus sollen nach palästinensischen Angaben Hunderte Menschen getötet worden sein. Die radikal-islamische Hamas macht Israel dafür verantwortlich. Die israelische Regierung wies dies umgehend zurück. Ihr zufolge soll ein fehlgeschlagener Raketenangriff der palästinensischen Extremistengruppe »Islamischer Dschihad« die Klinik getroffen haben.

Als erste Reaktion sagte Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas ein für Mittwoch geplantes Treffen mit US-Präsident Joe Biden ab. Jordanien sagte ein für Donnerstag geplantes Treffen mit beiden Politikern sowie dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi ab. Möglicherweise belastet der Vorfall auch die für Mittwoch geplanten Gespräche von Kanzler Olaf Scholz, der in der Nacht nach einem Besuch in Israel in Kairo eintraf.

Zahl der Opfer noch unklar

Die Zahlen der Todesopfer werden von palästinensischer Seite unterschiedlich hoch gemeldet, gleichzeitig zweifelt Israel nach Sichtung von Drohnenaufnahmen wohl an den Angaben – die unabhängig bisher nicht zu verifizieren sind.

Der Leiter des Zivilschutzes in Gaza sprach im Sender Al Jazeera von mindestens 300 Menschen, die bei dem Beschuss der Klinik getötet worden seien. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mindestens 500 Personen getötet oder verletzt. Beide Behörden unterstehen der Hamas-geführten Regierung im Gazastreifen. Die Hamas teilte mit, es seien vor allem Menschen getötet worden, die durch die vorherigen israelischen Bombardierungen obdachlos geworden seien. Auch Kranke, Frauen und Kinder seien unter den Toten. Hamas-Chef Ismail Hanijeh warf den USA vor, hinter der Tat zu stehen und Israel zu decken. Der Angriff sei ein neuer Wendepunkt in dem Konflikt.

Der israelischen Armee zufolge habe es keinen direkten Treffer auf die Einrichtung gegeben, sagte der Sprecher der israelischen Armee, Admiral Daniel Hagari. Aufnahmen von Militärdrohnen zeigten »eine Art Treffer auf dem Parkplatz«. Das Militär habe ein Gespräch mit der militanten Palästinensergruppe »Islamischer Dschihad« abgehört, in dem die Kämpfer einen Fehlschuss zugegeben hätten, erklärte ein weiterer Militärsprecher, Oberstleutnant Jonathan Concricus, dem Sender CNN. Die Armee werde einen Mitschnitt des Gesprächs veröffentlichen.

Die Reaktionen:

  • US-Präsident Joe Biden hat mit Bestürzung auf den Raketeneinschlag reagiert. Er sei »empört und zutiefst betrübt« über die Explosion und den schrecklichen Verlust von Menschenleben, der dadurch verursacht worden sei, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls habe er mit Jordaniens König Abdullah II. und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu gesprochen und sein Team angewiesen, weitere Informationen über den genauen Hergang zu sammeln. »Die Vereinigten Staaten treten unmissverständlich für den Schutz der Zivilbevölkerung während eines Konflikts ein, und wir trauern um die Patienten, das medizinische Personal und andere Unschuldige, die bei dieser Tragödie getötet oder verwundet wurden«, hieß es weiter in der Stellungnahme.

  • Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, zeigt sich ebenfalls bestürzt über den Vorfall. »Ich bin entsetzt über den Tod hunderter palästinensischer Zivilisten bei einem Angriff auf ein Krankenhaus in Gaza heute, den ich auf das Schärfste verurteile«, schrieb Guterres auf X , früher bekannt als Twitter. »Krankenhäuser und medizinisches Personal sind durch das humanitäre Völkerrecht geschützt.«

  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO verurteilte den Angriff. Das schrieb WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X . »Wir fordern den sofortigen Schutz der Zivilbevölkerung und der Gesundheitsversorgung sowie die Aufhebung der Evakuierungsbefehle.«

  • Das Auswärtige Amt äußerte sich ebenfalls: »Wir sind zutiefst erschüttert über die Berichte von Hunderten von Toten im Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza. Zivile Ziele, insbesondere ein voll funktionsfähiges Krankenhaus mit Patienten und medizinischem Personal, dürfen unter keinen Umständen angegriffen werden. Zivilisten müssen in Konflikten geschützt werden«, so das Außenministerium auf seinem englischsprachigen X-Account .

