{"id":802,"date":"2020-06-29T18:53:32","date_gmt":"2020-06-29T15:53:32","guid":{"rendered":"http:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/aktienmarkt-und-corona-krise-millennials-investieren-in-pleiteunternehmen\/"},"modified":"2020-06-29T18:53:32","modified_gmt":"2020-06-29T15:53:32","slug":"aktienmarkt-und-corona-krise-millennials-investieren-in-pleiteunternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/onlinetranslators.de\/news\/nachrichten\/aktienmarkt-und-corona-krise-millennials-investieren-in-pleiteunternehmen\/","title":{"rendered":"Aktienmarkt und Corona-Krise: Millennials investieren in Pleiteunternehmen"},"content":{"rendered":"<figure>     <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.prod.www.spiegel.de\/images\/f0f79d78-9153-452c-8706-232ed1bfb79c_w948_r1.77_fpx70_fpy55.jpg\" title=\"New York Stock Exchange: Kauf, wenn die Kurse fallen\" alt=\"New York Stock Exchange: Kauf, wenn die Kurse fallen\"\/>      Icon: vergr\u00f6\u00dfern<figcaption>\n<p class=\"caps\">New York Stock Exchange: Kauf, wenn die Kurse fallen<\/p>\n<p> Jeenah Moon\/ AFP <\/figcaption><\/figure>\n<p>In den vergangenen Wochen haben 160 Millionen Amerikaner von ihrer Regierung einen Scheck bekommen. Die meisten haben mit den bis zu 1200 Dollar pro Person die Miete, Autorate und andere Rechnungen bezahlt, oder sie polsterten ihre Ersparnisse auf. Doch ein Teil der Empf\u00e4nger fand f\u00fcr das Helikoptergeld eine kreativere Verwendungsm\u00f6glichkeit: ab ins B\u00f6rsencasino. Ein Prozent der Amerikaner sagen in einer Umfrage des Instituts YouGov, sie h\u00e4tten mit der unverhofften Staatsknete Aktien gekauft. Und zwar nicht mit Blick auf die Altersvorsorge, sondern spekulativ.<\/p>\n<p>Auch den 22-j\u00e4hrigen Marketing-Absolventen Bryan Quevedo, der sich als Lkw-Fahrer durch die Wirtschaftskrise hangelt, hat Covid-19 zum Zocker gemacht. Kaum war der Scheck in seinem Briefkasten, orderte Quevedo f\u00fcr 1000 Dollar Hertz-Aktien, wie er der Nachrichtenagentur Reuters erz\u00e4hlte. Kurz zuvor hatte der Autovermieter die Pleite erkl\u00e4rt, aber Quevedo focht das nicht an. Im Gegenteil: Pl\u00f6tzlich war die Aktie, die im Februar noch mit mehr als 20 Dollar notiert hatte, spottbillig zu haben. Ab jetzt k\u00f6nne der Kurs nur wieder steigen, analysierte Quevedo. Und kaufte.<\/p>\n<p>Der Corona-Absturz hat in Amerika eine neue Klasse von Spekulanten geschaffen, die auf ein altes B\u00f6rsenmotto setzen: &quot;Buy the f*cking dip&quot; oder auch #BTFD, also: Kauf, wenn die Kurse fallen. F\u00fcr den Run der Kleinanleger gibt es verschiedene Erkl\u00e4rungen: Viele \u00d6konomen machen die Notenbank verantwortlich, die mit ihren Billionen-Programmen zum Garanten unkaputtbarer Finanzm\u00e4rkte geworden sei. Befeuert wird die Lust auf den Aktienerwerb dadurch, dass Onlinebroker wie Charles Schwab mittlerweile auf Provisionen ganz verzichten. &quot;Investieren f\u00fcr jedermann&quot; wirbt die bei Millennials besonders beliebte App Robinhood um die Dollars der Massen.<\/p>\n<h3>Ersatz f\u00fcr Videogames und Sportwetten?<\/h3>\n<p>Manche Beobachter allerdings argw\u00f6hnen, dass hinter der Kleinanleger-Hausse einfach Langeweile von jungen Leuten steckt, die wegen der Pandemie wochenlang zu Hause eingesperrt waren: &quot;Die Millennials und Gen Z ersetzen Videogames und Sportwetten durch eine neue Mode: den Aktienmarkt&quot;, schimpfte Dion Rabouin, Finanzexperte beim Nachrichtenportal Axios.