{"id":890,"date":"2020-07-04T02:38:45","date_gmt":"2020-07-03T23:38:45","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-serbien-mazedonien-kroatien-die-pandemie-trifft-den-balkan\/"},"modified":"2020-07-04T02:38:45","modified_gmt":"2020-07-03T23:38:45","slug":"corona-in-serbien-mazedonien-kroatien-die-pandemie-trifft-den-balkan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-in-serbien-mazedonien-kroatien-die-pandemie-trifft-den-balkan\/","title":{"rendered":"Corona in Serbien, Mazedonien, Kroatien: Die Pandemie trifft den Balkan"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/13c4b246-4098-462f-9e83-72f6b40bcb73_w948_r1.77_fpx30_fpy45.jpg\" title=\"Vor dem Belgrader Tropenkrankenhaus warten Menschen auf einen Corona-Test\" alt=\"Vor dem Belgrader Tropenkrankenhaus warten Menschen auf einen Corona-Test\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Vor dem Belgrader Tropenkrankenhaus warten Menschen auf einen Corona-Test<\/p>\n<p> Oliver Bunic\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>Er sei sich bewusst, sagte der \u00f6sterreichische Au\u00dfenminister Alexander Schallenberg, dass das keine leichte Entscheidung sei, man sei ja auch menschlich so eng mit dem Balkan verbunden. Aber die Corona-Situation in Europa gleiche derzeit einer &quot;sehr fragilen Porzellankiste&quot;.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich verh\u00e4ngte am Mittwoch die h\u00f6chste Reisewarnstufe f\u00fcr die L\u00e4nder des Westbalkan. Lange sah es so aus, als bliebe die Region vergleichsweise verschont von der Pandemie. Doch nun steigen die Neuinfektionen dort dramatisch:<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>in <strong>Serbien <\/strong>im Vergleich zur Vorwoche um 125 Prozent,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>in <strong>Bosnien-Herzegowina <\/strong>um 75 Prozent,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>in <strong>Kroatien <\/strong>gar um 232 Prozent.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit diesen Zahlen begr\u00fcndet die Regierung in Wien die Sicherheitsstufe sechs f\u00fcr Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Albanien und Kosovo. \u00d6sterreicher, die sich noch in den entsprechenden L\u00e4ndern aufhielten, sollten &quot;dringend&quot; das Land verlassen. Wer zur\u00fcckkehrt, muss sich in 14-t\u00e4gige Quarant\u00e4ne begeben, oder aber einen negativen Covid-19-Test vorweisen. Man f\u00fcrchte, so der Au\u00dfenminister, dass sich Urlauber in der Balkanregion anstecken und das Coronavirus wieder nach Hause schleppen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Regierung in Wien stellt sich mit ihrer Reisewarnung auch gegen eine gemeinsam beschlossene EU-Empfehlung von dieser Woche: Darin wird nahegelegt, die Einreiseverbote in 14 Drittstaaten aufzuheben &#8211; darunter auch Serbien und Montenegro.<\/p>\n<h3>Woher kommen die hohen Zahlen so pl\u00f6tzlich?<\/h3>\n<p>Man kann am Balkan nicht von einer zweiten Welle sprechen. Das Coronavirus kommt dort einfach verz\u00f6gert an. Die Regierungen haben, weil sie um ihre schwachen Gesundheitssysteme wissen, fr\u00fch einen harten Lockdown verordnet, und hielten die Zahlen so lange auf einem niedrigen Niveau. In den vergangenen Wochen dann gaben sie dem Druck von Wirtschaft und Bev\u00f6lkerung nach, in einigen L\u00e4ndern standen au\u00dferdem Wahlen an.<\/p>\n<p>In Serbien etwa nannte ein f\u00fchrender Lungenfacharzt das Coronavirus noch im Februar das &quot;lustigste Virus der Weltgeschichte&quot;, Pr\u00e4sident Aleksandar Vucic machte Witze \u00fcber Covid-19. Dann die Kehrtwende: Grenzen und Flugh\u00e4fen wurden geschlossen, genauso Schulen, Restaurants und Einkaufszentren. Menschen \u00fcber 65 durften ihre Wohnungen nicht verlassen, f\u00fcr alle anderen galt eine n\u00e4chtliche Ausgangssperre. Soldaten patrouillierten mit Sturmgewehren in den Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>So strikt der Lockdown war, so umfassend waren die Lockerungen: Anfang Juni fanden wieder Massenveranstaltungen wie das Belgrader Fu\u00dfballderby statt. 20.000 Zuschauer wohnten dem Spiel bei, von Mindestabstand keine Spur.<\/p>\n<p>Serbiens wohl bekanntester B\u00fcrger, Tennisstar Novak Djokovic, lud zu einem Charity-Turnier. Die Sportler posten in inniger Umarmung; Videos in sozialen Medien zeigen einige von ihnen beim Feiern. Wenig sp\u00e4ter gab Djokovic bekannt, dass er sich angesteckt hatte.