{"id":938,"date":"2020-07-06T08:49:54","date_gmt":"2020-07-06T05:49:54","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/deutschland-einkommensauswertung-8-millionen-topverdiener\/"},"modified":"2020-07-06T08:49:54","modified_gmt":"2020-07-06T05:49:54","slug":"deutschland-einkommensauswertung-8-millionen-topverdiener","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/deutschland-einkommensauswertung-8-millionen-topverdiener\/","title":{"rendered":"Deutschland &#8211; Einkommensauswertung: 8 Millionen Topverdiener"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/ec1d1820-249d-43ba-ad35-0569ea3005f4_w948_r1.77_fpx61.31_fpy45.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern    <\/figure>\n<p class=\"caps\">Die oberen zehn Prozent. Klingt nach Villa, Golfplatz und Zigarrenrauch. Und nicht nach Reihenhaus, Ikea-Sofa und Schwimmbad-Zehnerkarte. Doch die Grenze, die in Deutschland die Gut- von den Topverdienern scheidet, ist niedriger, als viele Menschen denken. Und manch einer geh\u00f6rt selbst dazu &#8211; obwohl ihm die Welt der Reichen eigentlich weit weg erscheint.<\/p>\n<p>Denn zu diesem Einkommen geh\u00f6rt nicht nur der Verdienst aus der eigenen Arbeit, sondern auch eventuelle Einnahmen aus Aktienanlagen oder vermieteten Immobilien. Wer in der eigenen Wohnung oder im abbezahlten Haus lebt, muss auch die fiktive Nettomiete noch oben drauf rechnen.<\/p>\n<p>Nach dieser Rechnung z\u00e4hlen nicht nur Manager bei der Deutschen Bank oder Chef\u00e4rzte zu den Topverdienern der Republik. Sondern auch eine Hamburger Studienr\u00e4tin mit zehn Jahren Berufserfahrung (Besoldungsgruppe A13, Qualifikationsebene 4, netto circa 3600 Euro). Oder der B\u00fcrgermeister einer nordrhein-westf\u00e4lischen Kleinstadt (Besoldung B2 f\u00fcr St\u00e4dte mit bis zu 10.000 Einwohnern, netto circa 6000 Euro). Oder ein Teamleiter bei VW (netto circa 3800 Euro). Zumindest wenn alle drei Singles w\u00e4ren. Noch mehr Beispiele? Bittesch\u00f6n:<\/p>\n<p>Wo genau die Top-Ten-Grenze nun verl\u00e4uft? Bei den 994 Einkommensmillion\u00e4ren, die es allein in Hamburg gibt, ist die Sache ziemlich klar. Aber es gibt keine deutschlandweite Gehaltskartei, in der man nachschlagen k\u00f6nnte, wer wo wie viel verdient.<\/p>\n<p>Als wohl beste Quelle hat sich das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) erwiesen. Hinter dem etwas sperrigen Namen steckt das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Das l\u00e4sst regelm\u00e4\u00dfig 16.000 Privathaushalte in Deutschland befragen: Wie oft haben Sie in den letzten zw\u00f6lf Monaten ihren Job gewechselt? Wie zufrieden sind Sie? Und: Was verdienen Sie?<\/p>\n<p>Die Ergebnisse h\u00e4ngen nat\u00fcrlich davon ab, wie wahrheitsgem\u00e4\u00df die Befragten antworten &#8211; und ob sie \u00fcberhaupt bereit sind, \u00fcber ihr Einkommen zu sprechen. Erfahrungsgem\u00e4\u00df halten sich die ganz Reichen da eher bedeckt.<\/p>\n<p>Trotzdem liefert das SOEP die besten Daten, wenn es um Geh\u00e4lter geht, die Ergebnisse gelten als repr\u00e4sentativ. Die Interviewer kommen mit einem Fragebogen zu den Teilnehmern nach Hause. Und seit 1984 werden jedes Jahr wenn m\u00f6glich immer dieselben Haushalte beleuchtet.