{"id":883,"date":"2020-07-03T18:46:28","date_gmt":"2020-07-03T15:46:28","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-medikament-remdesivir-die-wichtigsten-fakten-zum-ersten-medikament\/"},"modified":"2020-07-03T18:46:28","modified_gmt":"2020-07-03T15:46:28","slug":"corona-medikament-remdesivir-die-wichtigsten-fakten-zum-ersten-medikament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/corona-medikament-remdesivir-die-wichtigsten-fakten-zum-ersten-medikament\/","title":{"rendered":"Corona-Medikament Remdesivir: Die wichtigsten Fakten zum ersten Medikament"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/ab6af3d9-ccce-4c1d-9b33-404dd4387d28_w948_r1.77_fpx41.52_fpy44.99.jpg\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption> Yonhap\/ EPA-EFE\/Shutterstock <\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"caps\">Die EU-Kommission hat erstmals ein Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zugelassen. Die Europ\u00e4ische Arzneimittel-Agentur Ema hatte zuvor empfohlen, Remdesivir unter Auflagen auf den Markt zu bringen. Das Mittel ist jedoch nicht unumstritten. Der \u00dcberblick:<\/p>\n<h3>Um was f\u00fcr ein Mittel handelt es sich?<\/h3>\n<p>Remdesivir wurde urspr\u00fcnglich zur Behandlung von Ebola-Patienten entwickelt, allerdings nie f\u00fcr diesen Einsatz zugelassen, da es nicht den erhofften Erfolg zeigte. Das Mittel wird per Infusion verabreicht und hemmt ein Enzym, das Coronaviren f\u00fcr ihre Vermehrung ben\u00f6tigen. Vertrieben wird das Mittel von der US-Pharmafirma Gilead Sciences unter dem Handelsnamen Veklury.<\/p>\n<h3>Wie gut ist die Studienlage, auf der die Zulassung beruht?<\/h3>\n<p>Forscher haben bereits mehrere Studien zu Remdesivir ver\u00f6ffentlicht, aus vielen lassen sich jedoch kaum R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Wirksamkeit ziehen. Die Zulassung basiert aus diesem Grund vor allem auf einer Untersuchung, die ein internationales Team Ende Mai im &quot;New England Journal of Medicine&quot; ver\u00f6ffentlicht hatte. Bei der Untersuchung mit mehr als 1000 Krankenhaus-Patienten erhielt rund die H\u00e4lfte Remdesivir, die andere H\u00e4lfte wurde mit einem Placebo behandelt und diente als Kontrollgruppe.<\/p>\n<h3>Was bringt Remdesivir den Patienten?<\/h3>\n<p>&quot;Wir haben nachgewiesen, dass das Medikament bei einer Covid-19-Erkrankung den schweren Verlauf abmildert und die Krankheitsphase um etwa vier Tage verk\u00fcrzt&quot;, sagt der an der Studie beteiligte Infektiologe Gerd F\u00e4tkenheuer von der Uniklinik K\u00f6ln. Bei Patienten mit Remdesivir zeigte sich nach elf Tagen eine deutliche Verbesserung, bei den Patienten mit einem Placebo im Schnitt erst nach 15 Tagen.<\/p>\n<p>Bei der Studie profitierten jene Patienten besonders, die aufgrund einer schweren Lungenentz\u00fcndung bereits zus\u00e4tzlichen Sauerstoff ben\u00f6tigten, aber noch nicht k\u00fcnstlich beatmet werden mussten. Bei dieser Patientengruppe empfiehlt die Ema nun den Einsatz des Mittels. Der Arzneimittelagentur zufolge sollte es nur in Einrichtungen genutzt werden, in denen die Patienten eng \u00fcberwacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00e4tkenheuer zufolge ist Remdesivir insgesamt sehr gut vertr\u00e4glich. Bei der Studie gab es keine Hinweise, dass schwere Nebenwirkungen mit dem Medikament h\u00e4ufiger auftreten als in der Kontrollgruppe. In beiden Gruppen starben jedoch Menschen am Coronavirus, das Risiko daf\u00fcr war bei den Remdesivir-Patienten nicht signifikant geringer als in der Placebo-Gruppe. Die Gabe antiviraler Mittel allein reiche wahrscheinlich nicht als Therapie aus, hei\u00dft es in der Studie.<\/p>\n<h3>Gibt es auch Kritik an der Zulassung?