<\/p>\n<p>Die Regierung in Belgrad, so der Epidemiologe Zoran Radovanovi\u0107, habe den Lockdown von heute auf morgen aufgehoben &#8211; damit im Juni die Wahlen stattfinden konnten. &quot;Nach der Wahl konnten wir einen weiteren Corona-Anstieg beobachten&quot;, sagt er. Radovanovi\u0107 war 1972 ma\u00dfgeblich an der Bek\u00e4mpfung eines Pockenausbruchs in der Region beteiligt.<\/p>\n<p>Er dr\u00e4ngt darauf, das \u00f6ffentliche Leben in Serbien wieder zur\u00fcckzufahren, das Gesundheitssystem sei einem gro\u00dfen Ausbruch nicht gewachsen. &quot;Aus meiner Sicht sollten Festivals und \u00e4hnliche Aktivit\u00e4ten nicht stattfinden&quot;, sagt der Mediziner. Doch er glaubt nicht daran, dass das \u00f6ffentliche Leben noch einmal ausgebremst werden kann: Die serbische Wirtschaft k\u00f6nne einem weiteren Lockdown nicht mehr standhalten.<\/p>\n<h3>Volle Restaurants in Nordmazedonien<\/h3>\n<p>&quot;In Nordmazedonien sind die Stra\u00dfen voll, die Pl\u00e4tze in den Restaurants bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt&quot;, sagt die Journalistin Saska Cvetkovska, &quot;ganz so, als h\u00e4tte es Corona nicht gegeben.&quot; Seit drei, vier Wochen steigen die Corona-F\u00e4lle in dem Land, sagt sie.<\/p>\n<p>Die Regierung habe den Lockdown pl\u00f6tzlich aufgehoben &#8211; vor allem, um dem W\u00e4hlerwillen zu gen\u00fcgen. Denn: Am 15. Juli wird in dem Land gew\u00e4hlt. Bis dahin h\u00e4tten strenge Ausgangsbeschr\u00e4nkungen gegolten, die Leute seien ungeduldig geworden und besorgt um ihre Gesch\u00e4fte, ihren Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>\u00c4rzte schlagen Alarm, sagt Cvetkovska, denn die Zahl der Corona-Toten steige &#8211; und die Kapazit\u00e4ten in den Krankenh\u00e4usern sei sehr begrenzt. Ihr Land sei gerade von der ganzen Welt abgeschnitten, &quot;\u00fcberall gelten Reisewarnungen f\u00fcr Nordmazedonien&quot;, so die Journalistin.<\/p>\n<p>In Serbien indes ger\u00e4t die Regierung angesichts der steigenden Infektionen immer st\u00e4rker in die Kritik. Bei einem Besuch in der mehrheitlich von ethnischen Bosniaken bewohnten Provinz Sandschak wurde Premierministerin Ana Brnabic j\u00fcngst von w\u00fctenden B\u00fcrgern empfangen. Aktivisten warnen vor einem Kollaps des Gesundheitssystems in der Region. \u00c4rzte beklagen, dass es an Schutzkleidung, Masken und Handschuhen ebenso fehle wie an Beatmungsger\u00e4ten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es Zweifel an der offiziellen Corona-Statistik. Das &quot;Balkan Investigative Reporting Network&quot; kam zu dem Ergebnis, dass die tats\u00e4chliche Zahl der Toten mehr als doppelt so hoch sei. Einem Bericht zufolge sind inzwischen auch Parlamentspr\u00e4sidentin Maja Gojkovic und Verteidigungsminister Aleksandar Vulin positiv auf das Virus getestet worden.<\/p>\n<h3>Slowenien und Kroatien: Was bedeutet der Ausbruch f\u00fcr den bevorstehenden Urlaub?<\/h3>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat die weltweite Reisewarnung innerhalb Europas weitgehend aufgehoben. F\u00fcr Drittstaaten gilt sie aber weiter bis Ende August. Auch das Ausw\u00e4rtige Amt in Berlin warnt vor nicht notwendigen Reisen in die L\u00e4nder des Westbalkan aufgrund der Covid-19-Situation.<\/p>\n<p>Sorge bereiten die Entwicklungen der Fallzahlen in den EU-L\u00e4ndern Kroatien und Slowenien. Hier hat sich die Ansteckungsrate in der vergangenen Woche mehr als verdoppelt. Beide L\u00e4nder haben ihre Grenzen f\u00fcr Urlauber aus EU-Staaten ohne Corona-Tests und Quarant\u00e4ne-Auflagen ge\u00f6ffnet. Sie sind stark vom Tourismus abh\u00e4ngig. Der Ansturm auf die Str\u00e4nde soll mit Abstands- und Hygienekonzepten geregelt werden.<\/p>\n<p>Kroatischen Beh\u00f6rden zufolge gehen die neuen Corona-Ansteckungen auf importierte F\u00e4lle zur\u00fcck. Es gibt einen hohen Austausch mit den angrenzenden Balkanstaaten. Doch es hielten sich demnach viele Kroatinnen und Kroaten auch nicht an die vorgeschriebenen Hygienema\u00dfnahmen.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Vor dem Belgrader Tropenkrankenhaus warten Menschen auf einen Corona-Test Oliver Bunic\/ AFP Er sei sich bewusst, sagte der \u00f6sterreichische Au\u00dfenminister Alexander Schallenberg, dass das keine leichte Entscheidung sei,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-890","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=890"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/890\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}