<\/p>\n<h3>3529 Euro netto pro Monat &#8211; und ein Single ist Topverdiener<\/h3>\n<p>F\u00fcr den SPIEGEL hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nun auf der Basis der aktuellsten SOEP-Daten berechnet, wie und wo die Grenze zu den oberen zehn Prozent verl\u00e4uft. Die neuesten Daten: Das hei\u00dft konkret die Einkommen des Jahres 2017. Wissenschaft braucht Zeit.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Schon ab einem Einkommen von 3529 Euro netto pro Monat geh\u00f6rt ein Alleinstehender zu den oberen zehn Prozent der Topverdiener. Kommen Partner oder Kinder ins Spiel, wird es etwas komplizierter: Einerseits gibt es dann oft zwei Verdiener in einem Haushalt. Andererseits m\u00fcssen auch mehr Menschen von dem erwirtschafteten Geld leben.<\/p>\n<p>Deshalb wird das Haushaltseinkommen je nach Konstellation durch einen bestimmten Quotienten geteilt, damit es vergleichbar wird. So z\u00e4hlt eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren ab 7412 Euro netto pro Monat zum oberen Zehntel. Ein Paar ohne Kinder im Haushalt ab 5294 Euro.<\/p>\n<p><strong>Und Sie? Rechnen Sie nach &#8211; und erfahren Sie, wie viel Prozent der Deutschen weniger oder mehr verdienen als Sie:<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tten Sie sich anders eingesch\u00e4tzt? Dann bef\u00e4nden Sie sich in der guten Gesellschaft der Mehrheit: Forscher der Universit\u00e4t Hannover stellen 2016 in einer Umfrage fest, dass &quot;die Befragten ihre Position in der Einkommensskala nicht einmal ann\u00e4hernd bestimmen&quot; konnten. Dabei galt insbesondere der Grundsatz: Reich sind immer die anderen.<\/p>\n<p>Die oberen Einkommensklassen verorteten sich fast ausnahmslos in der Mitte, kaum jemand schien sich der Position an der Spitze bewusst. Wer w\u00fcrde das auch schon von sich behaupten: Ich bin reich? Gilt das nicht eher f\u00fcr die, die ein Verm\u00f6gen oder eine Firma geerbt haben? Und \u00fcberhaupt: Wer spricht schon gern \u00fcber Geld?<\/p>\n<h3><strong>Die starken Schultern<\/strong><\/h3>\n<p>&quot;Ich muss mich nicht f\u00fcr das Geld sch\u00e4men&quot;, sagt Cornelia S\u00fc\u00df. &quot;Daf\u00fcr habe ich lange studiert, ein Referendariat gemacht und arbeite jetzt hart und viel.&quot; S\u00fc\u00df ist Anw\u00e4ltin in Dresden, Verkehrsrecht ist ihr Spezialgebiet. Sie teilt sich ihre Kanzlei mit zwei weiteren Anw\u00e4ltinnen, die andere Rechtsbereiche bearbeiten, das Einkommen wird prozentual verteilt.<\/p>\n<p>Die Kanzlei liegt in einem gro\u00dfen Haus in Dresden-Blasewitz, das den drei Rechtsanw\u00e4ltinnen geh\u00f6rt &#8211; eine zus\u00e4tzliche Altersvorsorge. Sie vermieten an \u00c4rzte und PR-Beratungen, ihren Flur teilen sie mit einer Gesangsschule. Am Konferenztisch stehen bunt durchmischt B\u00fcrost\u00fchle, an den W\u00e4nden h\u00e4ngen Plakate von Kunstausstellungen, in fast jeder Ecke steht eine Zimmerpflanze.<\/p>\n<p>S\u00fc\u00df hat hier in den vergangenen Wochen allerdings wenig Zeit verbracht. Die Schulschlie\u00dfung wegen Corona war f\u00fcr sie ein riesiges Problem. &quot;Mein Lebenskonzept beruht darauf, dass ich viel arbeite und dass meine Kinder in der Zeit betreut werden&quot;, sagt sie. In den vergangenen Monaten war das nicht m\u00f6glich, sie war tags\u00fcber vor allem damit besch\u00e4ftigt, den zwei S\u00f6hnen bei ihren Schulaufgaben zu helfen.