{"id":865,"date":"2020-07-02T21:59:34","date_gmt":"2020-07-02T18:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-florida-wir-werden-nichts-schliesen\/"},"modified":"2020-07-02T21:59:34","modified_gmt":"2020-07-02T18:59:34","slug":"coronavirus-in-florida-wir-werden-nichts-schliesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/coronavirus-in-florida-wir-werden-nichts-schliesen\/","title":{"rendered":"Coronavirus in Florida: &#8220;Wir werden nichts schlie\u00dfen&#8221;"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/3ee65c57-7bfe-4b7f-82f6-bb0c87352691_w948_r1.77_fpx29.45_fpy54.97.jpg\" title=\"Corona? Egal! Der Strand von Miami Beach\" alt=\"Corona? Egal! Der Strand von Miami Beach\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">Corona? Egal! Der Strand von Miami Beach<\/p>\n<p> CRISTOBAL HERRERA\/EPA-EFE\/Shutterstock <\/figcaption><\/figure>\n<p>Dienstags ist &quot;Taco Tuesday&quot; im &quot;La Mexicana&quot;. Es gibt Zwei-Dollar-Teigschalen mit H\u00fchnchen und Schweinefleisch, dazu Margaritas, Sangria und Cerveza.<\/p>\n<p>Ein Dutzend G\u00e4ste l\u00e4sst es sich schmecken auf der Veranda der popul\u00e4ren Kneipe in Wilton Manors, eine Dreiviertelstunde n\u00f6rdlich von Miami. Die Deckenventilatoren kommen kaum an gegen die schw\u00fcle, schwere Luft, doch die Laune ist gut, man lacht, trinkt, plaudert. Im Hintergrund laufen spanische Musikvideos. Alles eben wie fr\u00fcher.<\/p>\n<p>Fast. &quot;H\u00e4nde desinfizieren&quot;, steht auf einem Schild, ein anderes bittet, einen Mundschutz zu tragen. &quot;Braucht ihr aber nicht&quot;, fl\u00fcstert die Kellnerin hinter ihrem eigenen Mundschutz. &quot;Nur wir Angestellten sollen das.&quot; Den Sinn dieser seltsamen Zwei-Klassen-Regel kann sie freilich nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Was wiederum viel erkl\u00e4rt. In 37 US-Bundesstaaten steigen die Corona-Zahlen wieder, zum Teil dramatisch. Trotzdem z\u00f6gern die meisten bis zum letzten Moment und oft zu lange, ihre Corona-Regeln wieder zu versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>Was dazu f\u00fchrt, dass die USA, das reichste Land der Welt, den Kampf gegen das Virus gerade zu verlieren scheinen: 43.644 neue F\u00e4lle allein am &quot;Taco Tuesday&quot;, dann 52.789 am Mittwoch &#8211; so viele wie nie zuvor.<\/p>\n<p>Die bef\u00fcrchtete zweite Welle rollt vor allem durch den S\u00fcden und S\u00fcdwesten. Florida, Arizona, Texas, Georgia, North Carolina, Kalifornien: Seit Tagen schnellen die Infektionszahlen und die Todesraten hier wieder in die H\u00f6he. Voller Furcht schauen die Experten aufs kommende Feiertagswochenende, wenn sich zum US-Unabh\u00e4ngigkeitstag Tausende auf den Partys dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>In Florida ballten sich immer schon die irrsten Kontraste und Kuriosit\u00e4ten Amerikas. Und jetzt ballt sich hier die US-Coronakrise.<\/p>\n<p>Rund 160.000 Infektionen und 3550 Todesopfer z\u00e4hlte der &quot;Sunshine State&quot; bisher. Mittlerweile kommen t\u00e4glich mehr als 6000 neue F\u00e4lle hinzu, mehr als in jedem anderen US-Bundesstaat. Am letzten Samstag waren es sogar 9585, die h\u00f6chste gemessene Zahl, seit sie diese Zahlen messen.<\/p>\n<p>Fast die H\u00e4lfte dieser Statistik findet sich an der S\u00fcdostk\u00fcste: Miami, Fort Lauderdale, Palm Beach, wo US-Pr\u00e4sident Donald Trump seinen Wohnsitz hat, das Strandschloss Mar-a-Lago. Und fast die H\u00e4lfte sind diesmal Kinder, Jugendliche und Heranwachsende, nicht Senioren wie im April.<\/p>\n<p>Trotzdem sperrt sich Florida dagegen, neue Corona-Vorschriften einzuf\u00fchren, anders als etwa Kalifornien, Texas und Arizona. &quot;Wir kehren nicht um, werden nichts schlie\u00dfen&quot;, beharrt Gouverneur Ron DeSantis.<\/p>\n<p>DeSantis steht &#8211; ohne Mundschutz &#8211; unter einem Zeltdach in Juno Beach. Eigentlich will er bei dem Auftritt in dieser Wochenmitte mit seinen Verdiensten um den K\u00fcstenschutz prahlen. Aber die Journalisten fragen ihn nach dem Coronavirus.<\/p>\n<p>Solche Szenen spielen sich hier fast jeden Tag ab: DeSantis arbeitet seine Routinetermine ab, redet von allem anderen, nur nicht vom Virus. Doch die Realit\u00e4t holt ihn stets ein.