  • Der französische Präsident Emmanuel Macron schrieb auf der Plattform X : »Nichts kann einen Angriff auf ein Krankenhaus rechtfertigen.« Die Umstände müssten in vollem Umfang aufgeklärt werden. Seine Gedanken seien bei den Opfern. Konkrete Schuldzuweisungen sprach er nicht aus. In einem weiteren Tweet forderte er, der Zugang für humanitäre Hilfe für die Menschen im Gazastreifen müsse unverzüglich wieder geöffnet werden.

  • Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat betont, dass sich Israel bei seinem Gegenschlag gegen die Hamas an das Völkerrecht halten müsse. Der mutmaßliche Angriff auf ein Krankenhaus in Gaza sei »entsetzlich und absolut inakzeptabel«, sagte Trudeau vor Reportern. »Das internationale Recht muss in diesem und in allen anderen Fällen respektiert werden. Es gibt Regeln für Kriege, und es ist nicht akzeptabel, ein Krankenhaus anzugreifen.«

  • Großbritannien will mit seinen Verbündeten zusammenarbeiten, um herauszufinden, was passiert ist, sagte Außenminister James Cleverly. »Die Zerstörung des Al-Ahli-Krankenhauses ist ein verheerender Verlust an Menschenleben«, sagte Cleverly in einem Beitrag auf X .

  • Die spanische Vize-Regierungschefin Yolanda Díaz nannte den mutmaßlichen Angriff ein »Kriegsverbrechen«. »Die internationale Gemeinschaft kann dieser Barbarei gegen Zivilisten nicht länger tatenlos zusehen«, schrieb sie auf X . Díaz ist Chefin des linken Parteienbündnis Sumar und Koalitionspartner des Sozialisten Pedro Sánchez. Der spanische Ministerpräsident hatte am Nachmittag die Attacke der Hamas auf Israel verurteilt und das israelische Recht auf Selbstverteidigung verteidigt. Das müsse allerdings im Einklang mit internationalem Recht geschehen. Der Schutz der Zivilbevölkerung sei essenziell.

  • Palästinenser-Präsident Mahmoud Abbas sagte, für die Tat trügen auch die Länder Verantwortung, die Israel unterstützten. Er sprach von einem »Krankenhaus-Massaker« und ordnete an, die Fahnen für eine dreitägige Trauerzeit auf halbmast zu setzen und der »Märtyrer« in dieser Zeit zu gedenken.

  • Die Extremisten der libanesischen Hisbollah-Miliz kündigten für Mittwoch einen »Tag des beispiellosen Zorns« gegen Israel und den Besuch von Biden an. Die USA trügen die direkte und vollständige Verantwortung »für dieses Massaker«, hieß es in der Erklärung.

  • Saudi-Arabien hat das »abscheuliche Verbrechen« aufs Schärfste verurteilt. Das Land machte Israel für den Angriff verantwortlich, wie aus einer Erklärung des saudi-arabischen Außenministeriums hervorging.

  • Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erklärte, er fordere die Menschheit auf einzuschreiten »und diese beispiellose Brutalität in Gaza zu stoppen«.

  • Auch der Chef der Arabischen Liga, Ahmet Abul Geit, rief die westlichen Staaten auf, »dieser Tragödie sofort ein Ende zu setzen«.

  • Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Marokko und Bahrain haben den Raketeneinschlag verurteilt – und Israel dafür verantwortlich gemacht. Die VAE und Bahrain hatten vor drei Jahren in einem historischen Schritt Friedensverträge mit Israel geschlossen. Marokko kündigte solche Schritte danach ebenfalls an. Im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern hatten sich die Länder seit Kriegsbeginn zwischen der islamistischen Hamas und Israel mit Kritik am jüdischen Staat zurückgehalten.

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