<\/p>\n<p>Ihr Mann ist auch selbstst\u00e4ndig, er betreibt eine Zahnarztpraxis, Homeoffice ist f\u00fcr ihn schwer m\u00f6glich. Also blieb S\u00fc\u00df zu Hause und arbeitete noch mehr an den Abenden und Wochenenden als zuvor. &quot;Mein Mann und ich haben als Selbstst\u00e4ndige versucht, gut durch die Zeit zu kommen und unsere Mitarbeiter zu sch\u00fctzen&quot;, sagt sie.<\/p>\n<p>Bisher ist ihr das gelungen &#8211; aber S\u00fc\u00df sorgt sich, was nun kommt. Wegen der Kontaktsperre waren weniger Menschen drau\u00dfen unterwegs, es war weniger los auf den Stra\u00dfen, vielleicht kommen auch deshalb weniger Auftr\u00e4ge rein.<\/p>\n<p>&quot;Starke Schultern&quot; sollten die Lasten tragen, die die Coronakrise auch im Staatshaushalt hinterl\u00e4sst. Das fordert etwa der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans. Den Solidarit\u00e4tszuschlag, der 2021 f\u00fcr 90 Prozent aller Deutschen abgeschafft wird &#8211; die oberen zehn Prozent sollen ihn weiter zahlen, zumindest anteilig.<\/p>\n<p>Und wer auf sein Einkommen den Spitzensteuersatz von 42 Prozent zahlt, geh\u00f6rt ohnehin zu jenen zehn Prozent Topverdienern, die mehr als die H\u00e4lfte des Einkommensteueraufkommens tragen.<\/p>\n<p>Die oberen zehn Prozent. Das klingt eben auch nach Verantwortung. Gerade jetzt, in der Coronakrise.<\/p>\n<p>Anw\u00e4ltin S\u00fc\u00df findet das richtig. Sie versteht, dass sie mehr beitragen muss als Menschen mit weniger Einkommen. Aber sie will mitbestimmen, wie das Geld ausgegeben wird: &quot;Ich arbeite gern, ich verdiene gern Geld und ich gebe auch gern etwas von dem Geld ab. Aber nicht f\u00fcr Schrott.&quot; <\/p>\n<h3><strong>Corona und die Topverdiener<\/strong><\/h3>\n<p>Wie stark sind die Schultern denn nun, auf die die Politik hofft? Und wie sehr schw\u00e4cht sie die Coronakrise? Seit April f\u00fchrt das SOEP-Team des DIW \u00fcber die Auswirkungen der Coronakrise regelm\u00e4\u00dfig Gespr\u00e4che mit den Haushalten. Nicht mit allen 16.000 der regul\u00e4ren Befragung, aber einem Teil davon.<\/p>\n<p>Welche Einbu\u00dfen gab es? Wer ist in Kurzarbeit? Was macht der Job? Wie sieht es mit dem Verm\u00f6gen aus? Das alles flie\u00dft zusammen in einer Art Sonderedition der landesweiten Befragung, dem SOEP-CoV. Die Auswertung zeigt: Die Mehrheit der Deutschen glaubt, die Coronakrise treffe das Land und dessen Menschen \u00f6konomisch schwer.<\/p>\n<p>Aber: Ihre eigene pers\u00f6nliche Situation bewerten die Befragten \u00fcberwiegend besser als die des Durchschnitts. Besonders ausgepr\u00e4gt ist dieses Ph\u00e4nomen bei den oberen zehn Prozent.