{"id":944,"date":"2020-07-06T15:36:50","date_gmt":"2020-07-06T12:36:50","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/turkei-gewalt-gegen-frauen-blutige-botschaft-einer-uberlebenden\/"},"modified":"2020-07-06T15:36:50","modified_gmt":"2020-07-06T12:36:50","slug":"turkei-gewalt-gegen-frauen-blutige-botschaft-einer-uberlebenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/turkei-gewalt-gegen-frauen-blutige-botschaft-einer-uberlebenden\/","title":{"rendered":"T\u00fcrkei &#8211; Gewalt gegen Frauen: Blutige Botschaft einer \u00dcberlebenden"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/706e7980-a3de-4536-924f-44bacef15dbc_w948_r1.77_fpx47_fpy44.jpg\" title=\"Blick \u00fcber Istanbul: Mehr als 470 Frauen wurden in der T\u00fcrkei im vergangenen Jahr ermordet (Symbolbild)\" alt=\"Blick \u00fcber Istanbul: Mehr als 470 Frauen wurden in der T\u00fcrkei im vergangenen Jahr ermordet (Symbolbild)\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Blick \u00fcber Istanbul: Mehr als 470 Frauen wurden in der T\u00fcrkei im vergangenen Jahr ermordet (Symbolbild)<\/p>\n<p> YASIN AKGUL\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Nurtac C. Anfang Juni beschloss, ihre Tasche zu packen und ihren Mann zu verlassen, hatten die beiden bereits 23 Jahre Ehe hinter sich. Jahre, in denen sie jeden einzelnen Tag gelitten habe, sagt die 46-J\u00e4hrige weinend in einem TV-Interview, &quot;unter Schl\u00e4gen, Erniedrigungen und Folter&quot;. Dass Nurtac C. ihre Geschichte erz\u00e4hlen kann, grenzt an ein Wunder. Denn den Versuch, aus ihrer Ehe zu fliehen, h\u00e4tte sie fast mit dem Leben bezahlt.<\/p>\n<p>Genau in dem Moment, in dem Nurtac C. aufbrechen wollte, sei ihr Ehemann aufgetaucht. &quot;Geh nicht&quot;, habe er gesagt. Dann schoss er. F\u00fcnf Mal. Anschlie\u00dfend nahm Ragip C. seiner schwer verletzten Frau Handy und Kreditkarte ab und lie\u00df sie in der Wohnung im Istanbuler Stadtteil Zeytinburnu zur\u00fcck.<\/p>\n<p>In diesem Moment war sich Nurtac C. sicher, dass sie sterben wird. Eine letzte Botschaft wollte sie der Welt jedoch noch hinterlassen: &quot;Ragip hat mich erschossen. Seid nicht traurig. Ich bin jetzt frei&quot;, schrieb sie mit ihrem Blut auf den Laminatboden. Dann wurde ihr schwarz vor Augen.<\/p>\n<h3>Betrogen, verbr\u00fcht, zum Sterben zur\u00fcckgelassen<\/h3>\n<p>Die Bilder vom Tatort wurden sp\u00e4ter in t\u00fcrkischen Medien ver\u00f6ffentlicht und haben landesweit f\u00fcr Entsetzen gesorgt &#8211; auch weil Nurtac C. gerettet wurde und seither ausf\u00fchrlich \u00fcber die Ehe mit ihrem gewaltt\u00e4tigen Mann gesprochen hat.<\/p>\n<p>Er habe das Geld der Familie verspielt, getrunken und sie betrogen. Im gemeinsamen Caf\u00e9 habe er zudem Mitarbeiterinnen und Kundinnen bel\u00e4stigt. Immer wieder habe sie dar\u00fcber nachgedacht, ihn zu verlassen. Mal h\u00e4tten sie jedoch wirtschaftliche \u00c4ngste davon abgehalten, mal ihre Familie.<\/p>\n<p>Bereits ein Jahr nach der Hochzeit habe sie sich von ihrem Mann scheiden lassen, ihn aber auf Druck der Familien, seiner und ihrer, noch einmal geheiratet. &quot;Drei Tage vor der Tat warf er eine hei\u00dfe Teekanne nach mir. Meine Arme und mein R\u00fccken wurden verbr\u00fcht. Ich beschloss zu fliehen und kaufte mir ein Busticket&quot;, sagte sie im TV-Interview.