<\/p>\n<p>Der Beratungsfirma BCA Research zufolge haben Kleinanleger allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres drei Millionen neue Konten bei Robinhood er\u00f6ffnet, ein Plus von 30 Prozent. Zehn Millionen Freizeitzocker sind nun auf der App unterwegs. Sie machen Jagd auf alles, was billig ist &#8211; oder zumindest billig erscheint. Sie kaufen Amazon und Apple, aber vor allem wetten sie auf Unternehmen, deren Gesch\u00e4ftsmodell Covid-19 ins Wanken gebracht hat: Kreuzfahrtgesellschaften, Fluglinien oder auch sogenannte REITs, die in Renditeimmobilien investiert sind. Die Zahl der Robinhood-Anleger, die den Kreuzfahrtanbieter Norwegian im Portfolio haben, ist heute 365 Mal so hoch wie im Februar.<\/p>\n<p>Als besonders hei\u00dfer Tipp gelten in der Szene die Zombies der Corona-Wirtschaft: Pleitiers wie die Einzelhandelskette J.C. Penney, das \u00d6lunternehmen Whiting Petroleum oder eben Hertz. Dem unabh\u00e4ngigen Dienst Robintrack zufolge hielten vor der Insolvenz des Autovermieters am 18. M\u00e4rz 3500 Robinhood-Kunden Hertz-Aktien. Am 14. Juni waren es etwa 50 Mal so viele. Diese Nachfrage sorgte daf\u00fcr, dass der Kurs wieder zu steigen begann.<\/p>\n<h3>Welcher Feierabend-Investor liest schon Emissionsprospekte?<\/h3>\n<p>Das Hertz-Management erkannte die Chance auf eine Frischzellenkur junger Spender &#8211; und holte sich beim Konkursgericht das Go f\u00fcr den Verkauf neuer Aktien im Umfang von bis zu einer Milliarde Dollar. Vorschriftsm\u00e4\u00dfig wies das mit fast 20 Milliarden Dollar verschuldete Unternehmen im B\u00f6rsenprospekt darauf hin, dass die neuen Anteilsscheine durch die Insolvenz wahrscheinlich wertlos w\u00fcrden &#8211; aber welcher Feierabend-Investor liest schon Emissionsprospekte? Erst eine Intervention der B\u00f6rsenaufsicht SEC beendete den Spuk.<\/p>\n<p>Professionelle Marktgurus verfolgen das Geschehen mit einer Mischung aus Entsetzen und Staunen. Denn tats\u00e4chlich haben die &quot;Kleinanleger, die rasen wie Donald Ducks Neffen&quot; (Investment-Stratege Doug Peta von BCA Research) Marktbewegungen ausgel\u00f6st &#8211; und die Profis zumindest im ersten Anlauf deklassiert. Nach einer Analyse der Investmentbank Goldman Sachs von Mitte Juni hat ein Korb aus bei den Amateuren besonders beliebten Aktien seit dem Tiefpunkt um 61 Prozent zugelegt. Die Favoriten der Hedgefonds-Manager brachten es in diesem Zeitraum nur auf 45 Prozent, der S&amp;P-500-Index auf plus 36 Prozent.<\/p>\n<p>Zumindest f\u00fcr diejenigen K\u00e4ufer, die fr\u00fchzeitig einstiegen, &quot;als die institutionellen Investoren schreiend aus dem brennenden Geb\u00e4ude rannten&quot;, habe sich die Wette wohl ausgezahlt, r\u00e4umt Peta ein. Wer allerdings erst sp\u00e4ter auf den Zug aufgesprungen sei, der sei nun wahrscheinlich in der Verlustzone. Die Hertz-Aktie ist nach einem wilden Schleuderkurs wieder deutlich unter zwei Dollar angekommen.<\/p>\n<p>Dass sich die B\u00f6rsennovizen davon in die Flucht jagen lassen, bezweifelt Peta dennoch. &quot;Das sind Schatzj\u00e4ger, die nicht so leicht aufgeben. Sie suchen das Gold am Ende des Regenbogens.&quot; Peta f\u00fchlt sich in diesen Tagen an die Dotcom-Manie der Jahrtausendwende erinnert, als Amateurzocker ihre Jobs k\u00fcndigten, um sich lustig mit dem B\u00f6rsenkarussell zu drehen. Als der Jahrmarkt schloss, landeten viele im finanziellen Desaster.<\/p>\n<p>Derweil haben andere ihre Sch\u00e4fchen ins Trockene gebracht: Viele Profianleger h\u00e4tten die wieder steigenden Kurse der vergangenen Wochen genutzt, um Aktien von Unternehmen abzusto\u00dfen, die als existenziell bedroht gelten, so Peta. Die auf den gro\u00dfen Gewinn hoffenden Kleinanleger verschafften dem Markt die notwendige Liquidit\u00e4t, damit sich institutionelle Verk\u00e4ufer leise verabschieden konnten.<\/p>\n<p> Icon: Der Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Icon: vergr\u00f6\u00dfern New York Stock Exchange: Kauf, wenn die Kurse fallen Jeenah Moon\/ AFP In den vergangenen Wochen haben 160 Millionen Amerikaner von ihrer Regierung einen Scheck bekommen. 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