Sicherheitsbündnis Aukus: Darum geht es beim U-Boot-Pakt zwischen den USA, Großbritannien und Australien
Australien soll eine nuklear betriebene U-Boot-Flotte bekommen. Warum gibt es die Allianz mit London und Washington für den Indopazifik? Wie ist der Zeitplan? Und: Weshalb treiben die Partner jetzt ihre Pläne voran? Der Überblick.
Die australische Marine soll mit Atom-U-Booten ausgerüstet werden. Das verkündeten US-Präsident Joe Biden und die Regierungschefs von Großbritannien und Australien, Rishi Sunak und Anthony Albanese, am Montag (Ortszeit) bei einem Treffen in San Diego. Das allgemeine Ziel gaben sie bereits vor 18 Monaten aus – nun haben sie die Details für das Großprojekt vorgestellt.
Wie geht es mit dem Aukus-Pakt weiter?
Die USA, Großbritannien und Australien hatten das Sicherheitsbündnis Aukus – der Name ergibt sich aus den englischen Abkürzungen der Länder – im September 2021 ins Leben gerufen, um die Sicherheit und militärische Abschreckung im Indopazifik zu stärken. Nun haben die drei Staaten einen konkreten Zeitplan für die Ausstattung mit einer U-Boot-Flotte vereinbart.
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Amerikanische und britische U-Boote sollen verstärkt Häfen in Australien anlaufen, australische Seeleute sollen in U-Boot-Einheiten eingebunden werden.
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Von 2027 an wollen die USA und Großbritannien auf rotierender Basis U-Boote in Australien stationieren, um australische Seeleute, Ingenieure und Technikerinnen auszubilden.
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Im Verlauf der Dreißigerjahre soll Australien eine eigene U-Boot-Flotte mit Atomantrieb aufbauen. Dazu wird das Land zunächst von den USA drei U-Boote der Klasse »Virginia« kaufen – mit einer Option auf zwei weitere.
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Langfristig wollen die Länder eine neue Generation von Atom-U-Booten entwickeln. Dieser neue U-Boot-Typ der Klasse »SSN-Aukus« soll ab den späten Dreißigerjahren zunächst in Großbritannien gebaut werden, später auch in Australien selbst.
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Das erste australische »SSN-Aukus« soll 2042 ausgeliefert werden. Alle drei Jahre soll ein weiteres vom Stapel laufen, bis die Flotte acht Boote umfasst.
Warum Atom-U-Boote aus Großbritannien und den USA?
Im Unterschied zu den sechs Staaten, die bereits über atomar betriebene Unterseeboote verfügen (USA, Großbritannien, Russland, China, Frankreich und Indien), besitzt Australien weder Atomwaffen noch betreibt das Land Atomkraftwerke. Die Atom-U-Boote aus den USA und Großbritannien kann Australien auch ohne eigene Atomkapazitäten einsetzen, verfügt selbst aber nicht über das nötige Wissen, um diese zu bauen.
Gleichzeitig betonte US-Präsident Biden, der U-Boot-Pakt habe nichts mit Atomwaffen zu tun: »Diese U-Boote sind nuklear angetrieben, nicht nuklear bewaffnet. Diese Boote werden keinerlei Atomwaffen an Bord haben.« Der Atomantrieb sei erprobt und sicher.
Was können die Atom-U-Boote?
Der Vorteil von atomar angetriebenen Booten liegt vor allem in ihren fast autarken Operationsmöglichkeiten. Der Kernbrennstoff liefert mehrere Jahre Energie. Zudem saugen die Atom-U-Boote Meerwasser ein und reinigen es in einem Entsalzungsprozess. Ein Teil des Wassers kann als Trinkwasser verwendet werden. Dazu wird an Bord durch Elektrolyse Sauerstoff produziert, und die Luft von unerwünschtem Kohlendioxid gereinigt. Atom-U-Boote können daher sehr viel länger unter Wasser bleiben als solche mit einem konventionellen Antrieb. Hinzu kommt: Atom-U-Boote sind mit einer Marschgeschwindigkeit von mehr als 20 Knoten sehr schnell, was bei Einsätzen in entlegenen Operationsgebieten die Anmarschzeit verringert und die Operationszeit verlängert.
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Was steckt hinter dem Aukus-Sicherheitsbündnis?
Erklärtes Ziel ihrer Allianz ist es, die militärische Abschreckung im indopazifischen Raum zu stärken – wo auch China eine größere militärische, politische und wirtschaftliche Präsenz aufbauen will.
Tatsächlich haben die USA atomare Antriebstechnologie bisher erst einmal einem anderen Land überlassen. In den Fünfzigerjahren hatte Großbritannien von der US-Technologie profitiert. Damals war die Kulisse der Kalte Krieg, der Gegner die Sowjetunion. Heute ist China der gemeinsame Rivale. Und doch: Dass sich ihr Bündnis gegen ein bestimmtes Land richte, bestreiten die drei Regierungen.
Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan betonte, das Bündnis sei vielmehr eine positive Botschaft an alle Länder in der Region und der Welt: »Wir haben uns in der Tat eng mit Verbündeten, Partnern und Ländern im gesamten indopazifischen Raum beraten«, sagte er. Man habe zudem direkt mit China gesprochen, »um ihnen zu erklären, was Aukus ist und was es nicht ist«.
Albanese sagte, das Projekt stärke die nationale Sicherheit seines Landes und die Stabilität in der gesamten Region. Die Regierung in Canberra habe in der vergangenen Woche mehr als 60 Telefonate mit Staats- und Regierungschefs unter anderem im pazifischen Raum und in Südostasien geführt, um sie über den Aukus-Pakt zu informieren. Man habe auch China ein Briefing über den U-Boot-Deal angeboten, erklärte der australische Verteidigungsminister Richard Marles, er habe aber keine Kenntnis über eine Antwort.
Der britische Premier Sunak sprach von einer »mächtigen Partnerschaft«: »Zum ersten Mal überhaupt werden drei U-Boot-Flotten sowohl im Atlantik als auch im Pazifik zusammenarbeiten, um unsere Ozeane für die nächsten Jahrzehnte frei, offen und florierend zu halten.«
Wie reagiert China?
China wirft Australien, Großbritannien und den USA vor, mit ihrem gemeinsamen U-Boot-Deal einen »falschen und gefährlichen Weg« eingeschlagen zu haben. Das jüngste gemeinsame Statement zeige, »dass die drei Länder für ihre eigenen geopolitischen Interessen die Sorgen der internationalen Gemeinschaften komplett ignorieren«, sagte der chinesische Außenamtssprecher Wang Wengin in Peking. Die drei Staaten zeigten eine »typische Denkweise des Kalten Krieges« und würden »weiter und weiter den Pfad des Irrtums und der Gefahr hinabgehen«.
Peking hatte bereits 2021 empört auf die Gründung der Allianz reagiert. Seitdem haben sich die Spannungen zwischen China und den USA verschärft. Chinas Staatschef Xi Jinping hatte zuletzt öffentlich ungewöhnliche scharfe Töne angeschlagen und den Vereinigten Staaten sowie dem Westen vorgeworfen, den Aufstieg Chinas in der Welt verhindern zu wollen.
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