<\/p>\n<p>Und die Konjunkturhilfen? Noch l\u00e4sst sich schwer vorhersagen, wie sich die einzelnen Ma\u00dfnahmen der Regierung auf die oberen zehn Prozent auswirken werden. Aber ein paar Punkte zeichnen sich ab:  <\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Die <strong>Mehrwertsteuersenkung<\/strong> betrifft alle, und zwar alle relativ gleich stark: Laut Berechnungen des DIW-\u00d6konomen Stefan Bach macht die Ersparnis stets knapp zwei Prozent des Einkommens aus, ob hoch oder niedrig, ob Gro\u00dffamilie oder Single. Solange die Senkung voll an die Verbraucher weitergegeben wird. Und die genauso weiter konsumieren wie zuvor. Das hei\u00dft aber auch: In absoluten Euro-Betr\u00e4gen sparen Haushalte mit hohen Einkommen deutlich mehr. Bereits geplante gro\u00dfe Anschaffungen k\u00f6nnten sie vorziehen und so noch deutlich mehr sparen: das neue Auto, die neue K\u00fcche oder die anstehende Renovierung. Niedrigverdiener haben diese M\u00f6glichkeit oft nicht. Ihnen fehlt schlicht das Geld.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Die massiven<strong> staatlichen Hilfen<\/strong> und <strong>Kredite f\u00fcr Unternehmen<\/strong> helfen nicht nur, die Einkommen der Besch\u00e4ftigten zu sichern &#8211; sondern auch den Eigent\u00fcmern. Die geh\u00f6ren fast immer zu den oberen zehn Prozent, meistens sogar zum allerobersten Prozent.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Vom <strong>Familienbonus <\/strong>\u00fcber 300 Euro pro Kind haben die oberen zehn Prozent meist nichts. Denn in der Regel werden sie durch den Kinderfreibetrag mehr an Steuern sparen, als Kindergeld plus Familienbonus ergeben.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>\n<p>Die <strong>Umweltpr\u00e4mie f\u00fcr E-Autos<\/strong> allerdings d\u00fcrfte zu gro\u00dfen Teilen den oberen zehn Prozent zugutekommen: E-Autos bleiben auch mit Pr\u00e4mie recht teuer &#8211; und solche Autos werden sich Niedrigverdiener nicht leisten k\u00f6nnen, ob mit Pr\u00e4mie oder ohne.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Wie ist sie also, die Lage f\u00fcr die oberen zehn Prozent? <\/strong>Ein Meteorologe w\u00fcrde wohl sagen: heiter bis wolkig. Viele Menschen in Deutschland geh\u00f6ren dazu, obwohl sie es von sich selbst nicht glauben w\u00fcrden. Die Einkommensgrenze zu den Topverdienern ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen &#8211; 2016 lag sie noch bei 3342 Euro f\u00fcr Singles.<\/p>\n<p>Auch Corona d\u00fcrfte an dieser Entwicklung wenig \u00e4ndern. Im Gegenteil: Die Kosten der Krise werden zwar \u00fcberwiegend durch Steuern gegenfinanziert. Und von denen tragen die oberen zehn Prozent deutlich mehr als untere Einkommensgruppen.<\/p>\n<p>An die Existenz geht die Krise aber vor allem denen in der unteren H\u00e4lfte: Geringqualifizierte sind \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig arbeitslos geworden, kleine Soloselbstst\u00e4ndige pl\u00f6tzlich ohne jedes Einkommen. Besonders viele Ausl\u00e4nder sind darunter.<\/p>\n<p>Folgerichtig ist das subjektive Krisenempfinden bei den oberen zehn Prozent nach wie vor so gering wie in keiner anderen Gruppe der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Ob nun Villa und Golfplatz oder Reihenhaus und Ikea-Sofa: Relativ sorgenfrei durch eine solche Krise zu gehen &#8211; das ist echter Luxus.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Die oberen zehn Prozent. Klingt nach Villa, Golfplatz und Zigarrenrauch. 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