<\/h3>\n<p>Der namhafteste Kritiker in Deutschland ist Uwe Janssens, Pr\u00e4sident der Deutschen Interdisziplin\u00e4ren Vereinigung f\u00fcr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Bisher gebe es keinen publizierten Beleg daf\u00fcr, dass Remdesivir die Sterblichkeit senke, erkl\u00e4rte er. &quot;Es gibt keine Evidenz daf\u00fcr, dass wir hier Leben retten.&quot; Erfolgreiche Behandlung bedeute f\u00fcr ihn unter anderem auch substanzielle Sterblichkeitsreduktion. Und die sei nach derzeitigem Stand nicht gegeben.<\/p>\n<p>&quot;Es fehlen definitiv valide und verl\u00e4ssliche Langzeitergebnisse f\u00fcr Covid-19-Patienten&quot;, sagte Janssens zudem. &quot;Und prinzipiell w\u00fcrden wir uns in der Intensivmedizin w\u00fcnschen, dass solche Studienergebnisse durch eine weitere Studie best\u00e4tigt werden.&quot;<\/p>\n<p>F\u00e4tkenheuer weist die Kritik zur\u00fcck: &quot;Wenn man liest &#039;vier Tage weniger krank gewesen&#039;, sagt man vielleicht: Na ja, was soll&#039;s? Macht das soviel aus? Aber es ist nat\u00fcrlich ein himmelweiter Unterschied, ob jemand auf die Intensivstation kommt und k\u00fcnstlich beatmet wird, oder ob ihm das erspart bleibt. Und das kann von diesem Medikament abh\u00e4ngen, solche F\u00e4lle haben wir in der Studie gehabt.&quot;<\/p>\n<p>Die Zulassung f\u00fcr Remdesivir gilt &#8211; anders als sonst \u00fcblich &#8211; erst mal nur begrenzt f\u00fcr ein Jahr. Anschlie\u00dfend soll anhand weiterer Studienergebnisse \u00fcber eine l\u00e4ngerfristige Zulassung entschieden werden. Dieses Verfahren erm\u00f6glicht es der EU, dringend ben\u00f6tigte Medikamente schnell zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<h3>Wird das Mittel in Deutschland \u00fcberhaupt verf\u00fcgbar sein?<\/h3>\n<p>Die USA haben zwar einen Gro\u00dfteil der bis September anvisierten Produktionsmenge von Remdesivir aufgekauft. Trotzdem sieht Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den deutschen Bedarf f\u00fcr die kommenden Wochen als gesichert. In der Zentralapotheke des Bundes gebe es noch genug Reserven, sagte Spahn am Donnerstag im ZDF-&quot;Morgenmagazin&quot;. Er erwarte von dem US-Hersteller nach der Zulassung, &quot;dass Deutschland und Europa versorgt werden, wenn es um ein solches Medikament geht&quot;.<\/p>\n<p>Remdesivir wird haupts\u00e4chlich in La Verne in Kalifornien produziert. &quot;Allerdings haben wir unsere eigene Herstellung durch erhebliche zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten von mehreren Produktionspartnern in Nordamerika, Europa und Asien erg\u00e4nzt&quot;, erkl\u00e4rte der Sprecher von Gilead in Deutschland, Martin Fl\u00f6rkemeier. Gilead habe zudem Lizenzvereinbarungen mit Generikaherstellern in \u00c4gypten, Indien und Pakistan geschlossen. Die Herstellung kann demnach jedoch nicht innerhalb von kurzer Zeit noch weiter hochgefahren werden.<\/p>\n<h3>Was kostet das Medikament?<\/h3>\n<p>Eine f\u00fcnft\u00e4gige Behandlung mit Remdesivir kostet in den USA Gilead zufolge 2340 Dollar (etwa 2000 Euro) pro Patient, wenn die Regierung das Mittel bestellt. Dieser Nettobetrag sei auch f\u00fcr Deutschland geplant, erkl\u00e4rte Fl\u00f6rkemeier. Die Kosten werden in Deutschland von den Krankenkassen \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>F\u00e4tkenheuer, der an der Remdesivir-Studie beteiligt war, bewertet den Preis als &quot;enorm hoch&quot;. &quot;Ich w\u00fcrde schon erwarten, dass gesamtgesellschaftliche und ethische Gesichtspunkte bei einem Medikament wie Remdesivir eine Rolle spielen&quot;, sagte der Infektiologe dem &quot;K\u00f6lner Stadt-Anzeiger&quot;.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Yonhap\/ EPA-EFE\/Shutterstock Die EU-Kommission hat erstmals ein Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19 zugelassen. 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