<\/p>\n<p>&quot;Wir sind sehr gut aufgestellt&quot;, wiegelt er ab. Als eine Reporterin skeptisch nachfragt, wird ihr Mikrofon gekappt.<\/p>\n<p>DeSantis, 41, ist Trumps Mini-Me. Der Republikaner imitierte den Pr\u00e4sidenten im Gouverneurswahlkampf 2018 erfolgreich. Nun imitiert er auch dessen Corona-Strategie: Kopf in den Sand und durch.<\/p>\n<p>Lange unterdr\u00fcckte DeSantis die schlimmsten Statistiken. Erst seit dieser Woche l\u00e4sst er \u00fcberhaupt die Zahl der Krankenhauseinlieferungen ver\u00f6ffentlichen, eine wichtige Messlatte f\u00fcr den Ernstfall.<\/p>\n<p>Auch Rebekah Jones, die die staatliche Corona-Datenbank f\u00fcr Florida geschaffen hat, behauptet, die offiziellen Daten w\u00fcrden &quot;manipuliert&quot;. Sie sei gen\u00f6tigt worden, schlechte Zahlen zu sch\u00f6nen und zu &quot;verstecken&quot;, um die Lockerung der Auflagen retroaktiv zu rechtfertigen. Als sie sich geweigert habe, sei sie gefeuert worden. <\/p>\n<p>Jones betreibt jetzt ihre eigene Datenbank, die manche als korrekter verstehen als die amtlichen Angaben des Ministeriums. Die aktuellsten Zahlen dort f\u00fcr Florida: 169.447 Infektionen, 3650 Tote.<\/p>\n<p>Von Anfang an war DeSantis&#039; Corona-Strategie chaotisch. Er behauptete, keiner unter 25 k\u00f6nne sich anstecken. Er musste Anordnungen korrigieren, andere wurden nie ver\u00f6ffentlicht. Er propagierte &#8211; wie sein Vorbild Trump &#8211; das Medikament Hydroxychloroquin, von dem Florida fast eine Million Dosen aus Israel bestellte, die dann weitgehend ungenutzt verstaubten. Er hielt keine regelm\u00e4\u00dfigen Corona-Briefings ab wie andere Gouverneure.<\/p>\n<p>Stattdessen verh\u00f6hnte DeSantis seine Kritiker: &quot;Keiner von diesen Leuten wei\u00df irgendwas \u00fcber Florida.&quot; Doch auch die eigenen W\u00e4hler lie\u00dfen sich nicht t\u00e4uschen: In einer Corona-Rangliste von 15 Gouverneuren landete DeSantis schon im April auf dem letzten Platz.<\/p>\n<p>DeSantis war auch einer der ersten US-Gouverneure, die Trumps Wunsch nach einer schnellen &quot;Wiederer\u00f6ffnung&quot; der Nation erf\u00fcllten; bereits im Mai war es f\u00fcr Restaurants, Bars, Sportstudios, Str\u00e4nde und Stripklubs so weit.<\/p>\n<p>Damit war die Lunte gez\u00fcndet f\u00fcr die jetzige Explosion der Corona-Zahlen. Das \u00fcberrascht keinen, der erlebt hat, was sich im Fr\u00fchjahr anderswo abspielte, namentlich in New York City, das 100 Tage Lockdown \u00fcberstand, um das Virus kleinzukriegen. Floridas Krankenh\u00e4user erreichen ihre Kapazit\u00e4tsgrenzen, an mobilen Teststationen und Essensausgaben wachsen die Autoschlangen, manche Leute stellen sich schon nachts an.<\/p>\n<p>Noch etwas hat DeSantis gemein mit Trump: Er delegiert die schwerste Verantwortung nach unten. Viele St\u00e4dte und Kommunen sehen sich deshalb gezwungen, auf eigene Faust ein Patchwork aus Corona-Regeln zu entwickeln, mangels Vorgaben durch die Regierung.<\/p>\n<h3>&quot;Notfalls mit Polizisten&quot;<\/h3>\n<p>So beschlossen die B\u00fcrgermeister der am schwersten betroffenen Orte, darunter Miami, Miami Beach, Fort Lauderdale und Palm Beach, die vollen Str\u00e4nde \u00fcbers Wochenende wieder zu sperren. Als das bekannt gegeben wurde, waren im Hintergrund Protestrufe zu h\u00f6ren: &quot;Sozialismus!&quot;<\/p>\n<p>Auch verh\u00e4ngten etliche St\u00e4dte wieder Abstandsregeln und Maskenzwang im Freien. Trotzdem flanierten in Miami Beach am Mittwoch viele weiter ohne Mundschutz \u00fcber den Strandboulevard Ocean Drive, vor den Restaurants standen Menschentrauben. &quot;Wir m\u00fcssen st\u00e4rker durchgreifen&quot;, sagte Dale Holness, der B\u00fcrgermeister des Nachbarbezirks Broward, dem SPIEGEL. &quot;Notfalls mit Polizisten.&quot;<\/p>\n<p>In der Kleinstadt Milton im Nordwesten Floridas erlie\u00df B\u00fcrgermeisterin Heather Lindsay \u00fcbrigens ebenfalls eine Maskenanordnung. Der Stadtrat annullierte sie prompt. &quot;Dies ist Amerika, ein freies Land&quot;, sagte ein Einwohner vor der Abstimmung, und eine andere: &quot;Wir sind nicht China.&quot;<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern Corona? Egal! Der Strand von Miami Beach CRISTOBAL HERRERA\/EPA-EFE\/Shutterstock Dienstags ist &quot;Taco Tuesday&quot; im &quot;La Mexicana&quot;. 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