<\/p>\n<p>In einer Blutlache liegend wurde Nurtac C. schlie\u00dflich von ihrem Sohn gefunden. Er lie\u00df sie in eine Klinik bringen, sie \u00fcberlebte &#8211; mit ihr aber vorerst auch die Angst vor ihrem Ehemann.<\/p>\n<h3>Festnahme erfolgte erst nach Medienberichten<\/h3>\n<p>Mit ihrer blutigen Botschaft wollte Nurtac damals sicherstellen, dass er daf\u00fcr bestraft wird. &quot;Wenn ich schon sterbe, wollte ich wenigstens einen Beweis zur\u00fccklassen&quot;, sagte sie der t\u00fcrkischen Zeitung &quot;H\u00fcrriyet&quot;. Doch erst, nachdem die ersten Medienberichte \u00fcber den Fall aufgetaucht waren, nahm die Polizei Ragip C. Mitte des vergangenen Monats fest.<\/p>\n<p>Bis zu diesem Zeitpunkt war Nurtac C. \u00fcberzeugt, ihr Mann werde nicht aufgeben, bis sie tot sei. &quot;Er l\u00e4sst mich nicht in Ruhe, weil er es nicht geschafft hat, mich zu t\u00f6ten&quot;, sagte sie damals t\u00fcrkischen Medien. Mittlerweile sitzt Ragip C. im Gef\u00e4ngnis, ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Ein Teil seiner Aussage ist \u00f6ffentlich geworden.<\/p>\n<p>&quot;Ich habe die Kontrolle verloren. Es war eine pl\u00f6tzliche Aktion, ich bereue es&quot;, sagt er \u00fcber die Tat. T\u00fcrkischen Medien zufolge soll Ragip C. zudem ausgesagt haben, dass er die T\u00fcr zur Wohnung offen gelassen habe, damit die Nachbarn seine verletzte Frau h\u00e4tten finden und einen Arzt rufen k\u00f6nnen. Wie die Waffe in seine Hand gekommen sei, wisse er nicht mehr.<\/p>\n<p>Melek \u00d6nder von der Frauenrechtsorganisation We Will Stop Femicide fordert derweil, dass die Regierung den Waffenbesitz im Land st\u00e4rker kontrolliert. &quot;Nurtacs Nachricht in ihrem eigenen Blut zeigt, wie sehr Frauen zu k\u00e4mpfen haben&quot;, sagte sie der t\u00fcrkischen Nachrichtenseite &quot;Euronews&quot;.<\/p>\n<h3>Zahl der Frauenmorde steigt<\/h3>\n<p>We Will Stop Femicide verzeichnet seit Jahren einen Anstieg der Femizide in der T\u00fcrkei. Seit 2015 hat die Zahl der Frauenmorde demnach um 63 Prozent zugenommen, von 303 auf 474 F\u00e4lle im vergangenen Jahr.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Statistik der Organisation ist von Mai 2020. Allein in diesem Monat wurden demnach 21 Frauen ermordet, 18 weitere F\u00e4lle seien zudem verd\u00e4chtig. Mehr als die H\u00e4lfte der Ermordeten kamen demnach durch Schusswaffen ums Leben. Neben sch\u00e4rferen Kontrollen des Waffenbesitzes fordern Frauenrechtsaktivistinnen zudem seit Langem, dass der Staat die Rechte von Frauen besser sch\u00fctzt und die T\u00e4ter konsequenter bestraft.<\/p>\n<p>Auch Nurtac C. will ihren Mann f\u00fcr eine lange Zeit hinter Gittern wissen. &quot;Er hat mein Leben 23 Jahre lang zum Kerker gemacht. Ich will, dass er auch mindestens 23 Jahre im Kerker bleibt&quot;, sagt sie. Ihr geht es mittlerweile besser, jedoch k\u00f6nnen die \u00c4rzte nicht sagen, ob sie je wieder laufen wird. Von ihrem Krankenbett aus fordert sie nun, dass die Gewalt gegen Frauen in der T\u00fcrkei endlich aufh\u00f6rt.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Blick \u00fcber Istanbul: Mehr als 470 Frauen wurden in der T\u00fcrkei im vergangenen Jahr ermordet (Symbolbild) YASIN AKGUL\/ AFP Als Nurtac C. 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